Modernisierung und Digitalisierung

Stätte als offener Raum: Neue Leiterin der Gedenkstätte Breitenau will neue Akzente setzen

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Wechsel an der Spitze der Gedenkstätte Breitenau: von links Gunnar Richter, Ann Katrin Düben, Dietfrid Krause-Vilmar und Edgar Slawik.

Guxhagen – Modernisierung, Digitalisierung und Stärkung von Teilhabe – diese Schlagwörter nannte die neue Leiterin der Gedenkstätte Guxhagen, Dr. Ann Katrin Düben, als Antwort auf die Frage, welche Akzente sie setzen möchte.

 Düben ist Nachfolgerin von Dr. Gunnar Richter, der zum 35-jährigen Bestehen der Gedenkstätte feierlich verabschiedet wurde. In der dreistündigen Feierstunde in der voll besetzten Klosterkirche Breitenau wurde Richters Engagement in zwölf Reden gewürdigt. Er bleibt Vorsitzender des Fördervereins.

Mittelfristig strebt Dr. Düben an, das öffentliche Erscheinungsbild der Gedenkstätte anzupassen und zu modernisieren. Dabei denke sie beispielsweise an die Web-Präsenz der Gedenkstätte. In einer zunehmend digitalen Welt sei außerdem zu überlegen, wie die Quellen- und Materialsammlungen des Archivs, vor allem die erhaltenen Gefangenenakten, als Digitalisate in ein tragfähiges Vermittlungskonzept integriert werden können. „Es reicht nicht aus, Akten zu digitalisieren und online zu stellen“, sagte Dr. Düben. Sie sollten auch so zugänglich gemacht werden, dass eine Vor- und Nachbereitung des Gedenkstättenbesuchs im Sinne einer Vertiefung möglich sei.

Mit ihrem Team überlege sie, wie beispielsweise Social Media in die Gedenkstättenarbeit integriert werden können und wie die Gedenkstätte sich noch stärker in der Lehrer-Weiterbildung engagieren könnte. Düben: „Angesichts eines zunehmend aggressiven Diskurses können Gedenkstätten als außerschulische Lernorte nicht nur historisches Wissen vermitteln, sondern verfügen auch über die Kompetenz, für ausgrenzendes Denken und Handeln zu sensibilisieren.”

Düben sieht ihre Aufgabe darin, die Gedenkstätte auch gerade bei jüngeren Menschen bekannter zu machen: „Ich wünsche mir, dass die Gedenkstätte als offener Raum wahrgenommen wird, der gestaltet werden kann, an den neue und eigene Fragen gestellt werden, und freue mich über Kooperationsideen, die Nutzung Breitenaus als Veranstaltungsort für Seminare, Ausstellungen, Vorträge oder Theaterstücke.” Sie wolle die sehr gute Zusammenarbeit mit allen Partnern aus der Region fortführen. Die Gedenkstätte habe sich zu einem zentralen Erinnerungsort in Nordhessen entwickelt, dessen Bedeutung auch über die Region hinaus strahle.

Professor Dr. Krause Vilmar würdigte Gunnar Richter als Glücksfall, der die Gedenkstätte erfolgreich geleitet und eigene Akzente gesetzt habe. Die Gedenkstätte wurde 1984 in der ehemaligen Zehntscheune des Klosters Breitenau eingerichtet. Sie erinnert an die Verfolgten und Ermordeten des ehemaligen KZ (1933/34) und späteren Arbeitserziehungslagers (1940 – 1945), die während der NS-Zeit auf dem Gelände bestanden. Kontakt: Tel. 0 56 65/35 33. 

ZUR PERSON 

Ann Katrin Düben wurde 1984 in Flensburg geboren. Nach dem Abitur hat sie an der Universität Leipzig Mittlere und Neuere Geschichte studiert. Nach ihrem Studium hat sie unter anderem in der Gedenkstätte Buchenwald und der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig gearbeitet. Dort war sie zuvor zweieinhalb Jahre im Vorstand des Gedenkstättenvereins tätig. Promoviert hat sie über die Erinnerung an die Emslandlager zwischen 1945 und 2011. Düben ist ledig und lebt in Kassel.

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