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Gemeinde spendet Feuerwehrauto – Guxhagener begleiten Konvoi

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Von: Fabian Becker

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Auf dem Weg nach Rzeszów: Die Guxhagener Feuerwehrmänner Wolfgang Momberg (links) und Ralf Kauffeld stehen vor dem gespendeten Fahrzeug der Gemeinde beim Sammelpunkt des Konvois in Falkensee.
Auf dem Weg nach Rzeszów: Die Guxhagener Feuerwehrmänner Wolfgang Momberg (links) und Ralf Kauffeld stehen vor dem gespendeten Fahrzeug der Gemeinde beim Sammelpunkt des Konvois in Falkensee. © Ralf Kauffeld

Das Feuerwehrfahrzeug „Florian 3/42“ der Freiwilligen Feuerwehren Guxhagen und Ellenberg ist nun in Mena im Norden der Ukraine. Die Gemeinde hat das ausgemusterte Fahrzeug gespendet.

Guxhagen – Bei der Übergabe in Polen waren die Feuerwehrmänner Ralf Kauffeld und Wolfgang Momberg dabei.

Und so lief die Übergabe ab: Der Konvoi startete vor einigen Tagen gegen 14 Uhr in Falkensee bei Berlin. Es sollte bereits um 7.30 Uhr losgehen, doch wegen positiver Corona-Tests musste ein Teil der Helfer ersetzt werden. Auf der Fahrt nach Rzeszów sollte jedes der 14 Fahrzeuge dem vorausfahrenden folgen.

„Wir hielten über Funk Kontakt“, sagt Kauffeld. Die Ehrenamtlichen wurden auf einem Rastplatz in Polen von der polnischen Feuerwehr versorgt. „Sie hatten unter anderem eine Gulaschkanone dabei.“ Außerdem habe die polnische Feuerwehr eine Tankstelle gesperrt, damit alle Fahrzeuge der Helfer schnell betankt werden konnten. „Das war zwischen Breslau und Rzeszów.“

Der Konvoi der Feuerwehr-Hilfsbrücke Ukraine des brandenburgischen Feuerwehrverbands bestand außer den vier gespendeten Fahrzeugen aus zehn weiteren. Laut Kauffeld waren alle Ehrenamtliche, die für die Aktion in ihrer Freizeit unterwegs waren. Zudem wurden mit den Fahrzeugen auf dem Hinweg Hilfsgüter transportiert, zum Beispiel die Ausrüstung eines kürzlich geschlossenen Krankenhauses in Sachsen-Anhalt und Feuerwehrausrüstung wie Schutzkleidung, Schläuche und Pumpen.

Nach der Fahrt über Nacht durch Polen kam der Konvoi gegen 6 Uhr an seinem Ziel an. „Wir hatten Feldbetten dabei und haben damit dort in einer Turnhalle geschlafen“, sagt Kauffeld. Doch die Pause sei kurz gewesen. Gegen 9 Uhr habe es Frühstück gegeben.

„Dann haben wir die Hilfsgüter abgeladen“, sagt Kauffeld. „Und wir haben die Papiere für das Fahrzeug an den Katastrophenschutz übergeben.“ Darunter waren die Schenkungsurkunde und die Zolldeklaration, eine Erklärung, die beim Im- und Export benötigt wird.

Die Feuerwehr in der Ukraine habe im Krieg viele Verluste erlitten. „Fast 1600 Fahrzeuge sind entweder zerstört oder geklaut worden“, sagt Kauffeld. Der Grund für die Diebstähle: Die ukrainischen Fahrzeuge seien nach russischer Bauart gefertigt, daher könnten sie auch die Russen einsetzen. „Außerdem wurden 264 Feuerwehrgebäude zerstört, 43 Einsatzkräfte getötet und 140 schwer verletzt.“

Die Männer vom ukrainischen Katastrophenschutz, die Kauffeld bei der Fahrzeugübergabe getroffen hat, haben auf ihn einen angespannten Eindruck gemacht. „Sie hatten alte Autos, einen VW Touran und einen Lada“, sagt er. Eines der gespendeten Fahrzeuge sei eine Drehleiter gewesen. „Ich hatte Zweifel, ob sie damit umgehen können, und dachte, sie werden noch Übung brauchen.“

In der Ukraine seien in der Vergangenheit überwiegend Fahrzeuge aus den 1960er- und 1970er-Jahren im Einsatz gewesen. Die vier gespendeten Fahrzeuge seien aus den 1980er- und 1990er-Jahren. „Es ist gut, dass der technische Sprung nicht so groß ist“, sagt Kauffeld. „Dann können die Ukrainer die Fahrzeuge schneller einsetzen.“

Das Guxhagener Fahrzeug wurde schließlich von den Ukrainern über Lwiw nach Mena gefahren. „Am Anfang des Krieges sind die Konvois noch selbst bis nach Lwiw gefahren, doch seit dort die ersten Raketen eingeschlagen sind, war das zu gefährlich“, sagt Kauffeld.

Er fuhr mit den anderen Helfern zurück nach Falkensee, wo sie gegen 19 Uhr ankamen. Während Kauffeld zwei Tage zuvor das Feuerwehrfahrzeug von Guxhagen dorthin gefahren hatte, war Momberg mit seinem Auto gefahren. Damit fuhren sie wieder nach Guxhagen zurück.

„Florian 3/42“ wird wohl nicht das einzige Feuerwehrfahrzeug der Gemeinde bleiben, das in der Ukraine zum Einsatz kommt. „Wenn die neuen Fahrzeuge da sind, werden auch die alten aus Grebenau und Wollrode an die Ukraine übergeben“, sagt Kauffeld.

Das ist die Feuerwehr-Hilfsbrücke Ukraine

Der Konvoi, mit dem das Feuerwehrfahrzeug aus Guxhagen nach Rzeszów ins südöstliche Polen gebracht und an den ukrainischen Katastrophenschutz übergeben wurde, ist vom brandenburgischen Feuerwehrverband organisiert worden. Die sogenannte Feuerwehr-Hilfsbrücke Ukraine besteht seit Anfang März. Nach eigenen Angaben sucht das Projektteam des Verbands ausgemusterte aber funktionsfähige Ausrüstung, Schutzkleidung, Geräte und Fahrzeuge für Feuerwehren und Rettungsdienste.

„Alle Konvois mit gespendeten Fahrzeugen und Hilfsgütern aus Deutschland gehen über diesen Feuerwehrverband“, erklärt der Guxhagener Feuerwehrmann Ralf Kauffeld, der Teil des Konvois war. Der Grund: „Brandenburg hat eine lange Grenze mit Polen.“ Der Verbindungsaufbau sei deutlich leichter gewesen. Besonders vorteilhaft sei gewesen, dass es in dem Verband Feuerwehrmänner gebe, die polnisch sprächen. „Das war eine große Hilfe.“

Da in der Ukraine dringender Bedarf an Feuerwehr- und Rettungsfahrzeugen sowie technischer Ausrüstung besteht, dürfen solche Spendenaktionen nicht abreißen, sagt Kauffeld. Wer sich darüber informieren oder Spenden möchte, kann dies auf der Internetsite des Verbands. (Fabian Becker)

Kontakt: im Internet auf lfv-bb.de

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