Dienstjubiläum

Jazz mit Jürgen Sprenger in der Breitenau: Ein Abend mit der Lizenz zum Tröten

Bildeten eine überzeugende Symbiose: Herbert Rittger (links) und Jürgen Sprenger beim Jazzabend im Gasthaus Zur Breitenau in Guxhagen. Foto: Hirchenhain

Guxhagen. Die Trompete glänzte silberfarben, dabei hätte sie eigentlich golden sein müssen. Immerhin feierte der dazugehörige Trompeter sein 50-jähriges Dienstjubiläum als Jazzmusiker. Jürgen Sprenger stand im Mittelpunkt des Konzertes in der Gaststätte Zur Breitenau in Guxhagen.

Am Tag genau vor 50 Jahren hatte Ludwig Sprenger seinem damals elfjährigen Sohn Jürgen in der Musikalienhandlung Eichmann in Bad Hersfeld die erste Trompete gekauft. „150 D-Mark hat die damals gekostet“, erzählte Jürgen Sprenger.

Der Jubiläumsabend im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Jazz in der Breitenau“ stand ganz im Zeichen dieses begnadeten Trompeters. Vier Bands hatte Ulf Wahnel für diesen Abend eingeladen und in allen Gruppen durfte Sprenger mitmischen. „Zwischen Atlantik und Ural, Mittelmeer und Stavanger ist Jürgen als Trompeter bekannt“, begrüßte Wahnel launig und humorvoll die Zuhörer im proppenvollen Saal der Gaststätte. Er fügte, an die Damen gewandt, hinzu: „Küssen kann er immer noch.“ Vor allem der Jazz aus New Orleans stand an diesem Abend im Fokus. Schon die heimischen Riverside Jazz Messengers warteten mit Klassikern des Genres auf. Stephen Fosters „Swanee river“ von 1851 bildete das Intro, bei Sholom Secundas „Bei mir bist du scheen“ von 1932 stieg Sprenger mit ein und entwickelte im Duett mit Herbert Rittger eine phänomenale Kommunikation beider Trompeten. Das war überhaupt auffällig an diesem Abend – egal, mit welcher Band Sprenger gerade spielte – dem Zuhörer wurde schnell deutlich, dass er sofort in jedem Titel zu Hause war. Seine Improvisationskunst war bewundernswert. Er spielte so, als hätte er schon immer dort mitgewirkt. Ob bei der Rainbow Jazzband oder bei den traditionellen Jubilee Ramblers aus Kassel, die seit 60 Jahren Dixie- und Swingjazz spielen, Sprenger gehörte sofort dazu. In seiner angestammten Formation, den „Hot Four“ wurden seine Vitalität und sein Können besonders offensichtlich.

Sei es der Boogie „Rebecca“ oder Louis Armstrongs „Wild man blues’“ sowie die große Liebesklage einer von ihrem Liebhaber verlassenen Frau in Henry Creames Ballade von 1918 „After you’ve gone“ – Sprenger, der Kasseler Armstrong, führte seine Trompetentöne in größte Höhen und riss die Zuhörer zu enthusiastischen Beifallsstürmen hin.

Nach dem „Tiger Rag“, dem vielleicht lebendigsten Stück an diesem Abend, das nicht enden wollenden Applaus provozierte, spielten Musiker aus den verschiedenen Bands noch eine bis Mitternacht dauernde Jam-Session, in der Sprenger auch seinen Beitrag leistete. Ein großer Jazzabend für einen großen Trompeter.

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