Beobachtungen eines Fahrgastes

Weiter Weg zum Fahrkartenautomat - Kritik am NVV

Schlecht zu erreichen: Der Fahrkartenautomat steht auf der Felsberger Seite des Bahnhofs, Fahrgäste auf der Gensunger Seite müssen den weiten Weg dorthin in Kauf nehmen. Foto: Féaux de Lacroix

Gensungen. Der öffentliche Nahverkehr soll erschwingliche Preise und guten Service bieten, gleichzeitig auch rentabel sein - ein Spagat, wie ein Beispiel aus Gensungen zeigt.

Heinz Müller (Name von der Redaktion geändert) ist sauer. Der Gensunger ärgert sich immer wieder über den, wie er sagt, „miserablen Service des NVV.“ Der 66-Jährige hat zwar ein Auto, fährt aber lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Gensungen nach Kassel - unter anderem, um sich die Suche nach einem teuren Parkplatz zu ersparen. Doch auf seinen Fahrten stößt er auf so manches Ärgernis. Zwei Kritikpunkte führt er an.

Kritikpunkt 1: Die Fahrkartenautomaten

Früher, erinnert sich Heinz Müller, habe es am Bahnhof Felsberg-Gensungen noch zwei Fahrkartenautomaten gegeben - einen auf der Felsberger, einen auf der Gensunger Seite. Letzterer sei jedoch abgebaut worden, mit dem Hinweis, die Fahrgäste könnten ihre Tickets auch im Zug kaufen. Dieses Argument aber lässt Müller nicht gelten: Kürzlich sei er in Gensungen in einen Zug eingestiegen, der wider Erwarten keine Fahrkartenautomaten an Bord hatte. „So wurde ich ungewollt zum Schwarzfahrer“, sagt der 66-Jährige.

Zum Fahrkartenautomaten auf der anderen Bahnhofsseite zu laufen, hält Müller für unzumutbar: „Das sind 250 Meter hin und 250 Meter zurück, also ein halber Kilometer.“ Für ihn mit seiner Gehbehinderung sei das nicht gut machbar - und anderen, älteren Fahrgästen gehe das sicherlich ähnlich.

Kritikpunkt 2: Der Fahrplan

Aus Sicht von Heinz Müller müsste die Regiotram 9, die zwischen Gensungen und Kassel verkehrt, häufiger fahren. Unter der Woche einmal pro Stunde, an Sonn- und Feiertagen sogar nur alle zwei Stunden - das ist aus Sicht von Müller zu wenig. Zum Vergleich: Die Regiotram 5, die Kassel und Melsungen verbindet, fährt tagsüber im Halbstunden-Takt. Auch, dass die letzte Bahn von Kassel nach Gensungen am Samstagabend um 23.29 Uhr fährt, ärgert Müller.

Das sagt der Nordhessische Verkehrsverbund zu den Automaten

Fahrkartenautomaten kosten den Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) viel Geld: pro Automat einmalig 30.000 Euro für die Anschaffung und jährliche Betriebskosten von 5000 bis 6000 Euro, sagt NVV-Sprecherin Sabine Herms. Deshalb versuche man, „doppelte Vertriebswege“ zu vermeiden. Sprich: Wenn Fahrgäste ihre Tickets an Bord der Züge kaufen können, sei es nicht notwendig, zusätzlich auch noch mehrere Fahrkartenautomaten bereitzustellen. In Gensungen gebe es allerdings die Besonderheit, dass neben der Regiotram (mit Automaten an Bord) auch der Regionalexpress (ohne Automaten an Bord) auf dieser Strecke fährt. Die Regiotram werde zudem derzeit durch die Kurhessenbahn ersetzt, deren Züge auch keine Fahrkartenautomaten an Bord haben. Wer diese Züge nutzt, muss also wohl oder übel zum Fahrkartenautomaten auf der anderen Bahnsteigseite laufen. Natürlich sei dies für einige Fahrgäste, etwa für Menschen mit Gehbehinderung, ein Hemmnis, räumt Herms ein. Um sich den weiten Weg bei jeder Fahrt zu sparen, könnte man ein Mehrfahrtenticket ziehen - oder die Fahrkarte gleich übers Handy kaufen.

... und zum Fahrplan

Wie oft Züge auf einer Strecke verkehren, hänge davon ab, wie viele Fahrgäste diese Strecke nutzen, erklärt Sabine Herms. In Felsberg-Gensungen steigen im Schnitt täglich 400 Fahrgäste aus und ein. Am Wochenende seien allerdings durch die fehlenden Berufspendler deutlich weniger Fahrgäste unterwegs - deshalb führen die Regiotrams dann auch nur im Zweistundentakt. Allerdings werde es im Dezember 2015 wohl eine Fahrplanänderung geben, da dann die Züge der Hessischen Landesbahn auf der Strecke fahren. Die genauen Abfahrtszeiten seien aber noch nicht geklärt.

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