Karin Wienecke aus Guxhagen wurde für soziales Engagement ausgezeichnet

Land Hessen ehrt die Mutter des Abenteuerlandes in Guxhagen

Karin Wienecke aus Guxhagen.
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Vom Land Hessen ausgezeichnet: Karin Wienecke aus Guxhagen.

Dass Mütter kleiner Kinder arbeiten gehen wollen, das war in den 1990er-Jahren nicht so selbstverständlich wie heute.

Guxhagen – Deshalb stieß der Wunsch einiger Frauen nach einer Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder in Guxhagen Mitte der 1990er-Jahre zunächst auf Unverständnis. Karin Wienecke hatte zu diesem Zeitpunkt selbst zwei kleine Kinder.

„Ich wollte mir also auch selbst helfen.“ Deshalb gründete sie 1996 mit anderen Eltern den Kinderverein Abenteuerland. Doch nicht nur das: Karin Wienecke ist auch Mitgründerin und Vorsitzende des Vereins Kult-Uhr-Zeit.

Für ihr Engagement für ihre Mitmenschen wurde Karin Wienecke jetzt vom Land Hessen ausgezeichnet. Sie ist eine von acht Personen in Hessen, die in diesem Jahr für ihr soziales Bürgerengagement geehrt wurden. „Ich finde diese Auszeichnung sehr wichtig.“ Sie nehme sie stellvertretend für viele Wegbegleiter entgegen. „Alleine kann man nichts erreichen.“

Der Verein Abenteuerland betreut derzeit etwa 60 Grundschulkinder. Wienecke hatte im Gründungsjahr selbst zwei Kinder und wollte weiter in ihrem Beruf beim Steuerberater arbeiten. Eine Betreuungsmöglichkeit über den Kindergarten hinaus gab es damals noch nicht in Guxhagen. Mithilfe einer Elterngruppe habe man das dann selbst in die Hand nehmen müssen, berichtet Wienecke – nur wie? Den entscheidenden Tipp, die Nachmittagsbetreuung über einen Verein zu regeln, habe damals Edgar Slawik gegeben, der zu diesem Zeitpunkt noch kein Bürgermeister war. Seine Ehefrau Andrea gehörte ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern.

„Aber es war ein schwieriger Start“, erinnert sich Karin Wienecke. Um die Betreuung auf die Beine zu stellen, war die Unterstützung von Jugendamt, Gemeindevertretung und -verwaltung nötig. „Es war anfangs nicht einfach, Verständnis dafür zu erlangen, dass Frauen, die Kinder haben, wieder arbeiten gehen wollen“, berichtet sie. Trotzdem ging der Verein an den Start. „Angefangen haben wir damals mit acht Kindern.“ Der provisorische Betreuungsraum befand sich unter anderem an der Brückenstraße unweit der Gedenkstätte Breitenau. 2003 gab es für die Nachmittagsbetreuung einen Anbau für die Grundschule – mithilfe von Fördergeld. „Es war alles sehr arbeitsintensiv, da wir als Verein ja auch Arbeitgeber waren, aber es war auch schön.“ Denn es seien viele Freundschaften entstanden, die sie nicht missen möchte.

Jedoch sei es auch im „Abenteuerland“ mit der Zeit immer schwieriger geworden, die Vorstandsposten zu besetzen. Wienecke gab den Vorsitz des Vereins rund zehn Jahre nach der Gründung ab. Als Mitglied engagiert sie sich aber weiterhin.

Was Wienecke besonders am Herzen liegt, ist die Kultur. Corona stelle insbesondere Kulturschaffende auf eine harte Probe – so auch den Guxhagener Kulturverein Kult-Uhr-Zeit.

Veranstaltungen müssen immer wieder abgesagt werden, häufig habe der Verein nun aus eigener Tasche draufzahlen müssen. „Unser Verein lebt von den Veranstaltungen und von den Spenden, die wir dort erhalten.“ Gott sei Dank sei man innerhalb des Kulturvereins aber in der glücklichen Lage, dass die Mitglieder gut miteinander befreundet seien. So sei der Zusammenhalt stärker als in vielen anderen Vereinen.

Die Guxhagenerin, die sich für die Grünen-Fraktion in der Gemeindevertretung engagiert, freut sich über die Auszeichnung. Gerade jetzt sei es wichtig, Menschen zu würdigen, die versuchen, das Sozialgefüge so gut es geht aufrechtzuerhalten. (Carolin Hartung)

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