1. Startseite
  2. Lokales
  3. Melsungen
  4. Felsberg (Hessen)

Wassertaufe für Nachwuchsdrucker: In Felsberg wird eine uralte Tradition gepflegt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Manfred Schaake

Kommentare

null
Abreibung: Björn Haase wird mit dem Schwamm traktiert.

Felsberg. Eine uralte Tradition wird in Felsberg gepflegt: Das Druck- und Medienunternehmen Strube hat die schöne Gautsch-Tradition wieder aufleben lassen. Zwölf Drucker und zwei Schriftsetzerinnen wurden während des Gautschfestes freigesprochen.

Gautschen ist ein Buchdrucker-Brauch, der sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt: Die Lehrlinge werden nach bestandener Abschlussprüfung in einer Freisprechungszeremonie in einer Bütte untergetaucht und auf einen nassen Schwamm gesetzt.

Bei Strube wurden die Gäutschlinge – auch Kornuten genannt – von sechs Packern jeweils dreimal im Holzbottich untergetaucht.

„Wie einst die Alten stolz zu tun geruhten, so tun auch wir zu altem Brauches Preis“, sagte Gautschmeister Michael Gluth.

Der Druckermeister ist seit 1986 bei Strube tätig und leitete unter dem Beifall vieler Mitarbeiter die Zeremonie, die in Felsberg seit 2006 nicht mehr stattgefunden hatte. Am Ende nahm Gluth jedem Gäutschling das Bekenntnis ab: „Es sei künftig mein Bestreben, stets ein tugendhaftes Leben.“

Für Gluth und sein Unternehmen ist es wichtig und schön, „dass man eine solch schöne Tradition nicht in Vergessenheit geraten lässt“. Die meisten ließen die Zeremonie ohne Murren über sich ergehen, einige kreischten. Zwei Drucker wollten flüchten, wurden aber von den Packern schnell gepackt. Zur Strafe wurden sie mehr als dreimal ins 18 Grad kalte Wasser getaucht. Sie nahmen es gelassen hin.

Mit der Wassertaufe soll nach den Worten Gluths symbolisiert werden, „dass es notwendig war, den Unfug, die Fehlerhaftigkeit, die Murrerei und die Jubelei der Lehrzeit zu beseitigen und abzuwaschen.“ Die Gesellen mussten versprechen, „dass es Fehler und Makulatur es ab sofort nicht mehr geben soll“.

Schön, dass unser Unternehmen diese Tradition pflegt“, sagte Katja Löffelmann nach der Veranstaltung. Modernität und Tradition schließen sich nicht aus, sagte Roland Strube, Geschäftsführer von Strube. Uns ist es wichtig, diesen Brauch fortzuführen.“

Auch interessant

Kommentare