Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs: Sprechen nach dem Schock

Schwalm-Eder. 70.000 deutsche Frauen erkranken jährlich an Brustkrebs. Eine schockierende Diagnose, die viele Fragen aufwirft und ganze Lebensentwürfe in Frage stellen kann.

Eine besondere Form der Unterstützung erfahren von Krebs Betroffene in Selbsthilfegruppen. Eine davon ist die Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs, die bundesweit aktiv und auch in Homberg vertreten ist.

Die Gruppe 

35 Frauen aus dem gesamten Schwalm-Eder-Kreis nehmen regelmäßig an den Gruppentreffen teil, die alle zwei Wochen stattfinden. „Sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, kann ein wichtiger Beitrag zur Genesung sein“, weiß Marlies Dingel, die die Regionalgruppe gemeinsam mit Gisela Tirpitz leitet und selbst an Brustkrebs erkrankt war.

Die Idee

Die Gewissheit, mit seinen Fragen und Sorgen nicht allein zu sein, sei für viele befreiend. Zudem werde die Familie, die oft in besonderem Maße mit der Krankheit konfrontiert ist, durch die Gruppentreffen entlastet.

„Die meisten Frauen kommen nach einer abgeschlossenen Krebstherapie zu uns“, sagt Marlies Dingel. Andere seien noch mitten in der Chemo-Behandlung, wenn sie zur Gruppe stoßen. Dort können sie offen über Beschwerden, soziale Sorgen und Zukunftsängste sprechen - auf Wunsch auch unter vier Augen mit einer der Leiterinnen. Das sei, so Dingel, für viele erst einmal angenehmer.

Das Programm 

Wer sich die Gruppentreffen als Gesprächskreis vorstellt, der irrt allerdings: Das Jahresprogramm ist nämlich äußerst abwechslungsreich. Die Teilnehmerinnen backen und basteln, gehen Eis essen und feiern Feste. Auch ärztliche Fachvorträge und kulturelle Ausflüge gehören dazu. „Wir teilen alle ein Schicksal. Aber der Krebs bestimmt nicht unser Leben“, sagt Marlies Dingel. Und genau das sei es, was sie Betroffenen vermitteln möchte: „Man muss die Krankheit akzeptieren, aber dennoch am Leben teilhaben.“

Auch für Außenstehende, die oft unsicher sind, wie sie mit einem Krebspatienten umgehen sollen, haben die Leiterinnen der Selbsthilfegruppe Ratschläge.

Denn oft machten Betroffene die Erfahrung, dass sich Freunde und Bekannte aus Überforderung nicht mehr meldeten. „Man kann zum Beispiel fragen: Möchtest du reden? Ich möchte gern wissen, wie es dir geht“, sagt Tirpitz. Ehrlich zu seiner Unsicherheit zu stehen, sei der beste Weg, mit der Situation umzugehen.

Kontakt: Die Treffen der Frauenselbsthilfegruppe finden jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat, im Sommer ab 19 Uhr, im Winter ab 16 Uhr (mit Ausnahmen), statt. Veranstaltungsort ist das Psychosoziale Zentrum, Memelweg 4, in Homberg.

Infos: Marlies Dingel, Tel. 06693/222, Gisela Tirpitz, Tel. 06691/3747. www.frauenselbsthilfe.de

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