41-Jährige bezahlt an Haustür überteuerten Preis

Über 200 Euro für Äpfel und Kartoffeln: Warnung vor dubiosem Obsthändler

Mit der Kofferwaage nachgewogen
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Mit der Kofferwaage nachgewogen.

Über 200 Euro für ein paar Kilo Äpfel und Kartoffeln: Diesen Wucherpreis bekamen zwei Hessen präsentiert. Sie wollen jetzt vor der Abzocke dubioser Obsthändler warnen.

Albshausen - Bio-Obst direkt bis nach Hause geliefert bekommen – das hat seinen Preis. Und zwar einen gehörigen, wie ein Paar, das namentlich nicht genannt werden will, aus Guxhagen-Albshausen (Schwalm-Eder-Kreis) jetzt feststellen musste. Für 23 Kilogramm Äpfel und 20 Kilogramm Kartoffeln bezahlten die beiden 220 Euro.

Erst als der Verkäufer schon wieder über alle Berge war, sei ihr klar geworden, dass der Preis völlig überzogen gewesen sei, erzählt die Albshäuserin. Darüber hinaus hinterließ der Haustürverkäufer deutlich weniger als die versprochenen Mengen. Denn eigentlich sollten es 30 Kilo Äpfel und 40 Kilo Kartoffeln sein. „Wir sind betrogen worden und wollen andere warnen, damit ihnen nicht dasselbe passiert.“

Als es vergangene Woche an der Haustür der Albshäuser Familie klingelte, war sie gerade mit dem acht Monate alten Sohn alleine zuhause. Nachdem die Mutter den Türöffner betätigt hatte, habe ein älterer Mann mit grauem Haar im Treppenhaus gestanden. „Er war vielleicht um die 65 Jahre und sagte, dass er von der landwirtschaftlichen Genossenschaft sei und Äpfel und Kartoffeln verkauft.“ Die Mutter habe gar keine Zeit gehabt, dem Mann richtig zuzuhören, da ihr Sohn unentwegt geschrien habe.

„Er fragte, wie viele Äpfel wir pro Tag essen und hat mir dann vorgerechnet, dass uns dann eine Single-Kiste reichen würde“, sagt die Mutter. Eine Single-Kiste Äpfel und eine Single-Kiste Kartoffeln. 30 Kilo Äpfel und 40 Kilo Kartoffeln sollten das sein. „Ich hatte in dem Moment gar keine richtige Vorstellung, wie viel die versprochenen Mengen sind.“

Dubioser Obsthändler nutzt abgelenkte Mutter aus

Aber das Wort „Single-Kiste“ habe ihr suggeriert, es handele sich um kleine Mengen. „Dadurch, dass mein Sohn unentwegt geschrien hat, konnte ich mich auch gar nicht richtig konzentrieren.“ Der Verkäufer habe die Situation der abgelenkten Mutter schamlos ausgenutzt, ist sich ihr Ehemann sicher. Als sich die Mutter kurz zu ihrem Sohn umgedreht habe, sei der Mann verschwunden gewesen.

Kurz danach sei er wieder da gewesen und habe gesagt, dass er die Kisten in den Keller gestellt habe. „Das konnte ich erst einmal gar nicht glauben.“ Aber der Verkäufer habe einen seriösen Eindruck gemacht, „ich habe ihm leider einfach mein Vertrauen geschenkt. Und dabei dachte ich immer, dass mir so etwas nie passieren würde“, ärgert sich die Mutter.

Als der Verkäufer schließlich 220 Euro einforderte, und die Albshäuserin sich über den hohen Preis wunderte, sei der nette Mann dann aber plötzlich nicht mehr so freundlich gewesen. „Das schulden Sie mir jetzt“, habe er mit Nachdruck gesagt. Der Mutter sei etwas mulmig in der Situation geworden. Also habe sie mit EC-Karte den Betrag bezahlt.

Abzocke durch dubiosen Obsthändler: Unverschämt hoher Preis für Kartoffeln und Äpfel

Ob es sich, wie versprochen um Bio-Qualität handele, könnten sie leider nicht nachprüfen, aber sie seien sehr misstrauisch. Würde man diese Woche beispielsweise im Tegut-Markt dieselben Mengen Bio-Kartoffeln (20 Kilogramm) und Bio-Äpfel (23 Kilogramm) kaufen, käme man auf einen Betrag von etwa 110 Euro, also gerade einmal halb so viel. Handelt es sich nicht um Bio-Qualität, dann hätten die Albshäuser locker das Dreifache bezahlt.

„Selbst, wenn die Menge gestimmt hätte, wäre der Preis zu hoch gewesen, aber so ist es doch wirklich Betrug“, ärgert sich der Albshäuser. Für die 70 Kilogramm wären etwa 170 Euro angemessen gewesen.

Auch Nachbarn hätten bereits bei dem Lieferanten gekauft, weiß das Paar. Manche sogar schon wiederholt. „Die nutzen die Gutgläubigkeit der Leute aus“, ärgern sich die beiden – und wollen deshalb auf das dreiste Vorgehen aufmerksam machen. Bei der Polizei haben sie Anzeige erstattet. Und sie hoffen, dass sich noch mehr Betroffene finden und anschließen. Denn die Polizei habe den beiden nicht viel Hoffnung gemacht.

Dubioser Obsthändler verweist auf Bio-Hof in Langenselbold - Besitzer dementiert

Von dem Verkäufer distanziert sich ein Biohof aus Langenselbold auf seiner Internetseite deutlich. Denn wer per EC-Karte bei dem fahrenden Obst- und Gemüsehändler bezahlt, wie die Albshäuser, findet auf der Abbuchung den Ort Langenselbold. Eine Google-Suche mit dem Suchbegriff Biohof Langenselbold führt ausschließlich zu einem Biohof Mohn.

Diesen erreichen laut eigener Aussage mehrfach Beschwerden über Haustürgeschäfte, da die Verkäufer laut einiger aufgebrachter Kunden wohl auch behaupten, einen Biohof zu betreiben. Der Obsthof in Langenselbold habe rein gar nichts mit diesen Verkaufswagen zu tun, heißt es in einer Gegendarstellung.  

Das sagt die Polizei: Keine Geschäfte an der Haustür abschließen

Das Problem sei, dass der Kunde durch das Bezahlen dem Preis zugestimmt habe und einen Kaufvertrag eingegangen sei, sagt Markus Brettschneider, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Allerdings befinde man sich durchaus im Bereich von Betrug, wenn der Kunde die versprochenen Mengen nicht erhalten hat. Allerdings sei es schwierig, solche Händler ausfindig zu machen, wenn nicht beispielsweise ein Kfz-Kennzeichen erfasst wurde.

Durch die Bezahlung mit EC-Karte sei es hingegen möglich, den Empfänger des Geldes ausfindig zu machen. „Wir warnen allerdings immer wieder vor solchen Haustürgeschäften“, sagt Brettschneider. Denn damit werde viel Schindluder betrieben. So solle man sich nie unter Druck setzen lassen, direkt an der Tür etwas zu kaufen oder gar einen Vertrag zu unterschreiben. „Lassen Sie sich den Preis sagen und vergleichen Sie mit den handelsüblichen Preisen.“ Auch Unterlagen könne man sich geben lassen. (Carolin Hartung)

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