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Grebenauer Fleischerei steht nicht mehr auf Wochenmärkten – aber ihr Wagen

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Von: Fabian Becker

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Schließt am Jahresende: Inhaberin Anita Grunewald (von links) mit Schwiegertochter Ivonne Hildebrand sowie den Kunden Angelika Wenzel und Gerhard Jakob am Verkaufswagen in Melsungen.
Schließt am Jahresende: Inhaberin Anita Grunewald (von links) mit Schwiegertochter Ivonne Hildebrand sowie den Kunden Angelika Wenzel und Gerhard Jakob am Verkaufswagen in Melsungen. © Fabian Becker

Seit Beginn der 1970er-Jahre gibt es die Fleischerei Hildebrand in Grebenau – bis jetzt. Vorbei sind die Tage, an denen Inhaberin Anita Grunewald mit ihren Mitarbeitern auf den Wochenmärkten in Melsungen, Wehlheiden und Baunatal selbst gemachte Fleisch- und Wurstwaren verkaufte.

Grebenau – Anita Grunewald, Inhaberin der Grebenauer Fleischerei Hildebrand, hat sich mit 63 Jahren entschieden, ihr Geschäft zum Jahresende zu schließen. Grunewald hat das Geschäft 1990 von ihrer Mutter übernommen. „An Arbeitstagen stehe ich um 3.30 Uhr auf und arbeite zwölf Stunden und stehe bei Wind und Wetter auf Wochenmärkten in der Region“, sagt sie. „Das war nach 33 Jahren genug.“ Nun falle eine Last von ihr ab, zum Beispiel die Verantwortung für ihre Mitarbeiter, die bereits alle Arbeitsplätze für das kommende Jahr gefunden hätten.

Kunden werden fehlen

Fehlen wird Grunewald hingegen der Kontakt zu den Kunden. „Ich habe im Laufe der Jahre viele Menschen kennengelernt, ihre Geschichten gehört und auch einige getröstet“, sagt sie. Wenn beispielsweise von einem Ehepaar, das sonst jahrelang zu zweit bei ihr eingekauft hat, plötzlich nur noch ein Partner kommt, weil der andere gestorben ist, nehme sie das auch mit.

Grunewalds Schwiegertochter und Angestellte Ivonne Hildebrand ist besonders gut im persönlichen Gespräch mit Kunden gewesen, sagt Grunewald. „Es ist wichtig, immer ein offenes Ohr zu haben für das, was die Kunden bewegt“, erklärt Hildebrand. „Ich werde viele schöne Begebenheiten in Erinnerung behalten, zum Beispiel, dass mir viele Kunden zur Hochzeit geschrieben haben.“ Hildebrand weiß schon, wie es für sie nach der Schließung der Fleischerei weitergeht: „Ich werde mein Hobby Handball zum Beruf machen und meine Stelle bei der MT Melsungen ausweiten“, sagt sie.

Nachfolger ist in Sicht

Ob Grunewalds Nachfolger auf dem Melsunger Wochenmarkt ebenso viel Wert auf Kundenkontakt legt, wird sich zeigen. Ihre Kinder gingen beruflich andere Wege; sie kämen daher nicht dafür infrage, das Geschäft weiterzuführen. Es gebe aber jemanden, der wohl den Verkaufswagen übernehmen wird und auch Fleisch- und Wurstwaren in Melsungen anbietet. „Wer es genau ist, kann ich noch nicht verraten, weil noch nicht alles geklärt ist“, sagt sie. „Es ist mir aber sehr wichtig, dass mein Nachfolger gute Ware anbietet.“ Grunewald wollte deswegen von ihm wissen, wo die Tiere herkommen, aus denen er seine Produkte herstellt.

Das sagen die Kunden

Die Haltung und Herkunft der Tiere sind Gründe, aus denen Grunewalds Kunden bei ihr eingekauft haben. „Ich kaufe gern bei ihr, weil ich sicher bin, dass die Tiere artgerecht gehalten werden“, sagt Elfriede Linne aus Felsberg. „Dass Grunewald ihr Geschäft zum Jahresende schließt, ist furchtbar, von ihr habe ich immer gute Ware bekommen.“

Auch die beiden Melsunger Angelika Wenzel und Gerhard Jakob sind von der Schließung überrascht. „Das bedauere ich sehr“, sagt Wenzel. „Ihre Bratwurst mag ich besonders.“ Und Jakob sagt: „Ich kaufe bei der Fleischerei Hildebrand ein, seitdem ihr Verkaufswagen auf dem Wochenmarkt in Melsungen steht.“ Von dort habe er seiner Schwiegermutter oft Blutwurst mitgebracht.

So wird der Ruhestand

Auch wenn sich Grunewalds Leben im Ruhestand nicht mehr so viel um Fleisch- und Wurstwaren wie Blut- und Bratwürste dreht, wird ihr dennoch nicht langweilig. „Das Haus meiner verstorbenen Mutter muss auf Vordermann gebracht werden“, sagt sie. Das wolle sie anschließend vermieten. (Fabian Becker)

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