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Binsförth setzt Zeichen gegen Antisemitismus

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Die Helfer bei der Aufräumaktion von links: Ulrike Fleischert, Dr. Siegfried Wüst mit Sohn, Mirco Wöllenstein, Gerd Zahnwetzer, Dr. Matthias Hördler, Dr. Lionel Reiche, Sarah Menges, Thore Menges. Auf dem
Die Helfer bei der Aufräumaktion von links: Ulrike Fleischert, Dr. Siegfried Wüst mit Sohn, Mirco Wöllenstein, Gerd Zahnwetzer, Dr. Matthias Hördler, Dr. Lionel Reiche, Sarah Menges, Thore Menges. Auf dem © Gemeinde Morschen

Zu einem Pflegeeinsatz auf dem jüdischen Friedhof in Binsförth traf sich das Leitungsteam der Volkswagen Gießerei aus dem Werk Kassel kürzlich mit Vertretern der Gemeinde Morschen.

Binsförth – Unter dem Motto „Wir bleiben dran“ lud der Leiter der Gießerei, Mirco Wöllenstein, sein Führungsteam ein. Laut Mitteilung der Gemeinde geht es darum, die jüdische Erinnerungskultur aktiv und lebendig zu halten.

Gemeinsames Rasenmähen, Hecke schneiden und Grabsteinpflege auf der erinnerungsreichen Wiesenfläche waren die wichtigsten Aufgaben am Waldrand von Binsförth. Mit Werkzeug ausgestattet startete das Team, das von mitgereisten Familienangehörigen fleißig unterstützt wurde.

Wichtige Geste gegen Antisemitismus

Mirco Wöllenstein betonte nach dem Einsatz: „Für mich ist diese Arbeit eine wichtige Geste gegen Antisemitismus. Auch wenn wir hier nur mit einem kleinen Team diese Pflegearbeit übernehmen, ist es ein wichtiges Signal in die Gesellschaft, das wir uns alle engagieren müssen. Um etwas zu bewegen und um gegen das Vergessen anzutreten.“

Die einen schnitten den allzu üppigen Bewuchs am Rand des Friedhofs zurück, andere befreiten Einfassungen von Moosschichten, sodass die Inschriften der Grabsteine wieder lesbar wurden. Wiederum andere mähten die Flächen zwischen den einzelnen Gräbern, heißt es weiter. Die jüngeren Helfer befreiten die Grabsteine vorsichtig mit einem Handbesen vom Staub.

Seit 2019 besteht die Verbindung zu Volkswagen. Anstoß für die Zusammenarbeit war das für 2019 geplante Jugendprojekt „Performance gegen Antisemitismus und Extremismus“, welches coronabedingt verschoben werden musste.

Zu diesem Projekt entstand die gemeinsame Ausarbeitung einer Stele auf dem jüdischen Friedhof in Binsförth, die an die zahlreichen jüdischen Familien erinnern soll, die über Jahrhunderte in Nordhessen ihre Heimat hatten.

„Ich finde gut, was die Gemeinde hier macht. Ich freue mich sehr, dass wir mit Bürgermeister Ingo Böhm, Ulrike Fleischert und Helmut Mittelstädt eine gemeinsame langfristige Zusammenarbeit etablieren konnten“, sagt Wöllenstein weiter. „Für mich und mein Team ist es wichtig, die Erinnerung zu pflegen und mit denen, die sich hier täglich engagieren, im Austausch zu bleiben. Wir bleiben dran.“

Und Sigfried Wüst, eines der Teammitglieder, sagte: „Diese gemeinnützige Arbeit macht was mit mir. Diese Bäume, die große Wiese und die vielen Gräber haben eine ganz besondere Kraft. Ich habe heute noch einmal anders darüber nachgedacht, insbesondere wenn ich meinem kleinen Sohn dabei beobachtet habe, wie vorsichtig er die Grabsteine abgekehrt hat. Als ob er schon eine Ahnung davon hat, was mit den Menschen passiert ist.“  waq

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