Serie: Gespräche am Gartenzaun

Einmal Wollröder, immer Wollröder: Der Guxhagener Ortsteil hat dörflichen Charme

Selbstgebaut: Ute und Hans Schliestädt haben ein liebevoll gestaltetes Holzhaus im Garten. Hans Schliestädt hat es gebaut. Innen ist es mit allerlei Holzfiguren ausgestattet. Außerdem hat er dort eine kleine Holzwerkstatt. Auch die Märchenfiguren für d en Wollröder Märchenpfad hat Hans Schliestädt gebaut.

Fragt man einen Wollröder, wie lange er schon im Dorf lebt, lautet die Antwort stets: „Schon immer.“ Wer mal dort war, den wird das kaum wundern.

Inmitten idyllischer Natur, wo die Kühe noch auf der Weide stehen, leben Menschen, bei denen Gastfreundschaft und Geselligkeit großgeschrieben werden.

Die Besonderheiten

Das 600-Seelen-Örtchen, von dem es nur wenige Meter bis in den Söhrewald sind, versprüht einen dörflichen Charme. Drei Milchviehbetriebe gibt es in Wollrode noch, eine Seltenheit, wie Landwirt Dirk Fehr erzählt. „Wir haben hier mehr Tiere als Menschen.“ Er hat 100 Kühe im Stall. 

Huhn im Arm: Arne Schmidt (10) könnte sich nicht vorstellen, in einer Stadt zu wohnen.

Neben den drei Bauernhöfen gibt es unter anderem Uwe Dilcherts Fahrradgarage, den Chattenköhler Grillservice und einen Landmaschinenmechaniker. Was es hingegen schon seit Jahren nicht mehr gibt, ist der Edeka-Markt an der Kohlenstraße. Simone Huy arbeitete dort zehn Jahre lang. „Das war eine schöne Zeit, aber die Kunden wurden immer weniger.“ Auch die Gaststätte Wollröder Krug ist Geschichte. Im Gebäude wohnt eine syrische Familie und Vereine können die Räume kostenlos nutzen.

Das Vereinsleben

Das Vereinsleben hat in Wollrode einen enormen Stellenwert. „Wer nicht in einem Verein ist, der ist in mehreren“, witzeln die Wollröder. 

Es gibt den Gesangverein mit Kinderchor, die Feuerwehr, den Dorfverschönerungsverein, der oberhalb von Wollrode einen Märchenpfad angelegt hat, den Posaunenchor, die Kirmesburschen, den SPD-Ortsverein, einen Motorradclub, die Feuerwehr und allen voran den TSV Wollrode mit 500 Mitgliedern. Jedes Jahr veranstaltet der TSV ein Sommerfest mit Großfeld-Handballturnier auf dem Sportplatz.

Die Geselligkeit

Feste, Feiern oder einfach zusammen Fußball schauen – die Wollröder sind ein geselliges Völkchen. Und weil es keine Gastwirtschaft mehr gibt, macht man es sich im Garten hübsch. Beispielsweise am Südring bei Wilfried und Silke Reinbold. In der urigen Holzhütte sitzen manchmal bis zu 20 Wollröder, um gemeinsam Fußball zu schauen.

Selbstgebaut: Ute und Hans Schliestädt haben ein liebevoll gestaltetes Holzhaus im Garten. Hans Schliestädt hat es gebaut. Innen ist es mit allerlei Holzfiguren ausgestattet. Außerdem hat er dort eine kleine Holzwerkstatt. Auch die Märchenfiguren für den Wollröder Märchenpfad hat Hans Schliestädt gebaut.

Und wenn sich Besuch ankündigt – so wie am Donnerstag beim Ortsrundgang mit der HNA – dann schmeißt Mutter Christa direkt das Waffeleisen an und serviert leckere Herzwaffeln mit Puderzucker. „Hier ist immer was los“, sagt Wilfried Reinbold. Auch bei den Schliestädts steht ein einladendes Holzhaus im Garten. Hans Schliestädt (70) hat drei Jahre lang daran gebaut. Innen gibt es Hunderte Holzarbeiten zu sehen – alles Handarbeit. Und auch der Motorradclub kann mit einem Holzhaus auftrumpfen. Am Ende der Kurzen Straße, über den sogenannten „Promilleweg“ geht’s zum Treffpunkt des Vereins „Dragon’s Dream“, der nächstes Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert. „Ja, hier in Wollrode hat jeder Verein sein eigenes Domizil“, sagt Simone Huy.

Die Ängste

Doch die Wollröder fürchten ein bisschen um die Idylle ihres Ortes. Denn die 380-Kilovolt-Leitung Wahle-Mecklar wird direkt oberhalb des Ortes verlaufen. Insbesondere Volker Thüne und Frank Lampe sind besorgt. Sie wohnen im ehemaligen Grubenverwaltungsgebäude. Nur 200 Meter werden zwischen der Trasse und dem Doppelhaus liegen. „Und man kann einfach nichts machen“, sagt Thüne.

Die Projekte

Und ein weiteres Großprojekt steht für Wollrode an: die Freilegung des Schwarzenbachs inklusive der Sanierung der Bachstraße. Und die ist dringend nötig. Denn die Löcher in der Straße sind mittlerweile so tief, dass mit Warnbaken darauf aufmerksam gemacht werden muss. Voraussichtlich nächstes Jahr sollen die Arbeiten starten, sagt Ortsvorsteher Markus Schmidt. Während die Bachstraße noch auf ihre Sanierung wartet, wurde die Straße rund um die Kirche bereits einer Runderneuerung unterzogen. Die Kirche wurde übrigens 1412 als Wehrkirche errichtet, weiß Emil Jung. Verglichen mit anderen Gemeinden seien die Gottesdienste noch „recht gut“ besucht.

Symbolisch: Markus Schmidt zeigt eine Plätschente. So werden die Wollröder genannt, weil sie sich früher im Bach wuschen.

Was den Wollrödern fehlt, sind Bauplätze. Sechs bis acht sollen bald zwischen Nordstraße und Pfeiffergasse zur Verfügung stehen. „Aber wir brauchen mehr“, sagt Schmidt.

Zuletzt hätten viele Wollröder auf angrenzende Gemeinden ausweichen müssen. Dabei wären sie gern in ihrem Wollrode geblieben – dort, wo vielleicht mehr Milch fließt, als Wasser im Schwarzenbach.

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