Unterwegs als Vertreter des Pfarrers

Verkündet seit 35 Jahren ehrenamtlich Gottes Wort: Lektor Norbert Martin, hier am Altar der Nikolaikirche in Felsberg. Hier und in der Friedenskirche in Böddiger wird sein Engagement in den Gottesdiensten am Ostersonntag gewürdigt. Foto: Schaake

Norbert Martin steht seit 35 Jahren ehrenamtlich als Lektor auf Kanzeln in den Kirchenkreisen Melsungen und Fritzlar-Homberg.

Nach 35 Jahren Ehrenamt im Dienst der evangelischen Kirche fällt die Bilanz von Norbert Martin positiv aus. „Die Verkündung von Gottes Wort sind Dreh- und Angelpunkt für meinen Dienst“, sagt der 62-jährige Verwaltungsangestellte der Landwirtschaftlichen Krankenkasse. In 35 Jahren hat Martin als Lektor - siehe Stichwort - 1750 Gottesdienste gehalten. Nicht nur in seiner heimischen Nikolaikirche in Felsberg, sondern überhaupt in den Kirchenkreisen Melsungen und Fritzlar-Homberg.

Als Vertreter des Pfarrers und der Pfarrerin sind Lektoren unentbehrlich. Und Martin hat oft genug erlebt, dass er - im Notfall immer erreichbar - auch zusätzlich einspringen musste, weil ein Pfarrer plötzlich erkrankte.

Norbert Martin, verheiratet und Vater einer Tochter, kommt in 35 Jahren auf 5250 Stunden Arbeit im Ehrenamt. Und selbst wenn sonntags nur drei Besucher kommen, fällt der Gottesdienst nicht aus. In diesem Fall gab es Gottes Segen zu Viert. Waren es weniger als zehn Besucher, hat man sich auf Stühle rund um den Altar gesetzt. In solch einem Fall, sagt Martin, fühlt man sich erst einmal verlassen, „dann aber fühlt man sich wie in einer kleinen Gruppe, einer Gemeinschaft“.

Manchmal wenige Besucher

Anfangs sei man über geringe Besucherzahlen frustriert, gibt Martin zu, „aber es hilft ja nichts, niemand wird nach Hause geschickt. Den Kopf in den Sand stecken wegen geringer Besucher - das gibt es nicht“.

Angefangen hat alles unter Pfarrer Karl-Werner Brauer, der von 1969 bis 1974 Seelsorger in Felsberg war. Martin wohnte in der alten Oberförsterei neben dem Pfarrhaus, und Brauer bat ihn, den Buß- und Bettagsgottesdienst mitzugestalten. Martin übernahm die Lesung und die Liturgie. Dann ruhte alles. Als die Landeskirche später Lektoren suchte, bewarb er sich. Dauerte die Ausbildung damals vier Wochen, ist es heute ein Jahr.

Lampenfieber

Beim ersten Gottesdienst in Felsberg hatte er Lampenfieber, „aber das gibt sich dann“. Heute ist er zufrieden: „Ich habe vielen Menschen etwas mitgegeben für den Lebensweg. Die Menschen sind sehr dankbar und fragen, wann kommen Sie wieder?“ Und auch sehr gut besuchte Gottesdienste - wie beispielsweise Weihnachten - sind für Martin Motivation genug, weiterzumachen. Im April wird er 63 und tritt in den Ruhestand. Dann hat er noch mehr Zeit für die Hobbys Garten, Seelsorge und Singen bei der Liedertafel 1844, der er mehr als 40 Jahre treu ist. • Termin: Das Engagement von Lektor Norbert Martin wird am Ostersonntag in zwei Gottesdiensten gewürdigt: ab 9.15 Uhr in der Friedenskirche in Böddiger und ab 10.45 Uhr in der Nikolaikirche in Felsberg.

Von Manfred Schaake

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