Gensunger liebt Holz und gibt Modelle ab

Vom Heuwagen bis zur Hochzeitskutsche: Eine Spezialität von Joachim Wurst sind originalgetreue Modelle von Kutschen – dank einer Stellmacher-Lehre kennt er sich mit Rädern und Wagen gut aus. Foto: Féaux de Lacroix

Gensungen. Der Gensunger Joachim Wurst ist für seine Holzarbeiten bekannt, sogar ins Fernsehen hat er es damit schon geschafft.

Holz, Holz und nochmal Holz: Das sieht man, wenn man das Haus von Joachim Wurst und seiner Frau Anna in Gensungen betritt. Truhen, Regale, Stühle, Tische und Dekoration - fast 25 Jahre lang hat Joachim Wurst in seiner Freizeit alles Mögliche aus Holz gebastelt.

So viel, dass das Ehepaar Wurst inzwischen nicht mehr weiß, wohin mit dem vielen Holz. „Andere stellen sich Blumen hin - dafür haben wir keinen Platz“, sagt Anna Wurst (78) und lacht. Deshalb wird Joachim Wurst sein geliebtes Hobby nun aufgeben und nicht mehr weiter schreinern. „Einmal muss Schluss sein, so traurig das ist“, sagt der 84-Jährige.

Abnehmer gesucht

Zudem will er einen Teil seines Werks in gute Hände abgeben: „Wenn wir mal nicht mehr sind, soll das nicht alles weggeworfen werden.“

Joachim Wurst hat in seiner Jugend in Hofgeismar eine Schreiner-Lehre absolviert, anschließend ging er bei einem Stellmacher in Melgershausen in die Lehre. Nach dem Abschluss der Ausbildung baute er für eine Firma Wohnwagen, wechselte dann für zehn Jahre zur Bahn, bevor er als Hausmeister an der Gensunger Grundschule anfing.

„Ich war immer verrückt nach Arbeit.“

Als Wurst mit 60 Jahren in Rente ging, suchte er nach einer Beschäftigung - und entdeckte das Schreinern wieder für sich. „Ich war immer verrückt nach Arbeit“, sagt Wurst, „wenn ich abends nicht wusste, was ich am nächsten Tag zu tun habe, konnte ich nicht schlafen.“

Also zog er sich immer wieder in seine Werkstatt im Gartenhäuschen zurück. Die war stellenweise zu klein für die Projekte, die er sich vorgenommen hatte. „Einmal hat er einen massiven Holzschrank gezimmert. Der war am Ende so groß, dass er nicht mehr durch die Werkstatt-Tür passte“, erzählt Anna Wurst. Kurzerhand musste Joachim Wurst die Türöffnung vergrößern, damit der Schrank die Werkstatt verlassen konnte.

Manchmal erledigte Wurst Auftragsarbeiten - einmal schreinerte er beispielsweise die komplette Takelage für das Segelboot eines Melsungers. Das meiste aber hat Joachim Wurst einfach so, für sich selbst, geschreinert.

Seine Spezialität sind Modelle von Kutschen. Ob Milchwagen, Heuwagen, Jauchewagen, Postkutsche oder Hochzeitskutsche - alles hat er detailgenau nachgebaut. „Heute kennen die meisten Leute diese ganzen alten Fahrzeuge nicht mehr“, sagt Wurst. Wie man Räder baut, hat Wurst während seiner Stellmacher-Lehre gelernt. Heute gerät der Beruf zusehends in Vergessenheit, seitdem moderne Fahrzeuge die Kutschen ersetzt haben.

Im Lebendigen Museum in Bad Wildungen-Odershausen zeigte Wurst vor einigen Jahren sein Können - und schaffte es damit sogar ins Fernsehen. Vielleicht, sagt Wurst, könnten seine Holzmodelle deshalb auch für ein Museum interessant sein. • Kontakt: Wer sich für die Holzarbeiten von Joachim Wurst interessiert, kann sich unter Tel. 05662/6246

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