Kritik der Bewohner an Politik

Demonstration im August: Der Kampf um Lärmschutz an der A7 geht weiter

+
Falschen Belag verbaut: Als die Helterbachtalbrücke 2014 erneuert wurde, verbaute Hessen Mobil keinen Flüsterasphalt.

Felsberg/Guxhagen. Der fehlende Lärmschutz beschäftigt die Menschen, die in der Nähe der Autobahn 7 wohnen. In Guxhagen findet im August erneut eine Demonstration statt. Aus Felsberg regt sich außerdem große Kritik an der Stadt und Hessen Mobil.

Es tut sich anscheinend nichts in Sachen Lärmschutz an der Autobahn 7. Das ärgert nicht nur die Guxhagener Bürgerinitiative, sondern auch die Bewohner des Felsberger Stadtteils Heßlar. Die Politik hülle sich in Schweigen, sagt der Heßlarer Gerhard Fischer. Er kämpft seit 30 Jahren für den Lärmschutz an der Autobahn.

„In den 30 Jahren hat die Politik es nicht fertiggebracht, Maßnahmen zu ergreifen, um die Anwohner von Heßlar und Guxhagen vor dem ständig steigenden Autobahnlärm zu schützen“, sagt Fischer.

Obwohl seit 2017 Demonstrationen und Proteste stattfanden, an denen auch Politiker teilnahmen, tue sich einfach nichts. Vor einem Jahr seien sich bei einer Ortsbegehung alle teilnehmenden SPD-Politiker einig gewesen, dass der Lärm nicht zu ertragen sei und Abhilfe geschaffen werden müsse. „Seitdem ist nun wieder ein Jahr vergangen und keine Entscheidung getroffen worden.“

Was Fischer besonders ärgert: Beim Neubau der Helterbachtalbrücke war Hessen Mobil angewiesen, Flüsterasphalt zu verbauen. Irrtümlich wurde allerdings ein anderer Belag verbaut (wir berichteten). „Wir Bürger müssen jetzt damit leben“, sagt Fischer. Ein Abfräsen käme nicht in Frage, da es zu teuer sei, habe es auf Nachfrage vom Hessischen Verkehrsministerium geheißen. „Verantwortlich für diesen Fehler ist Hessen Mobil, sie können sich alles erlauben, sie halten sich an kein Protokoll“, ärgert sich Gerhard Fischer. Gleiches wiederhole sich in Guxhagen. Statt einen Flüsterasphalt bei der Sanierung der Fuldabrücke zu verbauen. werde nur ein „lärmmindernder“ Belag aufgebracht. „Hat man aus dem Fall Heßlar nicht gelernt?“

Und auch die Stadt Felsberg rühre sich nicht. Bereits im März 2016 habe die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass die Stadt für einen Lärmschutz eintreten werde, sollte sich seitens Hessen Mobil nichts tun. „Bis heute hat sich aber nichts getan“, sagt Fischer.

Wie Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz auf Anfrage mitteilte, setze man vor einem Eingreifen der Stadt alles daran, dass seitens des Ministeriums eine Lösung herbeigeführt wird. Hessen Mobil müsse dafür sorgen, dass Maßnahmen ergriffen werden, die einen genauso großen Schutz vor Lärm bieten wie es der Flüsterasphalt getan hätte.

Nachdem der Flüsterasphalt nicht verbaut worden war, sei ein neues Lärmgutachten mittels einer schalltechnischen Berechnung erstellt worden.

Der Stadt liege dieses seit Ende Juni vor, und es sei an den Magistrat und an den Bau- und Umweltausschuss weitergeleitet worden. Aus dem Gutachten gehe hervor, dass im Felsberger Statteil an keiner Stelle die Lärmgrenzwerte überschritten würden, sagt Steinmetz. „Jetzt müssen wir sehen, wie wir damit umgehen. Wir halten das für unzureichend.“

Eine Einladung der Stadt, diese Berechnung in Felsberg öffentlich vorzustellen und zu erklären, sei vom Ministerium abgelehnt worden. Ein Termin könne nur in Wiesbaden stattfinden.

„Ich habe den Eindruck, dass das Ganze nicht öffentlich diskutiert werden soll“, ärgert sich Steinmetz. Er wolle allerdings die Anwohner und die Bürgerinitiative mit einbeziehen. Steinmetz will sich nun mit den Bürgermeistern der Kommunen entlang der A7 über das weitere Vorgehen beraten.

Das sagt Hessen Mobil

Man habe sich dafür entschuldigt, dass beim Neubau der Helterbachtalbrücke entgegen der ursprünglichen Planung ein herkömmlicher Gussasphalt ohne lärmmindernde Wirkung verbaut wurde, sagt Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus. Leider könne man dies nicht mehr rückgängig machen, da die geplante Lärmschutzmaßnahme (lärmmindernder Belag) rechtlich nicht einforderbar und ein nachträglicher Austausch mit enorm hohen Kosten und erneuten baustellenbedingten Verkehrsbehinderungen verbunden sei. 

Jedoch weist Sinemus darauf hin, dass sich durch die Erneuerung der Fahrbahn auch ohne das Verbauen von Flüsterasphalt die Lärmbelastung gegenüber dem vorherigen Zustand verringert habe. Das Verkehrsministerium habe nach Erneuerung der Brücke umfangreiche Lärmberechnungen veranlasst. 

Auf Nachfrage der Stadt Felsberg habe man die Lärmberechnungen in einem umfassenden schalltechnischen Bericht aufbereitet und der Stadt übermittelt. „Auf diese Weise wurde eine lückenlose Nachvollziehbarkeit der Berechnungsergebnisse gewährleistet.“Die A 7 bei Guxhagen sei im Jahr 1974 von vier auf sechs Fahrspuren erweitert. „Zum damaligen Zeitpunkt gab die geltende Rechtslage keinen Anspruch auf zusätzlichen Lärmschutz her“, heißt es von Sinemus. „Die derzeit laufenden Erneuerungsarbeiten lösen leider ebenfalls keinen rechtlichen Anspruch auf zusätzlichen Lärmschutz aus.“ Der Bund würde entsprechenden zusätzlichen Lärmschutz nicht bezahlen, weil kein gesetzlicher Anspruch besteht. 

Unabhängig davon ermögliche das Land im Rahmen der freiwilligen Lärmsanierung den größtmöglichen Lärmschutz für die betroffenen Bürger Guxhagens. „Dazu wird der bereits vorhandene Lärmschutzwall im Bereich der Siedlung Hundsfort erweitert, indem auf ihm eine drei Meter hohe Schutzwand errichtet wird.“ Sinemus weist darauf hin, dass über Art und Umfang von Lärmschutz entlang von Autobahnen oder Bundesstraßen die Länder rechtlich nicht frei entscheiden dürften. Der Bund regele die Ansprüche im Bundes-Immissionsschutzgesetz. 

Termin

Um ihrer Forderung für Lärmschutz Ausdruck zu verleihen, veranstaltet die Guxhagener Bürgerinitiative Lärmstopp A7 erneut eine Demonstration. Diese findet am Sonntag, 26. August, statt. Ab 14 Uhr treffen sich die Teilnehmer jeweils am Edeka in Guxhagen, am Speckeplatz in Büchenwerra und am DGH in Ellenberg und laufen im Sternmarsch zum Fuldaberg. Dort gibt es Kaffee und Kuchen, eine Tombola und eine Luftballon-Aktion. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.