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Geflüchtete aus der Ukraine werden in Sporthallen untergebracht

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Von: Damai Dewert

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Vorerst keine 7-Meter mehr in Guxhagens Großsporthalle: Torfrau Ronja Madeleine Klaatz vom TSV Wollrode muss nun woanders Bälle halten. Archi
Vorerst keine 7-Meter mehr in Guxhagens Großsporthalle: Torfrau Ronja Madeleine Klaatz vom TSV Wollrode muss nun woanders Bälle halten. (Archivfoto) © Richard Kasiewicz

Hunderte geflüchtete Menschen aus der Ukraine sind bereits im Landkreis angekommen. Viele von ihnen werden vorübergehend in Turnhallen des Landkreises und der Kommunen untergebracht.

Schwalm-Eder – Die Solidarität mit den Kriegsflüchtlingen ist groß – auch unter den Sportlern, die wegen der eingeschränkten Hallennutzung vor schwierigen Aufgaben stehen.

Für die Tischtennisspieler im Landkreis sei die Nutzung der Hallen alternativlos, sagt der Sportbeauftragte des Landkreises Jörg-Thomas Görl. Der Ligabetrieb wurde unterbrochen beziehungsweise abgebrochen. Die Tischtennisspieler seien schon während der Pandemie die großen Verlierer gewesen, benötigten sie doch die Hallen für Training und Ligabetrieb. Stark betroffen seien noch die Handballer. Im Gegensatz zu Basketballern und Volleyballern, von denen es ohnehin nur wenige Vereine mit Spielbetrieb im Landkreis gebe, seien die Handballer auch auf die Hallennutzung angewiesen.

In den Wintermonaten seien die Hallen im Landkreis zu 100 Prozent ausgelastet. Die Vereine belegten die Hallen nach Ende der Schule in der Zeit von 15 bis 22 Uhr. Die Hallen würden während der Wintermonate auch von den Rasensportlern wie den Fußballern und Leichtathleten genutzt. Zum Glück könnten einige dieser Gruppen ihr Training nach draußen verlegen und so Hallenzeiten freigeben, sagt Görl. Es habe bereits zahlreiche Gespräche aller Verantwortlichen gegeben. Die Solidarität mit den Geflüchteten sei hoch – genauso die Flexibilität, die alle zeigten.

Einschnitte auch beim Schulsport

Auch für den Schulsport gibt es Einschnitte. Eingeschränkte Hallennutzungen habe es auch in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen gegeben, sagt Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamts in Fritzlar. Die Situation stelle Schulleitungen und Sportlehrer vor neue Herausforderungen. „Sie finden aber immer Wege, mit diesen gut umzugehen und den Sportunterricht angemessen abzuhalten.“ Zugute komme den Schulen, dass in den kommenden Monaten Sportunterricht im Freien stattfinden könne.

Die Hallennutzung für die ukrainischen Kriegsflüchtlinge ist alternativlos: „Die Menschen brauchen jetzt Schutz und Unterkunft“, sagt Dennis Möller von der Stadt Felsberg. Das unterstützt auch Torsten Schmidt, Bezirksvorsitzender des Handballbezirks Melsungen-Fulda. Daran möchte er überhaupt keinen Zweifel aufkommen lassen. Er kritisiert aber, dass der Landkreis die Sportler so spät und so kurzfristig informiert habe. Die Entscheidung, die Hallen für die Unterbringung zu nutzen, sei doch sicher schon viel länger diskutiert worden, da hätte man die direkt betroffen doch mit ins Boot holen können, lautet sein Vorschlag.

Die Bürgermeister schöben es auf den Landrat und der nach Wiesbaden. Es stünden zig Ligaspiele an. Betroffen seien aber natürlich auch Trainingszeiten und Angebote wie Tanzen und Gymnastik. Es sei eine enorme Flexibilität notwendig, denn einheitliche Lösungen könne es nicht geben. Der Homberger HC beispielsweise weiche nach Borken aus und Vereine, die in der Guxhagener Halle spielten, könnten mit einer Ausnahmegenehmigung des Handballverbandes in der Körler Berglandhalle spielen. Die sei eigentlich nicht für Spiele auf Verbandsebene freigegeben gewesen, sagt der 51-Jährige aus Sontra.

Ulrich Manthei Sportkreisvorsitzender
Ulrich Manthei, Sportkreisvorsitzender © Dewert, Damai D.

Auch Guxhagens Bürgermeisterin Susanne Schneider findet es bedauerlich, dass es mit den Hallensportlern diejenigen betrifft, die schon durch die Coronapandemie stark eingeschränkt waren. Die Gemeinde hätten bereits einige Anfragen erreicht – sie würden sich weiter bemühen, um nach Alternativen zu suchen. Der Schulsport und manche Bereiche des Vereinssports könnten im Freien und auf dem Sportgelände des Tuspo Guxhagen stattfinden. Zum Umziehen könnten die Umkleidekabinen des Vereins genutzt werden. Wie für alle betroffenen Städte und Gemeinden im Landkreis gelte, Vereine und Einwohner sollten sich bei den Verantwortlichen melden, wenn sie Vorschläge und Ideen hätten.

Zeiträume für die Belegung sind nicht klar

Die Planungen würden erschwert, sagt Schmidt, weil niemand wüsste, für welchen Zeitraum die Hallen belegt seien und ob nicht weitere hinzukämen. „Für die Hallensportarten ist das wieder eine schwierige Situation“, sagt Ulrich Manthei, Vorsitzender des Sportkreises Schwalm-Eder. Die vergangenen zwei Jahre seien wegen der Coronapandemie schon sehr fordernd gewesen. „Viele Spiele sind ausgefallen und viele Trainings fanden nicht statt.“

Torsten Schmidt Handballbezirksvorsitzender
Torsten Schmidt, Handballbezirksvorsitzender © Schmidt, Torsten

Es gebe aktuell viele Unwägbarkeiten bezüglich der Dauer der Belegung. „Ich möchte aber betonen, dass der Sportkreis zu 100 Prozent mit den Geflüchteten solidarisch ist. Wir machen das gerne.“

Er habe auch eine gute Nachricht für die Geflüchteten, die Vereine und die Kommunen: Der Landessportbund und der Versicherungskonzern Arag haben ganz aktuell beschlossen, dass alle geflüchteten Ukrainer ab sofort versichert seien, wenn sie im Vereinsumfeld Sport betrieben. „Ich appelliere daher an alle Vereine, macht den Menschen Angebote. Das hilft, die Schrecken des Krieges etwas in den Hintergrund zu schieben.“

Susanne Schneider Bürgermeisterin Guxhagen
Susanne Schneider, Bürgermeisterin Guxhagen © Schaake, Manfred

Glücklicherweise könnten viele Angebote jetzt nach und nach nach draußen verlegt werden. Bis dahin schlägt er vor, alles zu nutzen, was da sei. Bewegungsräume in Kindergärten, Dorfgemeinschaftshäuser, eben alles, wo Sport möglich sei. Während des Sportkreistages am 4. April werde das Thema auch besprochen werden, sagt Manthei.

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