Bürgerversammlung Guxhagen:

Ellenberger fühlen sich abgehängt: Anwohner ließen ihrem Ärger freien Lauf

+
Fühlen sich abgehängt: Die Ellenberger zeigten ihren Unmut bereits bei einer Bürgerbefragung vergangenes Jahr. In einer Versammlung am Mittwoch wurde über die Ergebnisse diskutiert. 

Warum sind die Ellenberger unzufriedener als andere Guxhagener? Dieser Frage wollte die Gemeinde in der Bürgerversammlung am Mittwochabend auf den Grund gehen.

Die Ellenberger hatten sich in einer Bürgerbefragung im vergangenen Jahr äußerst kritisch geäußert.

40 Ellenberger waren in den Bürgersaal nach Guxhagen gekommen, um deutlich zu machen, was im 700-Einwohner-Dorf schlechter läuft als in den anderen Ortsteilen. Neben Bürgermeister Edgar Slawik waren Parlamentsvorsteher Hans-Georg Albert, Vertreter der Fraktionen von SPD, CDU, Grüne sowie Rathaus-Mitarbeiter vor Ort.

Das Abwasser

Die unterschiedlichen Gebühren fürs Schmutzwasser in Guxhagen sind den Ellenbergern seit Jahren ein Dorn im Auge. Die Ellenberger haben eine Teichkläranlage und jeder Haushalt eine Klärgrube für die Feststoffe. 

Die Sonderregelung schlägt sich in den Gebühren nieder. 3,61 Euro pro Kubikmeter Frischwasser zahlen die Ellenberger für ihr Abwasser (hinzu kommen Kosten für die Leerung der Hausklärgrube), alle anderen Guxhagener zahlen durch den Anschluss an die Kläranlage Edermünde lediglich 2,18 Euro. 

„Wie sich diese horrende Gebühr zusammensetzt, ist mir nach wie vor ein Rätsel“, sagte Berthold Lofi. Und warum die Gebühren für 2020 nun wieder erhöht wurden, „verstehe ich nicht. Mir ist das alles zu undurchsichtig“. 

Auch Peter Braun kritisierte die Gebühren: Hausklärgruben seien doch gar nicht mehr zeitgemäß. Man hätte vor Jahren schon ein Konzept entwickeln müssen, um die Teichkläranlage abzulösen. „Jetzt fehlt mir eine Perspektive, wie es weitergeht“, sagte Braun. Die fehlt auch Edgar Reis. Wie viele andere Ellenberger hat er jüngst seine Hausklärgrube erneuern lassen müssen – für 7000 Euro. 

Er befürchtet, dass neue Anforderungen an Kläranlagen die Teichkläranlage bald unbrauchbar machen könnten. „Dann hätten viele Ellenberger einen Haufen Geld in die Erde gesetzt.“

Hauptamtsleiter Frank Jacob betonte, dass die Gemeinde bei der Gebührenerhebung an das kommunale Abgabengesetz gebunden sei. Da es sich um unterschiedliche Abwassersysteme handele, müsse Ellenberg getrennt von den anderen Ortsteilen abgerechnet werden. „Wir kommen nach der derzeitigen Gesetzeslage nicht aus der Nummer raus“, sagte Jacob. Eine andere Kalkulation sei nicht rechtsmäßig. Würde man Ellenberg an die Kläranlage Edermünde anschließen, würde dies etwa zwei Millionen Euro kosten, die wiederum auf die Ellenberger umgelegt werden müssten. Ob zu 100 Prozent oder nur anteilig, könne man derzeit überhaupt nicht sagen, so Jacob. Der Anschluss stünde aber derzeit auch nicht zur Debatte, da die Teichkläranlage Stand jetzt alle Werte, die eine Anlage dieser Größenordnung einhalten muss, auch einhalte, sagte Bauamtsleiter Steffen Tasler. „Es ist auch nicht absehbar, wann sich dies ändern könnte.“

Nahverkehr

Beim öffentlichen Nahverkehr fühlen sich die Ellenberger abgehängt. Man könne zwar den Bürgerbus, Schulbus oder ein AST-Taxi nutzen, aber eine normale Buslinie fehle, sagte Edgar Reis. Es wäre wünschenswert, wenn die Linie 56 auch Ellenberg anfahren würde.

Das Problem könnte sich allerdings bald lösen, sagte Hans-Georg Albert. Der Nahverkehr Schwalm-Eder (NSE) wolle sich neu organiseren, mit dem Ziel, jeden Ort jede Stunde anzufahren. „Da besteht die Chance, dass Ellenberg auch dabei ist.“ Auf jeden Fall müsse sich in Sachen Nahverkehr etwas tun, betonte der Parlamentsvorsteher. Eine neue barrierefreie Haltestelle sei auch in Planung.

Unerfüllte Wünsche

Wünschen vom Ellenberger Ortsbeirat komme die Gemeinde nicht ausreichend nach, kritisierte Edgar Reis. Nach über zehn Jahren seien nun endlich mal die Wege auf dem Friedhof gemacht worden, sagte Dieter Griesel. „Aber die Tore sind schon so eingerostet, dass man sie kaum noch aufbekommt.“ Der Bauhof kümmere sich, sagte Tasler zu.

Auch die Löcher, die sich laut einer Besucherin auf der oberen Seite des Friedhofs befinden, sollen mit Erde verfüllt werden. Ebenso stünde die Erneuerung der Gehwege an der sanierten Brunslarer Straße auf der Agenda, sagte Steffen Tasler. Weil die Gemeinde Gewerbesteuer zurückzahlen musste, wurde die Investition in die Gehwege erst einmal zurückgestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.