In ehemaligem Kloster

Arbeitslager und KZ: Die Gedenkstätte Breitenau erinnert an Opfer des Nationalsozialismus

Guxhagen. In der Zeit des Nationalsozialismus haben sich hinter den Mauern des ehemaligen Klosters Breitenau in Guxhagen grauenhafte Dinge abgespielt. Die Gedenkstätte Breitenau erinnert daran.

Das aus dem 12. Jahrhundert stammende Benediktinerkloster wurde in den Jahren 1933/34 und von 1940 bis 1945 erst als ein frühes Konzentrationslager und dann als ein sogenanntes "Arbeitserziehungslager" genutzt. 

In dem frühen Konzentrationslager waren vor allem politische Gegner der Nazis inhaftiert. Von Juni 1933 bis zur Schließung des Lagers im März 1934 waren dort etwa 470 Gefangene untergebracht. 

1940 wurde in Breitenau von den Nazis ein "Arbeitserziehungslager" eingerichtet. Dabei handelte es sich um ein Straflager vor allem für ausländische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die sich gegen den Arbeitseinsatz widersetzt haben. Aber auch andere Gefangene der Gestapo und Juden waren dort inhaftiert. 

Breitenaus Rolle im Nationalsozialismus lange verschwiegen

Insgesamt waren dies in der Zeit, in der das Lager bestand, rund 8000 Häftlinge. Sie sollten durch schwerste körperliche Arbeit unter erbärmlichen Bedingungen gefügig gemacht werden. Außerdem wurden sie im Lager gedemütigt und gequält. Viele von ihnen wurden auch von Breitenau aus in die großen Konzentrationslager wie Buchenwald oder Auschwitz transportiert. 

Breitenaus Rolle im Nationalsozialismus wurde lange Zeit verschwiegen. Erst 1979 wurden die Akten der ehemaligen Häftlinge in einem Keller wiederentdeckt. Daraufhin ist 1984 von der Universität Kassel mit Unterstützung des Landeswohlfahrtverbands Hessen in der früheren Zehntscheune des Klosters die Gedenkstätte Breitenau eingerichtet worden. 

Das Kloster Breitenau um 1920.

Die Gedenkstätte möchte über Breitenau in der Zeit des Nationalsozialismus informieren und an die Opfer erinnern. Die Ausstellung verbindet Kunst mit Geschichte und soll so zum Nachdenken über die Verbrechen anregen, die in Breitenau geschehen sind.

Für Besucher stellt die Gedenkstätte Material zur Verfügung, um sich mit dem Thema weiterführend zu beschäftigen. Zum Beispiel können Reproduktionen der Akten eingesehen werden. Über viele Häftlinge hat die Gedenkstätte auch umfangreiches Zusatzmaterial gesammelt, die zum Beispiel Schulklassen nutzen können. 

Gedenkstätte Breitenau: Öffnungszeiten und Führungen

Die Gedenkstätte hat von Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr und Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Sonntags findet um 14.30 Uhr eine kostenlose Führung über das Gelände statt. Dabei werden unter anderem die noch erhaltenen Zellen besichtigt. 

Termine für Führungen und Besuche von Schulklassen und anderen Gruppen können telefonisch unter 05665/3533 vereinbart werden. Weitere Infos gibt es auch im Internet unter www.gedenkstätte-breitenau.de.

Die Gedenkstätte ist in Guxhagen, rund 15 Kilometer südlich von Kassel. Sie liegt nicht weit von der A7, Abfahrt Guxhagen, entfernt. Untergebracht ist sie in der ehemaligen Zehntscheune des Klosters, welches jetzt ein psychiatrisches Krankenhaus beherbergt.

Die Gedenkstätte ist auch mit der Bahn zu erreichen. Am Bahnhof Guxhagen halten die Linien R5, die stündlich verkehrt, und RT5, die alle 30 Minuten fährt. Von Kassel aus dauert die Fahrt bis zum Bahnhof Guxhagen je nach Linie zwischen 10 und 20 Minuten. Von dort sind es noch rund 10 Minuten Fußweg bis zur Gedenkstätte.

Das Mädchenheim "Fuldatal" in Breitenau

Auch nach Kriegsende 1945 endeten die bedrückenden Geschehnisse in Breitenau nicht. Von 1952 bis 1973 bestand in dem ehemaligen Kloster das Mädchenheim "Fuldatal". Hier wurden Mädchen untergebracht, die als verhaltensauffällig galten. Im Heim herrschten harte und gewaltsame Bedingungen vor, viele der Opfer litten nach ihrer Zeit im Heim an psychischen Störungen.

Rubriklistenbild: © Michaela Schaal

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