Wegschauen ist ein Fehler

Felsberger diskutierten Studie zu Rechtsextremismus im Kreis

Felsberg. Fehlender Widerspruch gegen rechtsextremes Handeln und Denken ist eine günstige Voraussetzung für die Etablierung einer rechtsextremen Szene vor Ort.

Vor diesem Hintergrund kommt es in den Städten und Gemeinden des Schwalm-Eder-Kreis perspektivisch darauf an, dass sich alle Menschen angesprochen fühlen, wenn es um Demokratie und Fairness im Zusammenleben geht.

Das geht aus einer Studie hervor, die das Mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Hessen (MBT) im Auftrag des Landkreises erstellt hat und am Mittwochabend in Felsberg der Öffentlichkeit zur Diskussion stellte. Etwa 20 Gäste kamen dazu auf Einladung des Landkreises in die Drei-Burgen-Schule.

"Wegschauen kann schon der erste Fehler sein“, sagte der Felsberger Bürgermeister Volker Steinmetz. Dies sei auch ein Alltagsproblem. Im eigenen Umfeld gelte es aufzustehen und seine Position deutlich machen. Die Zivilgesellschaft müsse Position beziehen, wenn beispielsweise wie in Altenbrunslar Unbekannte ein Hakenkreuz auf öffentliche Flächen sprühten, selbst wenn dieser Fall nach der Polizeistatistik in den vergangenen zwei Jahren das einzige offiizielle Delikt rechtsextremen Ursprungs gewesen sei.

Rechtsextremismus vorwiegend als Jugendproblem abzuhandeln, greift bei weitem zu kurz. Darauf verwies Stephan Bürger, Leiter des Kreisprojekts „Gewalt geht nicht!“ mit Blick auf die MBT-Studie. Rechtsextremismus ist vielmehr ein Teil der Alltagskultur - diesen Schluss zieht das MBT Hessen aus der Studie, die sich auf Interviews mit 90 Personen aus 21 Städten und Gemeinden im Schwalm-Eder-Kreis stützt.

Damit muss sich aber auch Schule auseinandersetzen, befand Drei-Burgen-Schulleiter Dr. Dieter Vaupel. Dabei gehe es in der Erziehung um Beziehungsarbeit, und zwar nicht mit jungen Nazis, sondern mit jungen Menschen, die man nicht auf Etiketten wie Nazi reduzieren dürfe, wenn man pädagogisch handlungsfähig bleiben wolle.

Hier und da schien bei der Diskussion der Studie auch ein wenig Ratlosigkeit auf. Die Felsberger Sozialarbeiterin Heike Miedler verwies auf verschiedene Gruppen in der Drei-Burgen- Stadt, die trotz vielfacher Bemühungen nicht in Vereinen oder anderen Gruppen integriert seien. „Ich trete auf der Stelle“, sagte die städtische Sreetworkerin.

Und Linda Trieschmann von der Feuerwehr Dickershausen erklärte, Veranstaltungen wie Nachtwanderungen würden trotz Programmgleichheit bei rechtsextremen Veranstaltern oftmals weit besser angenommen als bei der Feuerwehr. Auch da stelle sich die Frage nach dem Warum. Eine Antwort hatte die Diskussionsrunde indes auf die Schnelle auch nicht parat. (lgr)

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