Auch drei Bäume gefällt

Hain in Guxhagen ausgedünnt: Eichen stehen unter Stress

Kein schöner Anblick: Drei Eichen am Jugendclub in Guxhagen wurden gefällt, bei vielen anderen mussten teils dicke Äste entfernt werden.
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Kein schöner Anblick: Drei Eichen am Jugendclub in Guxhagen wurden gefällt, bei vielen anderen mussten teils dicke Äste entfernt werden.

Beim Anblick des alten Eichenhains neben dem Jugendclub in Guxhagen, blutet dem ein oder anderen Naturliebhaber sicherlich das Herz. Die Eichen mussten Federn lassen, drei wurden gefällt – von einem „Kahlschlag“ spricht Bürgermeister Edgar Slawik sogar.

Er ist Vorsitzender der 74er-Gemeinschaft, die Eigentümerin des Hains ist. Er befürchtet, dass die Bäume – sollte es weiter so trocken bleiben – nicht mehr lange überleben werden. Entwarnung gibt es allerdings von Sebastian Möller. Er hat die Bäume als zuständiger Sachverständiger für Naturdenkmäler im Schwalm-Eder-Kreis nicht nur begutachtet, sondern als Baumläufer auch selbst ausgedünnt beziehungsweise gefällt. Die Eichen, von denen 24 unter Naturdenkmalschutz stehen, befänden sich in keinem besorgniserregenden Zustand. Aber durch die anhaltende Trockenheit waren einige Äste brüchig geworden. Da der Eichenhain bei Spaziergängern sehr beliebt ist und auch von den Kindern des Jugendclubs zum Spielen genutzt wird, musste schnell gehandelt werden.

Die Eichen würden jedes Jahr kontrolliert, sagt Möller. Vergangenes Jahr seien nur an wenigen Bäumen Pflegearbeiten nötig gewesen, dieses Jahr war der Einsatz aufwendiger. „Durch die lang anhaltende Trockenheit hatten die Bäume viel Totholz ausgebildet“, sagt Möller. Auch voll belaubte Starkäste seien betroffen gewesen. Ein örtliches Gewitter mit kräftigen Böen habe die Stabilität der Bäume zusätzlich beeinflusst. „Es kamen mehrere Faktoren zusammen.“

Aber sorgen müsse man sich um den Eichenhain nicht. Eichen seien Bäume, die sehr gut mit Trockenheit klar kämen. Deshalb werde die Eiche wohl auch eine der Baumarten sein, die Hessen Forst zur Wiederaufforstung der Wälder verstärkt pflanzen wird, sagt Möller.

Es sei ganz normal, dass die Eichen in Stresssituationen – wie in einer langen Trockenperiode – Totholz ausbilden. „Bäume sind Kapitalisten“, sagt Möller. „Sie denken streng wirtschaftlich und machen nie mehr als nötig. Sie leben nicht im Überfluss.“ Wenn ein Baum gestresst sei, könne man ihn gut mit einem Arbeitgeber vergleichen, der sich in einer Wirtschaftskrise befindet. „Die, die am wenigsten Leistung fürs Unternehmen bringen, werden entlassen.“ Und genau so mache es der Baum. Äste, die weit innen liegen oder weit unten, also wenig Licht zur energiegewinnenden Fotosynthese abbekommen, werden abgeschaltet. „Und dann bildet sich Totholz“, erklärt Möller. Aber dies sei ein ganz normaler Prozess. Sorgen müsse man sich erst machen, wenn die „Elite“, die außen liegenden Äste an der Krone, absterben. „Dann hat der Baum ein Vitalitätsproblem.“ Aber das sei beim Eichenhain nicht der Fall. Die drei Bäume, die gefällt wurden, seien von Fäulnis befallen gewesen. „Aber bei einer solchen Baumgruppe ist auch das ganz normal.“ Er schätzt das Alter der Eichen auf 120 bis 140 Jahre. Eichen können 300 Jahre alt werden. „Aber das ist wie beim Menschen auch. Die einen werden älter, andere sterben früher.“ Um den Stress für die Bäume etwas zu verringern, könne man sie wässern. „Und sollte es in den kommenden Jahren tatsächlich so trocken bleiben, müssen wir uns etwas überlegen.“ Und zwar nicht nur in Guxhagen.

Von Carolin Hartung

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