Edgar Slawik plant die nächsten Jahre

Interview mit Guxhagener Bürgermeister: "Die Senioren ins Dorf holen"

Edgar Slawik, Bürgermeister von Guxhagen

Guxhagen. Die dritte Amtsperiode für den Guxhagener Bürgermeister Edgar Slawik ist am 1. Mai gestartet. Wir sprachen mit ihm über seine Ziele und Vorhaben für die nächsten Jahre.

Der 64-Jährige hatte sich im November gegen seinen Herausforderer Rolf Ganz durchgesetzt.

Herr Slawik, die Bürgermeisterwahl im November ist knapp ausgegangen. 52,1 Prozent der Stimmen gingen an sie als Amtsinhaber. Ihr seinerzeit 48-jährige Herausforderer holte auf Anhieb 47,9 Prozent der Stimmen. Wollten einige Wähler Sie schon in Rente schicken? 

Slawik: Ich hoffe nicht. Aber möglicherweise haben einige Menschen noch die alten Verrentungszeiten im Blick. Tatächlich sollen künftig aber doch alle bis 67 arbeiten. Wahlämter können noch länger besetzt werden. Ich zumindest habe mir etliche Ziele gesetzt und sehe gute Chancen, sie auch zu erreichen.

Wirklich? Die Fraktionen im Parlament stehen nicht immer hinter ihren Zielen, namentlich zieht beispielsweise die SPD als stärkste Fraktion oft genug nicht mit Ihnen an einem Strang. Wie wollen Sie Mehrheiten hinter sich versammeln? 

Slawik: Ohne Mehrheit geht nichts. Man braucht ein Team. Deshalb werde ich als Parteiloser für Projekte arbeiten, die man nur aus wirklich guten Gründen ablehnen kann, und verstärkt den Dialog mit den Fraktionen suchen, um für diese Projekte zu werben.

Beispiel Seniorenwohnheim. Auf dem Raiffeisengelände hat sich trotz Planung immer noch nichts bewegt. Stattdessen will nun ein Privatinvestor auf der anderen Fuldaseite Wohnungen für Senioren bauen. Warum tut sich am Standort Raiffeisengelände trotz Mehrheit nichts? 

Slawik: Die Politik hat schon vor vielen Jahren den Grundsatzbeschluss gefasst, diesseits der Fulda innerorts Wohnflächen zu erschließen. Deswegen müsste für das Raiffeisengelände eine neue Zielrichtung erarbeitet werden, wenn man Seniorenwohnen und stationäre Pflege im Baugebiet Kloster-blick ansiedeln möchte. Das dortige Mischgebiet erlaubt eine verträgliche Balance zwischen Wohnen und Gewerbe. Mit vielen Seniorenwohnungen aber wird das Mischgebiet de facto zum Wohngebiet. Das ist ein Schritt in die falsche Richtung. Wir sollten die Senioren stattdessen ins Dorf holen, um nicht das ursprüngliche Ziel der Stärkung des Innenbereichs aus den Augen zu verlieren.

Eine Mehrheit dürften Sie hinter sich haben, wenn es um neues Bauland und das Erschließen von Baulücken geht. Wie wollen Sie das anpacken? 

Slawik: Baulücken und Leerstände gibt es genug. Ich bin da hinterher und klopfe bei den Eigentümern an. Die Gemeinde hat aber noch andere Potenziale. So gilt es die Brache Raiffeisengelände zu entwickeln. Das massive Verwaltungsgebäude könnte umgebaut und für Wohnzwecke genutzt werden. Eine Reihe moderner Wohnungen könnte noch an anderen Stellen entstehen, etwa im Oberhofbereich, auf dem Pferdehof in Nachbarschaft zu den Schulen und am Werraweg.

Keiner will Lärm. Ist es da nicht einfach, eine politische Mehrheit für Schutzmaßnahmen hinzubekommen? 

Slawik: Wir haben hier ein überörtliches Problem. Der Lärmaktionsplan weist Guxhagen nicht als Konfliktbereich aus – also gibt’s kein Geld. Davon abgesehen, ist aus geographischen Gründen kein Kraut gegen den Autobahnlärm aus Richtung Ellenberger Höhe gewachsen. Mit dem haben wir zu leben. Bei Westwind ist das besonders schlimm.

Im Wahlkampf ist viel von Kommunikation und Transparenz die Rede gewesen. Müssen Sie sich den Einwohnern und Akteuren in der Gemeinde besser verständlich machen? 

Slawik: Ich habe im Wahlkampf auch viele Worthülsen gehört. Ich werde versuchen, in der Politik und in den Fraktionen Fronten aufzubrechen. Jederzeit bin ich für die Einwohner da. Aber dort, wo es Zwänge gibt und die Sachlage komplexer wird, braucht es auch Einwohner, die sich interessieren, einmischen und mitmachen. Deshalb werbe ich dafür, dass Unzufriedene, Kritiker und Interessierte mit Veränderungswünschen im nächsten Jahr zur Kommunalwahl antreten.

Eine Frage zum Schluss: Was machen Sie am ersten Arbeitstag ihrer neuen Amtsperiode?

Slawik: Das, was ich schon seit meinem Amtsantritt vor zwölf Jahren am 1. Mai immer mache: Ich werde mit den Wollrödern einen Maibaum aufstellen und mit ihnen feiern.

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