Verkauf: Neuenbrunslarer hätten Alte Schule gern anderweitig genutzt

Sind verärgert über das Vorgehen der Stadt: von links Ortsvorsteher Sascha Tümmler und sein Stellvertreter Hilmar Löber vor der Alten Schule in Neuenbrunslar, die zusammen mit dem Nebengebäude (links) verkauft wurde. Fotos: Féaux de Lacroix

Neuenbrunslar. Die Stadt Felsberg hat die Alte Schule in Neuenbrunslar verkauft - inklusive des Nebengebäudes. Bei den Mitgliedern des Ortsbeirats sorgt das für Ärger.

Sie hatten sich gegen den Verkauf des Komplexes an der Wolfershäuser Straße ausgesprochen und dafür plädiert, zumindest das Nebengebäude in städtischem Besitz zu belassen. Denn dort hatten viele Vereine und Gruppen ihr Material untergestellt.

Bürgermeister Volker Steinmetz räumte ein, es habe „Abstimmungsbedarf“ mit dem Ortsbeirat und den früheren Nutzern der Gebäude gegeben. Letztlich hatte der Magistrat dann aber den Verkauf des gesamten Komplexes beschlossen.

Immerhin ein Wunsch der Neuenbrunslarer wurde aber doch erfüllt: Die „Lindenplatz“ genannte Fläche rechts neben der Alten Schule wurde nicht mitverkauft, obwohl der Käufer auch daran Interesse hatte.

Der Käufer der beiden Gebäude komme nicht aus Felsberg, sagte Steinmetz. Genauer wollte er sich nicht äußern. Zumindest das Nebengebäude wolle der neue Eigentümer wohl gewerblich nutzen. 39.000 Euro hat die Stadt für die beiden Gebäude erhalten - und sie damit unter Wert verkauft, findet der Ortsbeirat.

„Vor einigen Jahren wurde der Wert des Gebäudes noch auf 75.000 Euro geschätzt“, sagt der stellvertretende Ortsvorsteher Hilmar Löber. Deshalb könne er nicht nachvollziehen, warum die Stadt das Gebäude zu diesem Preis verkauft hat. Besser wäre es aus seiner Sicht gewesen, Wohnungen in dem Haus zu vermieten: „Wohnraum in Neuenbrunslar ist begehrt, wir haben keinen Leerstand.“

Ein weiterer Vorschlag des Ortsbeirats sei gewesen, den Komplex zur Flüchtlingsunterkunft umzuwandeln, sagt Ortsvorsteher Sascha Tümmler. Früher oder später werde die Stadt Felsberg sicherlich vom Landkreis in die Pflicht genommen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Neuenbrunslar habe eine gute Infrastruktur und sei damit ein guter Platz, um Flüchtlinge zu integrieren.

Die Alte Schule und das Nachbargebäude haben eine bewegte Geschichte: Nachdem die Schule 1962 in ein anderes Gebäude umzog, wurden in der Alten Schule Sozialwohnungen und ein Schulungsraum für die Feuerwehr untergebracht. Das Nachbarhaus war bis Mitte der 1960er-Jahre ein Badehaus, danach wurde es von der Feuerwehr genutzt.

Bislang hatte das Historische Archiv Neuenbrunslar die Räume der Alten Schule genutzt, es musste nach dem Verkauf mit Sack und Pack ausziehen. Ihr Büro haben die Archiv-Mitglieder jetzt im Dorfgemeinschaftshaus. In den dortigen Kellerräumen sollte eigentlich das Archiv-Material gelagert werden. Doch jetzt ist der seit langem ungenutzte DGH-Keller erst mal auf unbestimmte Zeit gesperrt - wegen Schadstoffbelastung.

Neu ist diese Belastung nicht: „Wir fordern seit langem, dass der Keller saniert wird“, sagt Ortsvorsteher Sascha Tümmler.

Die Stadt hat stattdessen eine Scheune in Neuenbrunslar angemietet, in der nun Vereine und Gruppen - darunter auch das Historische Archiv - ihre Sachen lagern können. „Als vorübergehendes Provisorium geht das“, sagt Heiko Fenzl vom Archiv. „Aber auf Dauer ist das keine Lösung.“ Es sei deshalb wichtig, dass der schadstoffbelastete Keller schnell saniert werde: „Dort haben wir dann genug Platz, um Regale aufzustellen und unsere Materialien ordentlich zu lagern.“ (jul)

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