Kritischer Blick bis in den letzten Winkel

Hammerschläge für die Sicherheit: So kontrolliert Hessen Mobil Brücken

Gute Kontrollen: Unter der Fuldabrücke  in Guxhagen sind die Bauwerkskontrolleure Manuel Viehweber, Martin Salwiczek und Carsten Heß (von links) im Einsatz.
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Gute Kontrollen: Unter der Fuldabrücke in Guxhagen sind die Bauwerkskontrolleure Manuel Viehweber, Martin Salwiczek und Carsten Heß (von links) im Einsatz.

Die Standsicherheit der Straßenbrücken ist für die Verkehrssicherheit unentbehrlich. Wir waren dabei, als Fachleute von Hessen Mobil die Fuldabrücke in Guxhagen untersucht haben.

Schwalm-Eder – Wenn Manuel Viehweber, Martin Salwiczek und Carsten Heß den Hammer gegen den Beton schwingen, sitzt jeder Schlag zentimetergenau. Durchschnittlich sechs bis zehn gezielte Hammerschläge pro Quadratmeter sind notwendig, um zu überprüfen, ob die Brücken in unserer Region noch sicher sind. Wir haben die Spezialisten des Straßen-und Verkehrsmanagements Hessen Mobil bei der Untersuchung der Fuldabrücke in Guxhagen begleitet.

Die ehemalige Sandsteinbrücke war während des letzten Krieges zerstört worden. Mit Spannbeton wurde eine neue Überführung gebaut. Der jetzige Beton stammt aus 1995/96.

Die Pfeiler, der Überbau und die Lager zwischen Pfeiler und Überbau – den kritischen Augen der Brückenprüfer entgeht nichts. Der Hammer und ein Gerät, das die Stärke des Betons über dem Stahl im Innern der Konstruktion anzeigt, ist das wichtigste Arbeitsgerät. Das Hämmern klingt langweilig, und plötzlich ruft Manfred Viehweber vom Gerüst zu uns herunter „Hören Sie den Klang? Das ist eine Hohlstelle.“ Die Stelle wird markiert und dokumentiert, dann beobachtet. Und dann wird entschieden, was zu tun ist.

Handnahe Kontrollen heißen die Untersuchungen. Handnah - das ist die Entfernung zwischen dem Beton und den Prüfern. Alle drei Jahre findet eine „einfache Prüfung“ der Brücken statt, alle sechs Jahre müssen die Brücken nach einer DIN-Vorschrift einer Hauptprüfung unterzogen werden. Die Streckenwarte der Straßenmeistereien kümmern sich während ihrer Kontrollfahrten regelmäßig auch um die Brücken. Sie inspizieren alle sechs Monate die Gesamtbauwerke, prüfen, ob die Entwässerung funktioniert und in welchem Gesamtzustand sich das Ingenieur-Bauwerk befindet.

Wenn die Bauwerksprüfer anrücken, steigen sie auf eine Arbeitsbühne um. Die hängt an einem Lastwagen, der sich Zentimeter für Zentimeter auf der halbseitig gesperrten Brücke bewegt. Bis in den allerletzten Winkel der Brücke schauen die Prüfer, wenn sie auf dem Brückenuntersichtgerät mit 16 Metern Steglänge stehen.

Dabei schauen sie auch auf jeden kleinen Riss. Werden die Risse größer, kann Feuchtigkeit in den Beton eindringen. Dann rostet der Bewehrungsstahl. Wenn der rostet, dehnt er sich aus, der Beton platzt ab. Gefahr droht. Der Stahl wird dann entrostet, ein Schutzanstrich sowie Spritz- oder Polymer-Beton werden aufgetragen.

Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit – nach diesen Gesichtspunkten nehmen die Bauwerksprüfer die Brücken genau unter die Lupe. Sie erstellen von jeder Brücke einen Prüfbericht und vergeben Noten von null bis vier – mit Schulnoten nicht vergleichbar.   Bei Note null ist der Brückenzustand gut, erläutert Manuel Viehweber: „Dann gibt es keine Beanstandung.“ Note 2,5 ergibt sich zum Beispiel, wenn sich ein Schlagloch gebildet hat und Gefahr droht. Das bessert dann die Straßenmeisterei aus.   Note drei wird vergeben, wenn es zum Beispiel massive Risse im Träger gibt, Note vier heißt Brückensperrung.

Spannbeton-Brücken halten normalerweise 70 bis 90 Jahre. Spannbeton-Brücken haben in Deutschland den größten Anteil, erläutert Marco Lingemann, Pressesprecher bei Hessen Mobil. Es folgen Stahlbeton, Stahl- oder Stahlverbundbrücken. Hessen Mobil hat es aber auch mit Raritäten zu tun, die eine besondere Handwerkskunst dokumentieren. So gehört unter anderem die Sandsteinbrücke in Wolfershausen zum Inventar. Das Bauwerk aus dem Jahr 1885 wurde kürzlich mit unter die Lupe genommen. Diese Brücke war 1987 bis 1989 von Grund auf saniert worden, ohne das äußere Erscheinungsbild wesentlich zu verändern.

Über die Eder bei Wolfershausen führt die Kreisstraße 4. Der Schwalm-Eder-Kreis lässt all seine Brücken und andere Straßen-Bauwerke von Hessen Mobil betreuen. Kreis-Sprecher Stephan Bürger: „Die Zusammenarbeit ist hervorragend.“

Von Manfred Schaake

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