Funkspruch an Hitler: Wie ein Guxhagener die Schlacht um Stalingrad verloren gab

Undatiertes Archivbild: Friedrich Paulus, gebürtig aus Guxhagen. Foto: dpa, Bratke

Guxhagen. „Der Mann hat sich tot zu schießen.“ Mit diesem vernichtenden Urteil soll Adolf Hitler auf die Kapitulation seines Generalfeldmarschalls Friedrich Paulus reagiert haben.

Dieser gab am 31. Januar 1943 die Schlacht um Stalingrad verloren. Paulus wurde vor 125 Jahren in Guxhagen geboren.

Schon im Ersten Weltkrieg hatte Friedrich Paulus gedient - erst als Adjutant, dann als Generalstabsoffizier. In der Hierarchie stieg der Mann aus Breitenau bis zum Major auf. Während der Weimarer Republik stockte seine Karriere, doch während der Nazi-Diktatur kletterte Paulus schnell in der militärischen Hierarchie nach oben.

1942 übernahm er den Oberbefehl über die 6. Armee. Mit ihr griff er am 22. August 1942 Stalingrad an. Er hatte unter anderem die Aufgabe, alle Männer zu beseitigen, Frauen und Kinder sollten deportiert werden. Nach der fast vollständigen Eroberung der Stadt im November 1942 wurde er allerdings mit seinen Truppen von der Roten Armee eingeschlossen.

Am 24. November versuchte Paulus, bei Hitler per Funkspruch Handlungsfreiheit zu bekommen. Sie blieb ihm versagt. Deutsche Soldaten starben unter den jämmerlichsten Umständen. Paulus kapitulierte am 31. Januar 1943 und ging in Kriegsgefangenschaft.

Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler durch Stauffenberg in der Wolfsschanze am 20. Juli 1944 trat Paulus nach langem Zögern als höchster deutscher Offizier dem „Bund deutscher Offiziere“ bei und rief die deutschen Truppen an der Ostfront zum Überlaufen auf.

Paulus bewohnte mittlerweile als ranghöchster Kriegsgefangener Stalins eine Datscha bei Moskau. Während der Nürnberger Prozesse trat er 1946 als Zeuge der sowjetischen Anklage auf. Trotzdem wurde er erst 1953 aus der Gefangenschaft entlassen. Er ging in die DDR und starb 1957 in Dresden.

Durchhalteparolen 

Heute gilt Paulus zwar noch als fachlich hochqualifizierter Militär, nicht aber als eigenständig denkender Befehlshaber. Zwar wusste der Logistiker, dass nur ein Ausbruchsversuch aus dem Kessel von Stalingrad Aussicht auf Erfolg gehabt hätte, doch viel zu lange versuchte er, Hitlers Durchhalteparolen umzusetzen. Dazu passt auch, dass er in Kontakt mit den Widerstandskämpfern um Stauffenberg war, sich aber nicht durchringen konnte, sich ihnen anzuschließen.

Zur Person: Friedrich Paulus wurde am 23. September 1890 in Guxhagen-Breitenau geboren. Sein Vater, Ernst Paulus, war als Buchhalter in der Landesarbeitsanstalt Guxhagen beschäftigt. Die Mutter Bertha (geborene Nettelbeck), war die Tochter des Oberinspektors der Anstalt. Zur Familie gehörten noch Tochter Cornelia und Sohn Ernst.

Am Kasseler Wilhelm-Gymnasium legte Paulus 1909 die Reifeprüfung ab. Mit 20 Jahren trat er als Fahnenjunker in das kaiserlich-preußische Heer ein. Zuvor hatte er ein Semester Jura in Marburg studiert. In seinem badischen Infanterie-Regiment wurde er 1910 Fähnrich. Anschließend besuchte Paulus die Kriegsschule in Engers und wurde 1911 Leutnant.

Im Regiment hatte Paulus engen Kontakt zu zwei rumänischen Adligen, deren Vater im diplomatischen Dienst des rumänischen Königreichs tätig war. Es entstand eine Freundschaft. So lernte Paulus die Tochter des rumänischen Generalkonsuls kennen: Elena Constance Rosetti Solecu, die er 1912 heiratete. Drei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor.

Von Thomas Schattner

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