Eltern planen Kundgebung

Protest gegen Pläne für Flüchtlingslager in Sporthallen

Guxhagen/Felsberg/Gudensberg. In Guxhagen regt sich massiver Protest gegen die geplante Unterbringung von Flüchtlingen in der dortigen Kreissporthalle.

Die Sporthalle steht zwischen Kindergarten, Grundschule und Gesamtschule. Eltern von Schulen und Kindertagesstätte planen für Donnerstag eine Protestkundgebung vor der Sitzung der Gemeindevertreter.

In den kommenden Tagen und Wochen werden weitere 1000 Flüchtlinge im Schwalm-Eder-Kreis erwartet. Der Landkreis muss diese Menschen unterbringen und plant unter anderem die Sporthallen in Gudensberg, Guxhagen und Felsberg zu Erstaufnahmeeinrichtungen zu machen. Dagegen sprechen sich auch der Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende, Bernd Siebert sowie CDU-Staatssekretär Mark Weinmeister aus. Die Belegung von Sporthallen und öffentlichen Einrichtung könne nur der letzte Schritt sein. Die Belastung für die Bevölkerung müsse so gering wie möglich gehalten werden, sagt Siebert.

„Im Landkreis gibt es Hallen, Freiflächen, und nicht genutzte Liegenschaften des Bundes, die man belegen kann. Auch über die Unterbringung in den Kasernen muss man sprechen“, fordert Weinmeister.

Der Ton der CDU sei ein anderer geworden, das überrasche ihn und das helfe nicht weiter, sagt Landrat Winfried Becker. Es sei klar, dass die Unterbringung in Sporthallen nur stattfinde, wenn es keine andere Möglichkeit für die Erstaufnahme gebe. Der Landkreis suche mit den Städten und Gemeinden unter Hochdruck nach anderen Lösungen. Zugleich fordern der Landrat und die 27 Bürgermeister Siebert - der Mitglied im Verteidigungsausschuss der Regierung ist - auf, sich in Berlin für die Unterbringung in den bundeseigenen Liegenschaften und die Öffnung der Bundeswehrstandorte für Flüchtlinge einzusetzen. Nach der Wiedervereinigung sei dies für Spätaussiedler möglich gewesen.

Eltern äußern Angst um die Kinder

Eine Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Guxhagener Schulhof: Eltern äußern Sorge um ihre Kinder.

Jörg Proll: „Wir benötigen zu erst einen vernünftigen Informationsfluss“, sagt Jörg Proll. Der 55-Jährige ist Vater zweier Kinder an der Grundschule und an der Gesamtschule und Elternbeiratsvorsitzender der Grundschule. Viele Eltern seien verunsichert. Einerseits wolle man helfen, andererseits sei man besorgt. „Die Angst um die eigenen Kinder spielt natürlich eine Rolle.“ Die Enge auf dem Schulgelände könne aber auch Chance sein. Kreis, Schule und Eltern müssten jetzt eine vernünftige Zusammenarbeit organisieren.

Die Mutter einer 13-jährigen Schülerin wird konkreter: „Was, wenn die überwiegend männlichen Flüchtlinge unsere Mädchen belästigen. Wer schützt die Schüler?“ Mädchen sollten sich künftig bedeckter kleiden, habe es geheißen, dass sei doch ein enormer Eingriff.

Jörg Freitag: „Ich bin völlig fassungslos über eine solche Entscheidung“, sagt Vater Jörg Freitag. Jetzt sollen also die schwächsten der Kette, die Kinder, für die Fehlpolitik der Regierung herhalten müssen. „Das kann und darf nicht sein.“ Es müsse ein anderer Ort gefunden werden. „Wer garantiert uns, dass es keine Zwischenfälle wie in Calden, Schwarzenborn und Gießen gibt? Und wer übernimmt die Verantwortung, wenn sich Schlägereien und andere Szenen vor den Augen unserer Kinder abspielen?“

Julia B.: Alles werde vorbereitet – aber niemand rede mit den Einwohnern. „Sollte man nicht als erstes das Dorf mit ins Gespräch einbinden: um zu informieren und eventuelle Ängste zu nehmen?“, fragt die Mutter.

Claudia Heuer: Schon seit langer Zeit sei die Flüchtlingskrise Thema. „Ich denke, man hätte sich darauf vorbereiten können, geeignete Unterkünfte zu renovieren oder zu errichten“, sagt sie. Sie habe eine Tochter und einen Sohn an der Schule. „Wenn ich an die anderen Unterkünfte denke, habe ich Bedenken, dass es zu gefährlichen Situationen kommen könnte.“ Viele Eltern sähen das auch so.

Eine Integration der Flüchtlinge in schulische Projekte wäre sicher wünschenswert, aber die vielen Sprachbarrieren erschwerten eine Zusammenarbeit leider sehr.

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