Forstrevier Morschen: Urwald schützt vor Überschwemmungen

Hier ranken sich die Pflanzen fast wie im Dschungel: Revierleiter Günter Heinzeroth im Mörscher Auewald, der zum großen Teil sich selbst überlassen wird. Foto: Rehermann

Morschen. Der größte Auewald des Schwalm-Eder-Kreises liegt im Forstrevier Morschen. Er schützt die Umgebung vor Überschwemmungen.

Wenn Revierleiter Günter Heinzeroth den Auewald in seinem Gebiet inspiziert, kann es vorkommen, dass er nasse Füße bekommt: Nahe der Fulda sorgt das Naturschutzgebiet für ein Becken, wo der Fluss im Falle eines Hochwassers gefahrlos über die Ufer treten kann. Wie ein Schwamm saugt der Waldboden dort das Wasser auf. Die Sand- und Kiesschichten filtern es und verbessern so die Grundwasserqualität. „Hier stehen ganz andere Baumarten als oben am Hang“, sagt Heinzeroth, „denen macht es nichts aus, wenn sie mal länger unter Wasser stehen.“ Stieleiche und Esche gehören dazu, ebenso wie die Feldulme, Wildapfel und Wildbirne.

Der Auewald ist die große Besonderheit im Revier Morschen. In Deutschland steht er auf der Liste der gefährdeten Biotoptypen und gilt als von der Vernichtung bedroht. Dabei ist er nicht nur unerlässlich für den Hochwasserschutz, sondern bietet einen auch einen Rückzugsort für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten: „Hier leben unter anderem Graureiher, Rotmilane und verschiedenste Libellenarten“, berichtet der 58-jährige Revierleiter. Zudem nisteten Wanderfalken in den Pfeilern der ICE-Trasse und auch Biber seien im Fluss schon gesichtet worden.

60 Prozent des Auewaldes gelten als Regenerationsfläche, das heißt, dass hier der Wald sich selbst überlassen wird. Die Forstwirte greifen auch dann nicht ein, wenn ein Sturm für Windbruch sorgt - stattdessen entsteht aus dem toten Holz neuer Lebensraum für Insekten und Pilze.

Der Auewald ist mit seinen 18 Hektar jedoch nur ein kleiner Teil des Morscher Reviers.

„Das Revier Morschen hat viele Köpfe, aber nur eine Stirn“, sagt Heinzeroth und deutet auf die Hügel in der Umgebung: Jägerkopf, Bornbergkopf und Wolfskopf sind nur einige der Namen, über alle erhebt sich die Katzenstirn. Dort gedeiht größtenteils ein klassischer Wirtschaftswald mit großen Laubholzflächen.

Obwohl dort im Gegensatz zum Auewald gefällt werden darf, hat auch hier die Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert. Schließlich, so, Heinzeroth, gelte es auch diesen Wald zu erhalten.

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