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Zwei Ziegenböcke wollen nicht mehr von der Felsburg weg

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Von: Manfred Schaake

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Fühlen sich auf der Felsburg so wohl, dass sie mit dem Rest der Herde nichts mehr zu tun haben wollen: Die Böcke Max und Peter vom Ziegenhof Ems-Aue in Haddamar, hier am Südhang der Felsburg.
Fühlen sich auf der Felsburg so wohl, dass sie mit dem Rest der Herde nichts mehr zu tun haben wollen: Die Böcke Max und Peter vom Ziegenhof Ems-Aue in Haddamar, hier am Südhang der Felsburg. © Manfred Schaake

Zwei Ziegenböcke auf der Felsburg sind derzeit Tagesgespräch in Felsberg. Die Tiere wollen nicht in ihre Heimat nach Haddamar zurück.

Felsberg / Haddamar – Einsam und allein halten sich zwei Ziegenböck im Landschaftsschutzgebiet rund um die mehr als 1000 Jahre alte Burg auf. Sie sind ihrem „Stammhaus“, dem Ziegen-Hof Ems-Aue in Haddamar, und dem Rest der Herde untreu geworden sind.

Max und Peter, drei Jahre alt, gehören inzwischen zum „Stammpersonal“ der Burg. Mitglieder des Burgvereins und auch Besucher freuen sich über das Naturschauspiel. Der Burgverein betreut die Ruine und das Landschaftsschutzgebiet seit seiner Gründung 1885 und hat pro Jahr schon bis zu 1000 Arbeitsstunden geleistet.

Dankbar ist er dafür, dass es seit Jahren Unterstützung bei der Landschaftspflege gibt: Im Auftrag der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen kommen alle Jahre wieder Ziegen und Schafe, die übrigens auch an der Staatsdomäne Mittelhof im Einsatz sind.

Ziegen in Felsberg: Max und Peter auf Abwegen

Ab Anfang Juli waren mehr als 20 Ziegen aus Haddamar drei Wochen auf der Felsburg. Als sie dann in den Knüll wechselten, ließen sich Max und Peter nicht einfangen. Die Ziegenböcke bockten. Ziegenhof-Eigentümerin Daniela Will sieht es gelassen: „Beide fühlen sich auf der Felsburg sauwohl, sodass sie nicht mehr weg wollen.“

Die Tiere werden übrigens jeden Tag mit Wasser versorgt. Sie selbst versorgen sich mit dem bisschen Grün, das noch wächst. Sie mit Futter anzulocken und einzufangen – es gelingt der erfahrenen Tierhalterin einfach nicht. Man hat auch schon Futter auf den Anhänger gestreut, um sie anzulocken. Doch Fehlanzeige: „Man kann sie einfach nicht anfassen“, sagt Daniela Will. Als die anderen Ziegen abgeholt wurden und treu und friedlich auf den Anhänger gingen, sind Max und Peter abgehauen.

Ziegen in Felsberg sind Kletterkünstler

Sie haben sich versteckt, und auch eine Basaltgrotte unter dem Burgkeller dient als gutes Versteck. Immer wieder sind sie zu beobachten, wenn sie auf den steilen Klippen herumturnen. Viele Beobachter machen sich Sorgen, doch die Familie Will beruhigt alle Jahre wieder: Die Ziegen sind Kletterkünstler.

Sogar mithilfe einer Drohne hat man inzwischen schon versucht, Peter und Max einzufangen. Vor zwei Jahren waren schon mal zwei Schafe der Wills abtrünnig geworden, sie ließen sich aber nach zwei Wochen einfangen. Mit Peter und Max, sagt Daniela Will, gab es noch nie Probleme, „sie sind eigentlich ganz zahm“.

Der Fall Felsberg sei bisher einmalig. Sorgen macht sie sich aber nicht: „Beiden geht es super gut. Sie sind treu, laufen nicht weg und auch Schlösser und Gärten sieht kein Problem.“

Eine Chance, dass sie bald freiwillig zu ihrer Chefin kommen, sieht die Eigentümerin, wenn es mal kühler wird. Sie weiß, dass die Böcke in Felsberg gut aufgehoben sind: „Sie sind jetzt das neue Maskottchen des Burgvereins.“

Felsberger Burgverein freut sich über die Ziegen

In der Jahreshauptversammlung waren Max und Peter auch Thema. „Von mir aus können sie gern auf der Burg bleiben, solange sie keine Gärten plündern“, sagt Vorsitzender Horst Fenge. „Was Schöneres, als auf der Felsburg zu wohnen und sich wohlzufühlen, gibt es doch gar nicht“, sagte ein Mitglied.

Kassierer Thomas Gipper hat diese Idee: Da das Amt des Naturschutzwartes nicht besetzt sei und nun bewiesen sei, wie wichtig das Felsburg-Gelände für den Natur- und Landschaftsschutz sei, sollten die Grünen in Felsberg dieses Amt besetzen.

Das sei ein Antrag an den Bürgermeister. Volker Steinmetz, der im Zusammenhang mit den Ziegen von einem guten Sinnbild sprach, antwortete: „Ich spreche den Fraktionsvorsitzenden an.“ (Manfred Schaake)

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