Leblose Vögel im Nistkasten

Mann findet tote Meisenküken - und vermutet furchtbaren Grund

Fleißig: Axel Seidensticker aus Guxhagen beobachtete in den vergangenen Tagen immer das Kohlmeisenpärchen, das die Jungen im Nistkasten der Vögel fütterte.
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Fleißig: Axel Seidensticker aus Guxhagen beobachtete in den vergangenen Tagen immer das Kohlmeisenpärchen, das die Jungen im Nistkasten der Vögel fütterte.

Ein Mann aus Guxhagen war schockiert, als er tote Küken im Nistkasten in seinem Garten fand. Bei der Todesursache der Vögel hat er einen schlimmen Verdacht.

Guxhagen – Jeden Tag beobachtete Axel Seidensticker aus Guxhagen das Kohlmeisenpärchen, das im Nistkasten in seinem Garten den Nachwuchs fütterte. Doch eines Tages kamen die Elterntiere nicht mehr mit vollen Schnäbeln. „Sie hörten plötzlich auf, zu füttern“, sagt der Guxhagener. Die Jungvögel waren gestorben. Seidensticker ist sich sicher, dass ihnen das Polstermaterial im Nest zum Verhängnis geworden ist.

Als Axel Seidensticker, der die Vögel auch stets mit seiner Kamera begleitete, bemerkte, dass die Elterntiere das Füttern eingestellt hatten, kam ihm das direkt komisch vor. Er ahnte, dass etwas nicht stimmte. „Deshalb habe ich den Nistkasten geöffnet“, sagt er. Zwei tote Küken lagen im Nest. Eines habe noch dort gehockt, sei aber auch kurze Zeit später verendet.

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Was Seidensticker sofort auffiel, war das Material, mit dem die Elterntiere das Nest ausgepolstert hatten. „Dabei handelte es sich um Stein- oder Glaswolle.“ Er ist sich sicher, dass dieses Material die Lungen der Vögel derart geschädigt hat, dass sie schließlich starben. Und was den Guxhagener auch beschäftigt: „Sicher hat sich nicht nur dieses Kohlmeisenpärchen an der Dämmwolle bedient.“ Er vermutet, dass der Stoff, der zum Isolieren von Häusern benutzt wird, irgendwo ungeschützt herumlag, sodass sich die Vögel dort Material für den Nestbau holten.

Joachim Reinhardt, Ornithologe aus Elbersdorf, schließt aus, dass die Küken wegen des Polstermaterials gestorben sind. Es sei nämlich normal, dass Vögel solche Materialien verwenden. Die Gesundheitsgefahr für den Menschen, die von diesen Stoffen ausgeht, könne man nicht eins zu eins auf Tiere übertragen, sagt er. „Es wird sicher eine natürliche Ursache haben.“

Dämmwolle zum Auspolstern: Dass sich Vögel an solchen Stoffen bedienen, sei nicht ungewöhnlich. Axel Seidensticker aus Guxhagen hat dieses Foto gemacht, nachdem er den Nistkasten geöffnet hatte und die toten Küken fand.

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Er geht davon aus, dass eines der beiden Elterntiere Beute eines Sperbers oder einer Katze wurde. Wenn ein Elterntier alleine die Aufzucht nicht mehr schaffe, lasse es die Jungen zurück. Auch komme es vor, dass beide Elterntiere verunglücken. Auch, wenn es während der Aufzucht sehr viel regnet, könne es vorkommen, dass die Jungen durch die Feuchtigkeit, die die Elterntiere mit ins Nest bringen, erkranken. Trockenheit hingegen macht Meisen nichts aus, da sie Insekten und Raupen von den Unterseiten der Blätter abpicken. Und die sitzen dort auch, wenn es trocken ist.

Der Ornithologe Joachim Reinhardt geht nicht davon aus, dass Dämmwolle Schuld an dem Tod der Vögel in Guxhagen ist.

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Schwerer hat es hingegen die Amsel, die auf Insekten im Erdboden angewiesen ist. „Wenn die Bodenkrume durch die Trockenheit verhärtet ist, kommen die Amseln mit ihren Schnäbeln nicht mehr hinein“, sagt Reinhardt. Deshalb könne man dann auch beobachten, dass Amseln sich dort aufhalten, wo gerade im Garten gearbeitet wird. Sie hoffen auf lockere Erde. Jedoch habe man auch bei einigen Vogelarten beobachtet, dass das Nistmaterial tatsächlich zum Sterben der Jungtiere führen kann. Beispielsweise bei Vögeln, die in Horsten brüten, sagt Reinhardt. Wenn sie Bindenetze von Heu- und Strohballen finden, verwenden sie diese gern für den Bau. Jedoch verheddern sich nicht selten die Nestlinge darin und verenden.

Bei Rot- und Schwarzmilan, die ihre Nester gern mit Plastik auspolstern, könne eine Plastiktüte ihr schnelles Ende sein, sagt Reinhardt. Ist der Nestboden mit der Tüte ausgepolstert und regnet es, kann das Wasser nicht abfließen, die Vögel ertrinken. Vögel, die in Küstennähe leben, wie Möwen, verenden hingegen häufig, weil sie sich in achtlos weggeworfenen Fangnetzen verheddern. Die Küken strangulieren sich. (Carolin Hartung)

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