Verändertes Schmerzempfinden

Ohne Schuhe durchs Leben: Guxhagener läuft seit 13 Jahren barfuß

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Schuhe kommen nicht mehr an seine Füße: Thomas Nawroth aus Guxhagen läuft seit 13 Jahren barfuß.

Guxhagen. Ob er in den Urlaub fährt, einkaufen geht oder einen Spaziergang macht, eines braucht Thomas Nawroth aus Guxhagen nie mitnehmen: Schuhe. Seit 13 Jahren läuft er barfuß.

Bei Hitze, bei Frost, immer. Ein Unglück ist Schuld daran, dass der Guxhagener keine Schuhe tragen kann – und mittlerweile auch gar nicht mehr tragen will. Eine nordhessische Barfußgruppe zu gründen, das ist sein Wunsch.

Die Vorgeschichte

1983 zog sich Nawroth eine Verätzung zweiten Grades zu. Bei einem Besuch in einem Wellnessbereich wollte er sich die Füße desinfizieren. Doch eine Mitarbeiterin habe die Kanister vertauscht. Er duschte seine Füße mit unverdünntem Desinfektionsmittel. „Die Füße brannten wie Feuer, und ein blutiger Hautlappen hing an den Strümpfen, als ich mir Schuhe und Strümpfe zu Hause auszog“, erzählt Nawroth. 

Auch nachdem die Wunden verheilt waren, habe er immer wieder Probleme mit den Füßen gehabt. „Wenn ich längere Zeit Schuhe getragen habe, sind die Füße angeschwollen und haben auch geblutet.“

Die Veränderung

Erst seitdem er vollständig auf Schuhe verzichtet, habe er keine Schmerzen mehr. „Vom Heilungsprozess her könnte ich wieder Schuhe tragen, aber meine Füße haben sich durch den Unfall verändert.“ Mehreren Ärzten zufolge habe die Verätzung schlafende Gene in der Haut geweckt, erklärt Nawroth. „Dadurch hat sich eine Hautstruktur an meinen Füßen entwickelt, die denen von Menschen entspricht, die zehntausende Jahre vor unserer Zeit gelebt haben.“

Der Vorteil

Barfuß unterwegs zu sein komme aber nicht immer gut an. „Die Leute gucken immer. Egal ob im Supermarkt oder auf der Straße. Und teilweise beschimpfen sie mich sogar.“ Dabei sei Barfußlaufen die natürlichste Art, sich fortzubewegen und auch die gesündeste, sagt Nawroth. 

„Man bewegt sich anders ohne Schuhe. Das wirkt sich auf unseren ganzen Körper aus.“ Um sein Wissen übers Barfußlaufen weiterzugeben, hat der Guxhagener im vergangenen Jahr ein Seminar einer Privatschule in Düsseldorf besucht und sich zum Ausbilder im „Barefoot Movement“ (Barfuß-Bewegung) zertifizieren lassen. Der 56-Jährige bietet Vorträge, Kurse und Coaching an.

Die Voraussicht

Aber ist es nicht manchmal auch ekelhaft, barfuß unterwegs zu sein? Zum Beispiel auf einer öffentlichen Toilette an der Autobahn? „Nein, mir macht das nichts aus“, erzählt der Guxhagener. Er wasche seine Füße schließlich täglich.

Und: Schmutz hafte nicht so fest an seinen Fußsohlen wie bei jemandem, der immer Schuhe trägt und nur gelegentlich barfuß läuft. „Die Hautstruktur ist einfach eine andere.“ Schwarz sind seine Füße am Abend aber trotzdem – mehr aber auch nicht: „Man lernt, vorausschauend zu gehen, damit man nicht in Scherben tritt oder in einen Hundehaufen.“ Ganz am Anfang, als er noch nicht so lange ohne Schuhe unterwegs gewesen sei, habe er sich auf einer Karnevalsveranstaltung tiefe Scherben eingetreten. „Ich habe das gar nicht gemerkt. Meiner Frau ist am Abend aufgefallen, dass etwas in meinen Füßen steckte.“ Er habe ein deutlich vermindertes Schmerzempfinden.

Deshalb läuft der Guxhagener auch auf heißem Asphalt und sogar bei bis zu minus zehn Grad Celsius ohne Schuhe. „Ich merke zwar, dass es kühl oder warm ist, aber es tut mir nicht weh.“

Der Wunsch

Wieder Schuhe zu tragen, kommt für Nawroth nicht in Frage, ganz im Gegenteil: Als „Barefoot-Movement-Coach“ will er andere dazu bewegen, mehr barfuß zu gehen. Es fördere nicht nur die Gesundheit, sondern er ist sich sicher: „Würden mehr Menschen barfuß laufen, wäre es auf unseren Straßen viel sauberer.“

Barfußgruppe:Thomas Nawroth und seine Frau wollen eine Barfußgruppe gründen. Interessenten können sich per E-Mail wenden an willkommen@camlata.de

Zur Person

Thomas Nawroth (56) wurde in Herne, Nordrhein-Westfalen, geboren. Nach seiner Ausbildung zum Koch und Hotelfachmann war er acht Jahre bei der Bundeswehr. Ein halbes Jahr arbeitete er auf einem Kreuzfahrtschiff, bevor er 2003 arbeitslos wurde. 2006 gründete Nawroth sein Unternehmen „Camlata“, das er mit seiner Frau Tatjana betreibt. Dabei geht es um Entspannung, Stressabbau und Ernährung und seit Neuestem auch ums Barfußlaufen. Die beiden wollen eine Laufschule gründen. Nawroth ist derzeit zudem als Dozent für Deutsch, Mathe, EDV und Sozialkunde für Menschen mit Migrationshintergrund und Langzeitarbeitslose an Bildungszentren tätig. 

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