INTERVIEW: Susanne Schneider ist seit 100 Tagen im Amt

Neue Bürgermeisterin in Guxhagen will Glasfaserausbau vorantreiben

Guxhagens neue Bürgermeisterin Susanne Schneider ist seit 100 Tagen im Amt. Sie hat im Mai Edgar Slawik abgelöst. Im Interview erzählt sie, wie sie die ersten drei Monate erlebt hat.

Am Arbeitsplatz: Die Blumenschale auf ihrem Schreibtisch hat Guxhagens Bürgermeisterin Susanne Schneider von Kollegen zum Amtsantritt geschenkt bekommen.

Guxhagen – 100 Tage sind schon rum? Dieser Gedanke sei ihr als erstes durch den Kopf geschossen, als sie die Interviewanfrage der HNA einging. „Es ist Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht“, sagt Guxhagens neue Bürgermeisterin Susanne Schneider (parteilos). Im Interview erklärt sie zum Beispiel, warum Corona den Einstieg erschwert hat.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in den 100 Tagen?
Seit Juli gibt es wieder Gratulationsbesuche. Mein erster war ein Besuch bei einer 100-jährigen Dame in Ellenberg. Die war noch so fit, das war der Wahnsinn. Die sprang gleich auf, machte direkt ein paar Kniebeugen. Also, wenn man in so einem Alter noch so fit ist, hat man echt unheimlich viel gewonnen. Das war herrlich.
Und was war weniger schön?
Die Ruckeleien am Anfang in der Gemeindevertretung waren nicht so schön. Es musste sich erst mal alles finden, wir sind ja alle neu in dieser Kombination. Es gab unsägliche Diskussionen, bei denen man noch mal politische Hahnenkämpfe ausgefochten hat. In einem gewissen Maß ist das sicher auch normal, es muss ja jeder seinen Platz finden. Aber ich glaube, jetzt haben wir eine Konstante gefunden. Bei der letzten Gemeindevertretersitzung hat man schon gemerkt, dass es sich jetzt eingependelt hat.
Und hat sich ihr Leben als Bürgermeisterin auch eingependelt?
Ja, schon. Ich wusste, was mich erwartet und hatte auch das Glück, dass ich hier in der Verwaltung sehr gut aufgenommen wurde. Die Mitarbeiter im Vorzimmer halten mir auch toll den Rücken frei. Zudem habe ich mit Frank Jacob einen enorm erfahrenen Büroleiter, das hilft mir sehr. Solche Allrounder findet man kaum noch. Leider geht er 2023 in den Ruhestand. Das wird eine schwierige Aufgabe, dort einen Nachfolger zu finden.
Gibt es in der Verwaltung etwas, das neu ist, seitdem Sie da sind?
Wir haben jetzt regelmäßige Dienstbesprechungen, die gab es vorher nicht. Da sind das Bauamt, das Ordnungsamt, Frank Jacob und der Erster Beigeordnete Bernd Hohlbein mit dabei und je nach Thema wechselnde andere Akteure. Ich glaube, diese Kommunikation hat in der Vergangenheit gefehlt und auch dazu geführt, dass der eine das erzählt hat und der andere das. Der Austausch hat mir auch unheimlich viel geholfen, hier gut einzusteigen.
Hat Corona den Einstieg erschwert?
Die Pandemie erschwert und verzögert einiges in der Verwaltung. Es klingt immer ganz toll, wenn es Lockerungen gibt. Aber es gibt so eine Vielzahl von Regelungen, die sich dauernd ändern und die von uns wiederum Entscheidungen erfordern. Das sind dann Fragen wie: Lassen wir die Eltern auch wieder in die Kita oder wollen wir die ungeimpften Kinder lieber schützen? Und mischen wir die Gruppen wieder? Kann der Bauhof wieder das Schichtsystem anpassen? Sollen wir die Tür der Gemeindeverwaltung öffnen? Das stellt uns täglich vor neue Herausforderungen. Die Tür der Verwaltung ist übrigens wieder auf. Wir wollen ein offenes Haus sein. Aber man braucht einen Termin.
Haben Sie sich auch noch Tipps von Edgar Slawik geholt?
Nein, seit Amtseintritt nicht mehr. Klar, man hat sich mal im Dorf getroffen und über das ein oder andere ausgetauscht. Aber dass ich nachgefragt habe, nein. Ich war ja auch gut vorbereitet und Frank Jacob weiß ja auch alles. Und bei der ein oder anderen Sache hab ich mich einfach durchgewurschtelt.
Um welche „Sachen“ ging es denn bisher? Welche Themen haben sie beschäftigt?
Das vorrangige Thema war bisher die Digitalisierung. Dort gehen wir den Weg einer Interkommunalen Zusammenarbeit mit Körle und Edermünde, um das Onlinezugangsgesetz umzusetzen. Damit sollen Verwaltungsleistungen auch online angeboten werden. Aber das ist ein langer Prozess, der sicher nicht bis Ende 2022 abgeschlossen sein wird, so wie es der Gesetzgeber vorgibt. Wir müssen auch dahin kommen, dass wir in Richtung papierloses Büro gehen, aber das sind noch mal ganz große Herausforderungen. Auch das Ratsinformationssystem ist ein Thema. Wir erproben im Gemeindevorstand gerade den digitalen Sitzungsdienst. Ich plane damit, dass wir das noch dieses Jahr für die Gemeindevertretung einführen.
Mit welchen Themen haben Sie sich noch beschäftigt?
Beispielsweise mit der Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Da gab es bereits verbindliche Gespräche mit dem Landkreis und der Schulleitung, mit dem Ziel, mit dem Schuljahr 2023/24 in die Ganztagsbetreuung zu gehen. Wie sich das genau ausgestaltet, müssen wir noch im Detail besprechen. Solche großen Projekte brauchen Vorlaufzeit, aber man muss sie rechtzeitig anstoßen.
Das betrifft sicher auch das Thema Bauplätze?
Ja, in Guxhagen direkt stoßen wir da derzeit an unsere Grenzen. Stellenweise kann man noch verdichten und wir haben noch den Gänsegarten III. Da gibt es derzeit finale Gespräche, wie wir das umsetzen wollen. Aber das war’s dann auch. Dann müssen wir auf die Ortsteile gehen, wo uns auch schon Interesse signalisiert wurde. Das ist auf jeden Fall ein Thema, das vorangebracht werden muss.
Voranbringen ist das richtige Stichwort. Ihnen wird gerade ein sehr hohes Tempo nachgesagt, was das Erledigen von Aufgaben angeht. Lässt sich das so durchhalten?
Ich weiß nicht, ob sich das Tempo so durchhalten lässt, aber zumindest habe ich den Anspruch, das zu tun, was notwendig ist. Ob das immer alles gleich so schnell klappt, kann ich nicht versprechen. Es bringt nicht viel, sich in einer Ortsbeiratssitzung nur alles anzuhören. Man muss es sich auch vor Ort anschauen. Wir waren zum Beispiel in Grebenau und Büchenwerra mit dem Bauamtsleiter, dem Ordnungsamt und Bauhof sowie interessierten Bürgern und dem Ortsbeirat und sind die Punkte abgelaufen. So haben wir direkt auf dem kurzen Dienstweg besprochen, was möglich ist und was nicht. Wenn man vor Ort ist und das abspricht, hat es gleich eine andere Verbindlichkeit. Ich lenke und koordiniere, alles andere machen die Fachabteilungen.
Aber nicht alle Themen sind so schnell abgehandelt wie ein Heckenschnitt. Wie sieht es mit Glasfaser aus?
Beim Glasfaserausbau muss sich dringend etwas tun. Wir sind langsam eine Insel in Guxhagen was Glasfaser angeht und so kann man Digitalisierung auch nicht vorantreiben. Ich denke, wir werden auch den Weg einer Öffentlichen Ausschreibung gehen, so haben es unsere Nachbarn in Edermünde gemacht. Dort übernimmt die Deutsche Glasfaser den Ausbau. Die Breitband Nordhessen bietet auch die Hausanschlüsse an, da müsste die Gemeinde aber das Gros der Kosten übernehmen. Abzüglich von Fördergeld wären das sicher immer noch zwei Millionen Euro. Da muss man schauen, ob das der Haushalt hergibt, insbesondere im Hinblick auf andere Projekte, die noch auf der Agenda stehen.
Zum Beispiel?
Beispielsweise wird ja ein Neubau für die Feuerwehr geprüft. Dann muss das Gebäude, in dem Gemeindeverwaltung untergebracht ist, energetisch saniert werden. Und wir müssen hier auch über eine Erweiterung nachdenken. Denn selbst, wenn ich neues Personal generieren wollte, hätte ich hier gar keine Kapazitäten, um sie auch Platz nehmen zu lassen. Unsere Umlandkommunen arbeiten alle mit einem separaten Empfang. Und ich habe hier noch die Gardinen von Winfried Becker.
Wie viele Stunden hat denn derzeit ein Arbeitstag?
So um die zehn Stunden bestimmt. Ja, auf 60 Stunden die Woche komme ich sicher.
Und wie sehen die Wochenenden aus?
Die waren anfangs ganz ruhig. Aber jetzt gibt es wieder mehr Veranstaltungen. Und da versuche ich mich jetzt in jedem Ortsteil mal blicken zu lassen, wo etwas los ist. Das sind auch Dinge, die man dann gut privat kombinieren kann. Da macht man dann zum Beispiel mal eine Wanderung hin.
Sie sagten während des Wahlkampfes mal, dass Sie gerne mehr Joggen gehen möchten. Ist der Wunsch nun in unerreichbare Ferne gerückt?
Solche alleinigen sportlichen Aktivitäten rücken doch sehr in den Hintergrund. Hat aber sicherlich auch damit zu tun, dass die Kinder noch so jung sind. Sonst hätte man klar in den Abendstunden auch mal die Kapazitäten, die Laufschuhe anzuziehen. Aber ich will diese Zeit mit der Familie nicht missen. Und ich glaube, wenn ich jetzt abends auch noch alleine Sport machen würde, dann würden sie bestimmt Fragen, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Aber ich versuche jeden Weg zu Fuß durchs Dorf zu erledigen. Ansonsten beschränkt sich die sportliche Aktivität aufs Wochenende. Mal eine Fahrradtour mit der Familie in einen anderen Ortsteil. Aber das ist dann auch meist mit gutem Essen verbunden. Neulich haben wir die Biergärten in Büchenwerra getestet und waren bei Hartungs essen. (Carolin Hartung)

Zur Person: Susanne Schneider (39) arbeitete seit ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation bei der Stadt Kassel. Bis zu ihrem Amtsantritt als Bürgermeisterin von Guxhagen – sie holte fast 83 Prozent der Stimmen bei Wahl – war sie beim Kasseler Ordnungsamt tätig. Schneider wohnt mit Ehemann Harry und den Kindern Henry und Elly in Guxhagen. Sie ist Fußballfan von Borussia Dortmund und Mönchengladbach und fährt gern mit ihrem Mann Ski.

Rubriklistenbild: © Carolin Hartung

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