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Unfall auf A7: Lkw mit Chemikalien fängt Feuer – Gefährlicher Einsatz für 180 Einsatzkräfte

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Von: Helmut Wenderoth, Hannah Köllen, Erik Scharf

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Auf der A7 zwischen Guxhagen und Melsungen brennt ein Gefahrguttransporter.
Auf der A7 zwischen Guxhagen und Melsungen brennt ein Gefahrguttransporter. © Helmut Wenderoth

Auf der A7 ist ein mit Chemikalien beladener Lkw in Brand geraten. Rund 180 Einsatzkräfte waren im Einsatz, die Autobahn war mehrere Stunden gesperrt.

+++19.17 Uhr: Es war ein Großeinsatz für die Hilfskräfte aus dem Schwalm-Eder-Kreis: Ein mit Chemikalien beladener Sattelzug fing am Dienstagabend auf der A7 zwischen Guxhagen und Melsungen Feuer. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand. Den Schaden schätzt die Polizei auf 150.000 Euro. Die Autobahn war über mehrere Stunden in beiden Richtungen komplett gesperrt.

Bewohner der umliegenden Städte und Gemeinden waren laut Einsatzleiter Markus Brandenstein vorsorglich über die KAT-Warn-App, Online-Medien und Radio dazu aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten und das Haus nicht zu verlassen. Es konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden, dass eine Gefahr für die Gesundheit besteht. „Doch es stellte sich zum Glück heraus, dass, außer für die Einsatzkräfte in unmittelbarer Umgebung, keine Gefahr bestand“, sagte Brandenstein. Die Sperrung der A7 wurde gegen 1 Uhr aufgehoben. Er habe so etwas wie den Einsatz am Dienstag (22.02.2022) in seiner Karriere noch nicht erlebt, sagte Guxhagens Gemeindebrandinspektor Brandenstein.

A7: Lkw mit Chemikalien fängt Feuer – Gefährlicher Einsatz für 180 Einsatzkräfte

Auch Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar war am Dienstagabend beim Brand des Gefahrguttransporters vor Ort. Sie sagt: „Die ersten Einsatzkräfte haben in Absprache mit der Polizei sehr, sehr gut reagiert.“ Damit meint sie auch die vorsorgliche Warnung der Bevölkerung vor möglichen Gesundheitsgefahren über die Katastrophen-Warn-App, Radio und Online-Medien. Schließlich habe man zunächst nicht gewusst, mit welchem Gefahrenstoff man es zu tun habe. Mittlerweile sei klar, dass es sich um Isocyanat handelte. „Das ist ein Stoff, der dafür sorgt, dass PU-Schaum hart wird“, sagt Dittmar. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe aber nicht bestanden.

Da die Gefahrgutkennzeichnungen an den Transportbehältern verbrannt waren, war es für den Umweltdienst des Kreises schwierig, die genaue Stoffbezeichnung, und damit die Gefahren, die von dem Feuer und insbesondere dem Rauch ausgingen, festzustellen. Gegen Mitternacht kehrten die ersten Einsatzkräfte in ihre Unterkünfte zurück. Vorher wurden Einsatzkräfte, Kleidung sowie die Einsatzmittel dekontaminiert. Laut Dittmar gab es dafür einen Dekontaminierungsplatz. Dort wird zum Beispiel die Kleidung der Einsatzkräfte in Säcke gepackt und wird nun gereinigt. Das passiere zum Schutz der Männer und Frauen.

Unfall auf A7: Gefahrguttransporter brennt – Turbulente Nacht für Einsatzkräfte

Update von Mittwoch, 23.02.2022, 07.23 Uhr: Am Dienstagabend (22.02.2022) war ein mit Gefahrgut beladener LKW gegen 19.45 Uhr auf der A7 in Richtung Süden unterwegs. An der Steigungsstrecke, kurz hinter der Helterbachtalbrücke, zwischen den Anschlussstellen Guxhagen und Felsberg, bemerkte der Fahrer plötzlich Flammen im Motorraum.

Wie er gegenüber der Polizei sagte, wollte er dann den LKW mit dem Sattelauflieger auf dem Standstreifen zum Stehen bringen. Doch die Bremsen versagten, der LKW ließ sich nicht anhalten. Der Fahrer lenkte daraufhin die Zugmaschine mit dem Auflieger nach rechts in die Böschung.

Er schaffte es gerade noch, unverletzt aus dem Führerhaus zu kommen, da hatten die Flammen schon auf das Führerhaus und die Ladung übergegriffen. Die Ladung bestand aus in IBC-Fässern (1000 Liter fassende Kunststoffbehälter) transportierte Chemikalien.

Gefahrguttransporter brennt auf der A7: Während der Löscharbeiten kommt es immer wieder zu Explosionen

Als die Feuerwehr aus Guxhagen an der Unfallstelle, die oberhalb der über die A7 von Heßlar nach Gensungen führenden Salzwegbrücke liegt, ankam, stand der komplette LKW mit Auflieger bereits in Vollbrand. Von den Beamten der Autobahnpolizei wurde Einsatzleiter Markus Brandenstein (Gemeindebrandinspektor von Guxhagen) sofort nach Eintreffen auf den giftigen Rauch und somit die Gefährlichkeit des Feuers, das von dem brennenden LKW ausging, aufmerksam gemacht.

Mit Wasser und Löschschaum wurde der sehr intensive Brand bekämpft. Während der Löscharbeiten kam es immer wieder zu Explosionen in der brennenden Ladung. Alle Einsatzkräfte, die in direkter Nähe zum Brandherd arbeiteten, mussten Atemschutzgeräte tragen. Für alle anderen Personen wurde eine Sicherheitszone in ausreichendem Abstand vom Brandherd eingerichtet, die nicht betreten werden durfte. 

Aufgrund der Gefahrenlage wurde auch der Umweltzug aus Melsungen, Messfahrzeuge aus Guxhagen und Schwalmstadt, sowie für den enormen Bedarf an Löschwasser auch die Tanklöschfahrzeuge aus Homberg und Fritzlar angefordert. Auch die Feuerwehren aus Felsberg und Morschen mit den Dekontaminationsfahrzeugen, sowie die entsprechenden Einsatzabteilungen mehrerer Wehren aus Melsungen und Felsberg, die für den Betrieb der Dekontaminationsplätze zuständig sind, wurden ebenfalls an die Einsatzstelle beordert.

Auf der A7 zwischen Guxhagen und Melsungen brennt ein Gefahrguttransporter.
Auf der A7 zwischen Guxhagen und Melsungen brennt ein Gefahrguttransporter. © Helmut Wenderoth

Gefahrguttransporter brennt: A7 in beiden Richtungen ab Guxhagen und Melsungen vollgesperrt

Die Feuerwehr aus Körle unterstützte, ebenso wie ihre Kameraden aus Fritzlar, mit zusätzlichen Atemschutzgeräten und Personal. Die Einsatzstelle war in zwei Abschnitte, den Einsatzabschnitt Brandbekämpfung und den Abschnitt Gefahrgut eingeteilt. Insgesamt waren etwa 180 Einsatzkräfte an der Brandstelle auf der Autobahn. Unter ihnen auch Landrat Winfried Becker, Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar, mehrere Kreisbrandmeister, der leitende Notarzt und der Organisationsleiter für den Rettungsdienst.

Vom Regierungspräsidium Kassel war der stellvertretende Dezernatsleiter für den Brand- und Katastrophenschutz, Mario Missler, an der Einsatzstelle. Da auch Löschwasser, das mit den Gefahrstoffen vermischt war, in den Ablauf neben der Fahrbahn gelaufen war, wurde auch die untere Wasserbehörde informiert. Dies war einer der personalintensivsten Einsätze der letzten Jahre im Schwalm-Eder-Kreis. 

Da der vermutlich giftige Rauch vom Wind auch über die Nordfahrbahn der A7 geblasen wurde, lies die Autobahnpolizei die komplette A7 in beiden Richtungen ab Guxhagen und Melsungen voll sperren. Dadurch war es für die Einsatzfahrzeuge auch möglich, ab Melsungen auf der Gegenfahrbahn zur Einsatzstelle zu gelangen.

Gefahrguttransporter brennt auf der A7: Anwohner sollten ihre Häuser nicht verlassen

Mit Radiodurchsagen und Warnungen über verschiedene Medien und Online-Dienste wurden besonders die Einwohner von Heßlar und Melgershausen auf die Gefahr hingewiesen und aufgefordert, in den Häusern zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Mit den Messfahrzeugen aus Guxhagen und Schwalmstadt wurden in den beiden nahegelegenen Orten Messungen auf Gefahrstoffe in der Luft durchgeführt. Diese Messungen zeigten aber glücklicherweise keine Gefahrgutstoffe in der Umgebungsluft an.  

Da die Gefahrgutkennzeichnungen an den Transportbehältern mit verbrannt waren, war es für den Gefahrgutzug sehr schwierig, die genaue Stoffbezeichnung, und damit die besonderen Gefahren, die von dem Feuer und insbesondere dem Rauch ausgingen, festzustellen. Gegen 21.30 Uhr konnte der Einsatzleiter „Feuer aus“ melden.

Gegen Mitternacht kehrten die ersten Einsatzkräfte in ihre Unterkünfte zurück. Vorher wurden die Einsatzkräfte und ihre Kleidung, sowie die Einsatzmittel dekontaminiert. Die A7 blieb allerdings bis Mittwoch, nach 1 Uhr, voll gesperrt. Von dem LKW blieb nur ein Haufen ausgeglühten Stahl zurück.

Auf der A7 zwischen Guxhagen und Melsungen brennt ein Gefahrguttransporter.
Auf der A7 zwischen Guxhagen und Melsungen brennt ein Gefahrguttransporter. © Helmut Wenderoth

Gefahrguttransporter brennt auf der A7: Lkw verursachen Stau in der Umleitung

Durch die Sperrung der A7 kam es in der engen Ortsdurchfahrt von Heßlar zu größeren Staus, da LKWs sich nicht an die ausgeschilderte Umleitung hielten, sondern den Weg durch den Felsberger Stadtteil wählten und dann nicht um die Kurve in der Ortsmitte kamen.

Ebenso gab es am Bahnviadukt vor Altenbrunslar Probleme. Mehrere LKW kamen nicht durch die Unterführung und mussten zeitaufwändig wenden. Im Stau kam es kurz nach Mitternacht in Richtung Nord, kurz vor der Abfahrt Melsungen, zu einem weiteren Unfall mit Verletzten. Auch an der Einmündung von der Autobahn in die Kreisstraße nach Heßlar kollidierten ein LKW und ein PKW. Hier blieb es bei Blechschaden. 

Gefahrguttransporter brennt: A7 nach Unfall derzeit voll gesperrt

Erstmeldung von Dienstag, 22.02.2022, 20.44 Uhr: Guxhagen/Melsungen – Auf der A7* ist es am Dienstagabend (22.02.2022) zu einem schweren Unfall gekommen. Ersten Angaben zufolge ist ein Gefahrguttransporter in Flammen aufgegangen. Die A7 ist zwischen Guxhagen und Melsungen in beiden Richtungen gesperrt.

Die Ladung des Lkw ist derzeit noch nicht bekannt. Ebenso gibt es noch keine Informationen über verletzte Personen und die Ursache des Unfalls. Derzeit sind mehrere Feuerwehren aus den umliegenden Städten und Gemeinden im Einsatz.

Unfall auf der A7: Gefahrguttransporter brennt – Umleitung eingerichtet

Eine örtliche Umleitung ist eingerichtet. Anwohner werden gebeten, Fenster und Türen zu schließen. (esa) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Erst im Januar 2022 kam es auf der A7 zwischen Guxhagen und Melsungen zu einem schweren Unfall.

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