Im Kopf ist sie so fit wie eine 70-Jährige

100 Jahre alt: Guxhagenerin verrät ihr Geheimnis für ein langes Leben

Sie wird 1. August 100 Jahre alt: Maria Kohout aus Guxhagen sitzt gern in ihrem Wohnzimmer und liest.  
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Sie wird am 1. August 100 Jahre alt: Maria Kohout aus Guxhagen sitzt gern in ihrem Wohnzimmer und liest.  

Maria Kohout aus Guxhagen feiert am 1. August ihren 100. Geburtstag.

Guxhagen – Wenn Maria Kohout diese Zeilen liest, wird sie das voller Genuss tun. Nicht nur deshalb, weil es ein Zeitungsartikel über sie selbst ist, sondern, weil sie leidenschaftlich gern liest. Am Sonntag wird die Guxhagenerin 100 Jahre alt. Und wer ihr einmal zugehört hat, wenn sie Geschichten von früher erzählt, der wird das kaum glauben. Eine 70-Jährige könnte es nicht klarer und lebendiger erzählen.

Ein Geheimrezept fürs hohe Alter? „Das habe ich nicht“, sagt sie zwar. Aber dennoch gibt es etwas, das ihr langes Leben vielleicht begünstigt hat.

Die Kindheit, die der Guxhagenerin noch gut in Erinnerung geblieben ist, sei keine schöne gewesen. Sie wuchs bei ihrer Tante auf, half seitdem sie 14 war als Magd bei Bauern aus. Maria Kohout wurde in Sirb bei Bischofteinitz geboren – im ehemaligen Sudetenland. Als sie 25 Jahre alt war, wurden sie und ihre Familie aus ihrer Heimat vertrieben. Es war das Ende eines ersten Lebensabschnittes, aber auch ein Neuanfang – erst in Grebenau, später in Guxhagen, wo sie mit ihrem Ehemann Max 1958 das Haus baute, in dem sie auch heute noch lebt. „Ich war mit meinem Leben immer zufrieden.“ Sie hätte nie mit anderen tauschen wollen, auch wenn andere reicher gewesen seien oder ein augenscheinlich viel attraktiveres Leben geführt hätten.

Fragt man Maria Kohout nach einem Höhepunkt in ihrem Leben, erzählt sie gerne von der Hochzeit mit Ehemann Max. Ihn hatte sie im Jahr 1938 kennengelernt, ein Jahr später ging er zum Militär und kehrte erst zehn Jahre später zurück – als Maria Kohout schon kaum noch Hoffnung auf ein Wiedersehen hatte. Denn das letzte Jahr befand er sich in russischer Kriegsgefangenschaft. Für die Hochzeit kam er aber zwischendurch, im Januar 1944 zu seiner Maria zurück – für einen Monat konnte er bleiben. „Bei der Hochzeit waren wir damals bestimmt 20 Mann.“ Vier Söhne gingen aus der Ehe hervor, der älteste ist bereits gestorben. Ihr Mann starb im Jahr 1984. Zu Lebzeiten ist sie mit ihm auch auf Reisen gegangen, mal nach Frankreich mit dem Bus – „es war Juli, Mensch war das kalt dort“ – oder auch mal nach Österreich mit dem Auto. Aber Reisen seien selten gewesen. „Unser Leben bestand eigentlich nur aus Arbeiten. Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet.“ Aber das hat Maria Kohout immer gern getan. Während ihr Mann im Straßenbau arbeitete, kümmerte sie sich um die Söhne, half nebenher bei Bauern aus, pflegte außerdem noch das Gemüsefeld der Familie.

Heute bedauert sie es, dass sie nach einem Schlaganfall, den sie vor zehn Jahren hatte, nicht mehr laufen und stehen kann. „Dafür ist der Kopf noch fit.“ Einen Kuchen würde sie zum Beispiel gerne mal backen, aber ein Blech mit zwei Händen in den Ofen schieben, klappe nicht mehr, da sie sich in dem Moment nicht festhalten könne. Aber Essen macht sich die 100-Jährige noch selbst – „ach nee, das ist nichts, wenn das jemand anderes macht“, sagt sie. Sie brauche auch gar nicht mehr viel. Es reiche schon ein warmes Bier mit Ei und Zucker oder eine Buttermilch-Ei-Suppe mit Brot zum Eindibben. Auf eine gesunde Ernährung habe sie nie besonders geachtet. „Ich hab schon immer das gegessen, was mir geschmeckt hat.“ Auch Bier habe sie viel getrunken. „Heute ab und zu noch mal ein Radler.“ Viel lieber trinkt sie Tee. Aber bei ihr kommt nicht ein x-beliebiger Tee aus dem Supermarkt in die Kanne. Nein, Maria Kohout schwört seit 25 Jahren auf Tee aus Heilkräutern. Das Buch „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ von der österreichischen Autorin Maria Treben bewahrt sie in Ehren. Einigen Kräutern sagt man eine lebensverlängernde Wirkung nach. Ob dies das Geheimnis ist, um so alt zu werden? „Ich weiß nicht. Aber vielleicht.“ Auf jeden Fall hält sie nichts davon, wegen jedes Zipperleins zum Arzt zu gehen. „Das habe ich noch nie gemacht.“ Das meiste ginge schon wieder von alleine weg.

Weil sie die Dinge gern auf sich zukommen lässt, „es kommt eh so, wie es kommt“, habe sie sich auch nie Gedanken darüber gemacht, wie alt sie mal werden möchte. Ihren Geburtstag will sie groß feiern. 30 Gäste sind eingeladen, das Zelt im Garten steht bereit. Wenn der Trubel vorbei ist, dann nimmt sie sich eines der vielen Bücher und liest im Wohnzimmer. Außer das Wetter ist gut. „Dann sitze ich natürlich draußen.“ (Carolin Hartung)

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