Mitten in der Coronakrise

Pächter des Wollröder Krugs spart Plastikmüll durch einfachen Trick

Essen in Tupperdosen: Wer bei Winfried „Buffy“ Künzel im Wollröder Krug ein Essen bestellt, kann dies in seiner eigenen Dose mit nach Hause nehmen.
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Essen in Tupperdosen: Wer bei Winfried „Buffy“ Künzel im Wollröder Krug ein Essen bestellt, kann dies in seiner eigenen Dose mit nach Hause nehmen.

ie Coronakrise stellt insbesondere die Gastronomen auf eine harte Probe. Mit Beginn des Lockdown-Light ist es ihnen seit einigen Wochen wieder nur erlaubt, Essen zu liefern beziehungsweise abholen zu lassen. Das Problem: Der Service verursacht Unmengen an Plastikmüll. Nicht so bei Winfried „Buffy“ Künzel.

Wollrode - Der Pächter des Wollröder Krugs verbraucht laut eigener Aussage nur etwa 20 Prozent so viel Wegwerf-Plastik-Artikel wie andere Restaurants derzeit. Sein Trick ist ganz einfach.

Wer bei Künzel ein Essen bestellt, kann zur Abholung seine eigenen Plastikdosen mitbringen.

Damit alles coronakonform abläuft, liefern die Kunden ihre Dosen an einer improvisatorisch eingerichteten Annahmestelle ab und holen sie etwas später bei der Essenausgabe wieder ab – gefüllt mit leckerem Essen.

Die Dosen werden selbstverständlich desinfiziert, sagt Künzel. Und mit den Kunden habe er nur aus der Distanz Kontakt. Der viele Plastikmüll, der durch den Abholservice entstünde, widerstrebe ihm. Pro Menü – das man ein bis zwei Tage vorher bestellen sollte – benötige er etwa sieben Behältnisse – und das pro Person. „Denn zu jedem Essen gehört bei mir auch immer ein Dessert.“

Es falle einfach wahnsinnig viel Müll an. Künzel schätzt, dass er in den vergangenen Corona-Monaten 50 Kilogramm Plastik gespart hat, indem Kunden ihre eigenen Dosen mitgebracht haben. „Würde das jeder Gastronom in Deutschland so machen, wäre das eine riesige Menge an Plastik, die wir sparen könnten“, ist sich Künzel sicher.

Was in die Dosen kommt, können die Gäste des Wollröder Krugs übrigens nicht nur aus der Speisekarte wählen. Denn Winfried Künzel geht auf individuelle Wünsche ein. „Ab vier Personen ist alles möglich“, sagt er. Sein Motto lautet „Essen wie aus Omas Zeiten“. Und wer sich Rouladen, Tafelspitz oder Rindfleisch in Meerrettichsoße wünscht, der bekommt das auch. „Ich koche viel aus einem Kochbuch des Landfrauenverbandes“, verrät der Pächter. „Sachen, die heute vielleicht nicht mehr so in sind.“ Durch die Coronakrise stünden alle Gastronomen mit dem Rücken zur Wand. „Es wird für uns alle so langsam sehr unangenehm.“ Einige Entscheidungen der Politik könne er nicht nachvollziehen.

Er und viele seiner Kollegen im Umkreis hätten große Säle in ihren Gasthäusern. „Wir können wirklich dafür sorgen, dass die Leute genug Abstand halten.“ Als neulich an den Messehallen noch ein Flohmarkt mit Fressbuden veranstaltet werden durfte, aber die Lokale bereits schließen mussten, sei dies ein Schlag ins Gesicht gewesen. „So was kann ich einfach nicht nachvollziehen“, sagt er.

Mit dem Liefer- und Abholservice könne er derzeit kein Geld verdienen, lediglich die laufenden Kosten decken. Die Gemeinde unterstütze ihn in hohem Maß bei den Pacht- und Nebenkosten. Auch von den Vereinen erhalte er Unterstützung. „Ich bin wirklich sehr dankbar.“

Fertiggestellt hat die Gemeinde nun die sechs Fremdenzimmer im ersten Stock des Hauses. Diese können ab dem 1. Januar vermietet werden.

Kontakt: Wollröder Krug, Tel. 0 56 65 / 1 80 89 98 (wichtig: bei Google steht noch die alte Telefonnummer des früheren Pächters, die funktioniert nicht mehr); Internet: wollroeder-krug.de

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