Eigentümer unter Schock

Großbrand in Beuern: Feuer in Fachwerkhaus wieder ausgebrochen

Beuern. In Beuern heulten am Dienstag um 8.10 Uhr erneut die Sirenen. Alarmiert wurden auch die Feuerwehrleute in Hilgershausen, Helmshausen, Hesserode und in der Kernstadt. Eine Passantin hatte beobachtet, dass nach dem Großfeuer aus der Brandruine wieder Rauch aufstieg und die Feuerwehren alarmiert.

Viele Feuerwehrleute hatten es befürchtet: Versteckte Glutnester in den Holzbalken und der Dämmung waren wieder aufgeflammt. Innerhalb kurzer Zeit waren 24 Einsatzkräfte mit sechs Fahrzeugen an der Brandstelle.

Die Einsatzleitung hatte der stellvertretende Stadtbrandinspektor Stefan Dippel. Mit einem Strahlrohr wurde der aufflackernde Brand bekämpft. Von der Drehleiter aus wurde dann versucht, das Dach weiter zu öffnen, um alle versteckten Glutnester zu löschen. Dabei wurde auch die Wärmebildkamera eingesetzt. Um einen besseren Löscherfolg zu erzielen, wurde dem Löschwasser Schaum zugesetzt. Mit dieser Maßnahme erhoffte sich die Einsatzleitung, dass das Wasser in die Glutnester in den Zwischenböden lief. Nach zwei Stunden war der Einsatz beendet.

Ob das Gebäude abgerissen, oder wieder aufgebaut werden kann, wird sich erst am Donnerstag entscheiden. Es ist angedacht, Brandursachenermittler einzuschalten.

Nach Alarm vor Ort

Wie Anja Ackermann, die 34-jährige Tochter des Hausbesitzers sagte, will man sich dann mit Kriminalpolizei und Brandversicherung zusammensetzten und das weitere Vorgehen absprechen. Obwohl die junge Frau immer noch schockiert ist von den Ereignissen am Sonntagabend, war sie auch am Dienstagmorgen sofort nach dem erneuten Alarm vor Ort und versorgte die Einsatzkräfte mit heißem Kaffee.

Sie sagte: "Sonntagabend bin ich, nachdem mich mein Vater total schockiert von dem Brand in Kenntnis gesetzt hatte, sofort von meinem Wohnort in Homberg nach Beuern gefahren." Ihre erste Sorge galt den Mietern: "Ich war trotz des Schreckens erleichtert, dass alle Bewohner unverletzt aus dem Gebäude gekommen sind." Aus ihrer Sicht sei das bei dem sich so schnell ausbreitenden Feuer auf keinen Fall selbstverständlich gewesen.

Erinnerungen an Kindheit

Im Brandhaus habe sie viele Jahre gelebt. Viele Erinnerungen an ihre Kindheit und vor allem an ihre Großeltern seien jetzt durch das Feuer zerstört worden.

"Beim großen Umbau in den Jahren 2004 und 2005 war ich selbst mit dabei. Besonders schwer war es für mich, am Sonntag dabei zu stehen und nichts machen zu können." Die Einsatzkräfte hätten eine sehr gute Arbeit geleistet und gerettet, was zu retten war. "Dafür sind wir allen Helfern sehr dankbar."

Hart habe der Brand auch den 60-jährigen Hausbesitzer Horst Ackermann getroffen, der gegenüber wohnt. An blühenden Magnolien vorbei, gehe sein Blick vom Wohnzimmer aus direkt auf die Brandruine. "Er wird so immer an die tragischen Ereignisse erinnert."

Feuer zerstörte Fachwerkhaus

Im Felsberger Stadtteil Beuern zerstörte am Sonntagabend ein Feuer ein großes Fachwerkhaus mit zehn Mietwohnungen. Ein 25-jähriger Mann erlitt eine Rauchgasvergiftung und musste vom Notarzt behandelt werden. Der Hauseigentümer schätzt den Schaden auf 500.000 Euro.

Das Haus sei unbewohnbar, stellte die Feuerwehr nach Begutachtung am Montag fest. Wegen akuter Einsturzgefahr bleibt die Ortsdurchfahrt von Beuern für den Verkehr gesperrt.

Am Sonntag gegen 21.45 Uhr informierte eine Wohnungsinhaberin die Rettungsleitstelle in Homberg, dass ein Stromkasten im Haus in Flammen stehe. Anschließend klopfte sie an alle zehn Wohnungstüren und warnte die Mitbewohner vor dem Feuer. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte an dem mehrgeschossigen und verwinkelten Fachwerkhaus, das erst vor wenigen Jahren komplett renoviert und saniert worden war, schlugen bereits die Flammen aus dem Dach. Eine Person, die sich noch im Gebäude befand, wurde von den Feuerwehrleuten ins Freie geführt. Der 25-jährige Mann erlitt eine Rauchgasvergiftung.

Radio HNA: Feuerwehrmann und Bürgermeister Steinmetz

Es wurde für alle Felsberger Wehren Alarm ausgelöst und die Melsunger Wehr mit Drehleiter angefordert. Zwei Trupps gingen sofort mit schwerem Atemschutz in das Gebäude. Der Innenangriff musste allerdings wegen Einsturzgefahr nach wenigen Minuten abgebrochen werden. Da das Feuer von außen nur schlecht zu bekämpfen war, öffneten Einsatzkräfte von der Drehleiter aus das Dach. Insgesamt waren unter Leitung von Stadtbrandinspektor Klaus Siemon 184 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Polizei und Kriminalpolizei mit 36 Fahrzeugen im Einsatz.

Fotos: Fachwerkhaus brennt nieder

Fachwerkhaus in Beuern brennt nieder

Die ganze Nacht über flammten immer wieder einzelne Glutnester auf. Alle Mieter kamen bei Bekannten und Verwandten sowie in der Nachbarschaft unter. Die Ermittlungen zur Brandursache hat die Kripo aufgenommen.

Bewohner geschockt

Beuern. Das vom Großbrand stark beschädigte Fachwerkhaus in Felsberg-Beuern ist einsturzgefährdet. Zu diesem Ergebnis kamen am Montag nach dem Brand Experten. An mehreren Stellen und in allen Etagen sind Lehmdecken heruntergefallen. Die Decken haben das Gewicht durch den massiven Löschwassereinsatz bei der Brandbekämpfung nicht ausgehalten.

Mehrere Mieter standen sprachlos vor dem Gebäude. Sie haben durch das Feuer ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Am Montag konnten sie nicht einmal ihre persönlichen Sachen aus dem Haus holen, da ein Betreten des Gebäudes zu gefährlich war. Ob das Betreten einzelner Wohnungen noch gestattet werden kann, werden Kriminalpolizei und Statiker noch entscheiden.

Bis zum Montagmittag waren die Einsatzkräfte damit beschäftigt, immer wieder aufflackernde Flammen abzulöschen. Dafür musste noch mehrmals die Drehleiter der Feuerwehr Felsberg eingesetzt werden. Mit Einreißhaken wurden noch Teile der Dacheindeckung beseitigt, um an alle Glutnester heranzukommen.

Die Kreisstraße wurde vom Autobahnzubringer her, aus Richtung Gensungen und Hilgershausen gesperrt, da nach wie vor die Gefahr besteht, dass Teile des Gebäudes einstürzen und auf die Straße stürzen. Gegen Mittag hatten die letzten Einsatzkräfte die Schadensstelle verlassen, das Brandobjekt wurde aber bis in die Nachtstunden regelmäßig auf aufflackernde Folgebrände kontrolliert. Die Ermittlungen zur Brandursache waren am Montag noch nicht abgeschlossen. 

Die Polizei schätzt den Schaden offiziell auf 300.000 Euro. 180 Einsatzkräfte waren in der Nacht zu Montag im Einsatz. Das DRK Edertal versorgte diese mit Getränken und stand für den Schutz bereit. Bis auf die Brandwache, die von Feuerwehrleuten aus Beuern, Hilgershausen, Helmshausen, Hesserode und Felsberg gestellt wurde, konnten die auswärtigen Einsatzkräfte gegen 1.30 Uhr die Einsatzstelle verlassen.

Von Helmut Wenderoth

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