Sorge um das Eigentum

Abrisshaus macht Ärger: Guxhagener Paar sorgt sich um ihr Eigenheim

+
Arbeiten gestoppt: Die Gemeinde Gu xhagen hatte das Haus am Ehrenhain gekauft, um es abzureißen. Rechts wohnen Mike und Marga Ring.

Das Nachbarhaus wird abgerissen und plötzlich kommt der Abrissbagger durch die eigene Schlafzimmerwand. Genau das ist einem Paar aus Guxhagen passiert. 

Im Schlafzimmer klafft ein Loch in der Wand. Hätten es Marga und Mike Ring nicht provisorisch abgeklebt, könnte man bis nach draußen schauen. „Jetzt sind wir mal in der Nacht um 2 Uhr vom Schlaf- ins Wohnzimmer umgesiedelt, weil es so stark geregnet hat“, erzählt die 68-Jährige. 

Im Badezimmer des Ehepaares türmen sich Klamotten. „Wir mussten ja alles ausräumen, weil die Arbeiten weitergehen sollten. Und jetzt meldet sich niemand mehr.“ Das Paar ist verzweifelt. Doch was ist los bei Familie Ring in Guxhagen?

Arbeiten gestoppt: Die Gemeinde Guxhagen hatte das Haus am Ehrenhain gekauft, um es abzureißen. Rechts wohnen Mike und Marga Ring.

Rings wohnen an der Brückenstraße in einem Fachwerkhaus. Direkt daneben, am Ehrenhain 1, befindet sich ein weiteres Fachwerkhaus mit Anbau, das nun seit einigen Monaten leersteht. Die Gemeinde hat das leer stehende Gebäude, das früher einmal Marga Rings Vater gehörte, gekauft. Nicht, um das heruntergekommene Haus zu sanieren, sondern um es abzureißen und einen Parkplatz anzulegen für Mitarbeiter der Gemeinde, sagt Bürgermeister Edgar Slawik. Die Abrissarbeiten, die nun gestartet sind, brachten allerdings eine böse Überraschung ans Licht.

Nämlich, dass Rings Haus durch eine tragende Giebelwand mit dem abzureißenden Haus verbunden ist. Nun ist Rings Nachbarhaus halb abgerissen, der Bagger hat ein Loch in die Giebelwand, hinter der sich das Schlafzimmer des Ehepaares befindet, gerissen und die Arbeiten liegen nun seit Ende September brach. 

„Wir werden einfach nicht informiert, wann und wie es nun weitergeht“, ärgert sich Marga Ring. „Vor allem heizen wir uns hier kaputt“, sagt Ehemann Mike (70). Durch das Loch in der Wand ginge viel Wärme verloren. „Gott sei dank ist es jetzt draußen etwas wärmer geworden.“

Besonders ärgerlich: 

Bevor die Abrissarbeiten gestartet sind, seien mehrere Leute vor Ort gewesen, um sich das abzureißende Haus anzusehen, berichtet die 68-Jährige. „Und da haben wir bereits auf die Problematik mit der Wand hingewiesen.“ Man habe die Information zur Kenntnis genommen und abgewinkt. „Das sei alles kein Problem, wir sollten uns bloß keine Sorgen machen“, sagt Marga Ring. 

Ein Loch: Durch den Abriss wurde ein Loch in die Giebelwand gerissen. Das Schlafzimmer der Rings befindet sich dort.

„Vor allem hat sich nie jemand mal die Mühe gemacht, mal zu uns zu kommen und sich das Ganze von innen anzugucken.“ Seitdem das Loch in die Wand gerissen wurde, liegen die Arbeiten brach. „Und wir hören von der Gemeinde einfach gar nichts mehr“, sagt Mike Ring. Eigentlich sollte es am 7. Oktober weitergehen mit dem Abriss.

Rings waren bereits aufgefordert worden, angrenzende Räume leer zu räumen. „Ja, das haben wir natürlich gemacht.“ Die Kleiderschränke haben die beiden komplett leer geräumt und alles ins Badezimmer verlagert. Mike Rings Büro im Erdgeschoss haben sie ebenfalls ausgeräumt. 

„Und jetzt sitzen wir seit Wochen in diesem Chaos und wissen einfach gar nichts. Wir fühlen und veralbert und das ist noch nett ausgedrückt“, sagt Mike Ring. In den vergangenen Tagen habe das Paar sogar immer darauf geachtet, dass jemand zu Hause ist. „Es hätte ja immer sein können, dass mal jemand klingelt und uns informiert.“ 

In drei Wochen komme die Tochter aus Amerika zu Besuch, „wir wissen gar nicht, wie wir das räumlich mit dem Schlafen machen“, sagt die Seniorin.

Den Beschluss der Gemeindevertretung über den Kauf des Hauses und die Nachricht, dass es abgerissen wird, veröffentlichte die Gemeinde im Mitteilungsblatt im Dezember 2018. 

„Hätten wir es dort nicht gelesen, dann hätten wir es vorher nicht einmal gewusst, dass das Haus abgerissen wird“, ärgern sich die beiden. 

„Es stand ja einfach plötzlich der Container vorm Haus.“ Die Situation gehe so langsam an die Substanz, sagt Marga Ring. „Aber wir versuchen, immer noch so positiv wie möglich zu denken.“

Das sagt die Gemeinde

Wegen der Probleme mit der Giebelwand wurde nun erst einmal ein Baustopp eingelegt, heißt es vom Bauamt Guxhagen. Man müsse nun rechtlich klären, wer für die fehlende Außenwand zuständig sei. Außerdem müsse sich nun ein Statiker das Ganze anschauen. 

Bevor die Arbeiten gestartet sind, sei das Abrisshaus begutachtet worden – sowohl von außen als auch von innen, sagt Bauamtsleiter Steffen Tasler. 

„Und dort sah es so aus, als ob es zwei Wände sind.“ Dafür hätte auch der Versatz der Dächer gesprochen. „Man konnte es nicht erkennen.“ Auch wenn man sich die Situation im Haus von Familie Ring angeschaut hätte, hätte man es nicht erkannt, ist sich Tasler sicher. 

„Um es genau zu wissen, hätte man durchbohren müssen“, sagt Tasler. Vermutlich war die zweite Wand, die sich in dem abzureißenden Haus befand, irgendwann entfernt worden, um innen etwa 40 Zentimeter mehr Platz im Raum zu schaffen. 

„Die Situation war nicht absehbar“, sagt der Bauamtsleiter. Die Nachbarn seien umfassend informiert worden. „Ich war bestimmt sieben oder acht Mal vor Ort“, sagt Tasler.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.