In Malsfeld

Förderverein will Gasthaus Goldener Löwe retten: Mitstreiter gesucht

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Beiseförth ist ohne Treffpunkt: Das Gasthaus Goldener Löwe ist seit vorigem Jahr nur noch nach Voranmeldung geöffnet. Für Bürgermeister Herbert Vaupel (links) und den Fördervorsitzenden Herbert Harbusch ist das ein unhaltbarer Zustand.

Beiseförth. Am Donnerstagabend geht es in Beiseförth um eine Grundsatzentscheidung: Bei einem Info-Abend ab 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus sollen die Beiseförther darüber entscheiden, ob sowohl das Gasthaus als auch der Förderverein Goldener Löwe eine Zukunft haben - beides steht auf der Kippe.

Denn das Lokal in der Ortsmitte ist seit fast einem Jahr nur noch nach vorheriger Anmeldung geöffnet. „Die Gaststätte bleibt aus betriebswirtschaftlichen Gründen geschlossen“, steht in dem Schaukasten am Eingang, in dem eigentlich eine Speisekarte hängen sollte.

„Das ist für uns eine sehr unbefriedigende Situation“, sagt Bürgermeister Herbert Vaupel. Denn im Malsfelder Ortsteil gibt es zwar eine Pizzeria, aber sonst keinen Treffpunkt, an dem man einmal ganz zwanglos bei einem Bier zusammen kommen könnte.

Genau den hatte aber der Förderverein im Sinn, den Herbert Harbusch zusammen mit Gleichgesinnten 2002 gründete. Sie sorgten dafür, dass das Wirtshaus in der Ortsmitte mit Hilfe vieler Spenden saniert werden und 2004 erstmals verpachtet werden konnte. Seitdem haben die Pächter öfter gewechselt.

Zurzeit hat die Familie Eschbach den Goldenen Löwen gepachtet. Ihr aber hat die Gemeinde nun gekündigt. Allerdings erst zum Ende des Jahres 2015, damit der Familie genügend Zeit und Luft bleibt, sich nach etwas Neuem umzuschauen.

Beim Infotermin am Donnerstag soll es darum gehen, ob es neue Ideen und Initiativen gibt, die wieder neues Leben in den Goldenen Löwen bringen. Vor allem aber geht es darum, herauszufinden, wie groß denn die Bereitschaft der Beiseförther ist, im Förderverein mitzuarbeiten. Der zählt 47 Mitglieder, doch längst nicht alle sind aktiv: „Wir brauchen dringend Nachwuchs“, sagt Herbert Harbusch (72).

Er erinnert sich noch zu gerne an die Zeiten, in denen der Goldene Löwe brummte, in denen dort Karneval und Kabarett stattfanden. Jetzt wäre er schon froh, wenn der Löwe ab 2016 wieder für Familienfeiern und als Treffpunkt zur Verfügung stünde.

Die Gemeinde unterstützt den Förderverein, will aber selbst nicht Eigentümerin werden: „Das Führen eines Lokals gehört ja nun einmal nicht zu den Hauptaufgaben einer Verwaltung“, sagt Herbert Vaupel. Seine Hoffnung: Dass das Schicksal des Löwen den Beiseförthern nicht egal ist und sie am Donnerstag zum Info-Abend ins DGH kommen.

Das sagen die Pächter

Im vorigen Jahr hatte die Familie Eschbach den Goldenen Löwen an 341 Tagen geöffnet. Wochentags, sonntags, bei warmem Wetter auch mit Biergarten. „Wir saßen tage- und wochenlang allein im Lokal“, berichtet Gabriele Eschbach. „Es hätte ruhig mal jemand kommen können.“

Am Jahresende habe die Familie dann die bittere Bilanz gezogen: An den den 341 Tagen, in denen die Türen des Löwen offen standen, habe sie im Schnitt pro Tag 7,50 Euro verdient. „Das reicht nicht einmal, um die Pacht zu bezahlen, geschweige denn, dass wir etwas verdienen“, sagt Eschbach.

Der Familienbetrieb - Norbert und Gabriele Eschbach führen ihn mit ihrem Sohn - habe wirklich lange versucht, den Einwohnern einen Treffpunkt zu bieten. Vergeblich. Sie hätten stets Getränke und Lebensmittel vorrätig gehalten, stets die Mittagskarte geändert, die Gaststube im Winter beheizt - um dann festzustellen: „Die Beiseförther gehen einfach nicht aus.“ Deshalb habe man sich dazu entschlossen, das Gasthaus nur nach Voranmeldung zu öffnen.

Ihren Lebensunterhalt verdienen die Eschbachs nun, indem sie Kindergärten und Schulen im Raum Melsungen-Morschen-Malsfeld mit Mittagessen beliefern, das sie frisch in der Küche des Goldenen Löwen kochen. Nachdem sie nun die Kündigung zum Ende des Jahres 2015 erhalten haben, suchen sie intensiv nach einer neuen Küche. Die wird wohl nicht in Malsfeld sein. „Die Gewerbesteuer, die wir mit dem Catering-Unternehmen verdienen, wird der Gemeinde fehlen“, sagt Gabriele Eschbach.

Sie hat voller Verwunderung vom Informationsabend im DGH gehört. „Wenn der Goldene Löwe den Menschen hier tatsächlich so am Herzen liegt, warum sind sie dann nie gekommen?“

Von Claudia Brandau

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