Guxhagen

Kaminkehrer war einmal: Wie Schornsteinfeger das Klima schützen – Innung feiert 150. Geburtstag

Der Schornsteinfegernachwuchs spielte Glücksbringer: Die Auszubildenden Katharina Fuchs (16, links), Talea Hohmann (17, rechts) und Schornsteinfegermeisterin Jennyfer Keil (Mitte) verteilte Geschenke und die Innungschronik.
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Der Schornsteinfegernachwuchs spielte Glücksbringer: Die Auszubildenden Katharina Fuchs (16, links), Talea Hohmann (17, rechts) und Schornsteinfegermeisterin Jennyfer Keil (Mitte) verteilte Geschenke und die Innungschronik.

Die Schornsteinfeger-Innung feierte in Wollrode ihr 150-jähriges Bestehen.

Wollrode – Aufs Dach klettern muss Jennyfer Keil noch immer mal hin und wieder. „Das macht mir Spaß“, sagt die 29-jährige angestellte Schornsteinfegermeisterin, die für Innungsobermeister Michael Maurer in Guxhagen-Wollrode arbeitet.

Doch häufiger muss die junge Frau bei den Heizungen ihrer Kunden Schadstoffe messen oder Lüftungsanlagen überprüfen.

Dieses Handwerk, dessen Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen, hat einen rasanten technischen Wandel durchgemacht, der noch andauert. Das wurde während der Feier zum 150-jährigen Bestehen der Schornsteinfeger-Innung Kassel mit vielen Gästen aus Handwerk und Politik in Wollrode deutlich.

Der Einzugsbereich der 180 Mitglieder zählenden Innung reicht von Nordhessen bis Fulda und Marburg.

Die Innung wurde am 22. Dezember 1869 von neun Schornsteinfegern aus Nord- und Osthessen gegründet. Gefeiert wurde jetzt pandemiebedingt mit zweijähriger Verspätung.

Aufgenommen wurde, wer fünf Taler in die Innungskasse zahlte, heißt es in der Satzungsurkunde, die in der umfangreichen Chronik der Innung zum 150-jährigen Bestehen abgebildet ist.

Ebenso wie eine Kehrordnung für den Regierungsbezirk Kassel, die – wohl unter dem Eindruck zunehmender Brände - 1889 erlassen wurde und unter anderem die Pflichten der Schornsteinfeger, etwas das mindestens dreimalige Kehren von Schornsteinen während der Heizperiode, regelte.

Ahle Wurscht zum Willkommen: So bedankten sich Obermeister Michael Maurer und der weibliche Schornsteinfeger-Nachwuchs für das Lob, das Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann (rechts) dem Engagement der Innung Kassel aussprach.

Wegen des Brennstoffmangels in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg wurden Schornsteinfeger erstmals angehalten, Hausbesitzern Tipps zum energiesparenden Heizen zu geben – was heute erneut aktuell ist.

1976 errichtete die Kasseler Innung in der ehemaligen Volksschule von Wollrode ein eigenes Domizil und baute es später aus. Heute ist das Innungshaus mit modernster Technik ausgestattet und Zentrum für die Aus- und Fortbildung des Nachwuchses.

1988 erhielt die Innung den Hessischen Umweltpreis für ein Energieeinsparungskonzept, das bundesweit Schule machte.

Der Schornsteinfeger als Glückssymbol. Das galt in den 1970er-Jahren für viele Hausbesitzer nicht.

Bei der neu vorgeschriebenen Überprüfung von Ölheizungen sei „jede zehnte Heizung beanstandet worden“, berichtete Oswald Wilhelm, Präsident des deutschen und europäischen Schornsteinfeger-Verbands, während der Jubiläumsfeier.

Wie viele andere Redner betonte er, dass sich der Beruf des Schornsteinfegers immer mehr in Richtung Klima- und Umweltschutz, energetische Sanierung sowie Energieberatung wandele.

In den nächsten Jahren rechne er im Zeichen der Energiewende mit einem deutlichen Rückgang traditioneller Heizungen. Das Handwerk müsse sich, wenn es eine Zukunft haben wolle, dieser Entwicklung anpassen.

„Wir bieten uns der Politik als neutrale Fachberater an“, sagte Wilhelm. Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) lobte die „professionelle Kommunikation“ der Innung mit dem Land Hessen.

Die Innung habe die Gesetzgebung zum Immissionsschutz positiv beeinflusst und bringe ihre Praxiserfahrung ein.

Innungsobermeister Michael Maurer zog eine positive Bilanz. Es gebe keine Nachwuchssorgen. Jedes Jahr würden bis zu 20 Lehrlinge ausgebildet. (Peter Dilling)

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