Gasthäuser am letzten Tag gut besucht

Gaststätten im Kreisteil Melsungen klagen über Schließung: Situation ist katastrophal

Das letzte Bier vor der Corona-Schließung in der Gastronomie im Gasthaus Hartung in Büchenwerra: vorn von links Carolin und Lena Hartung, hinten Anette Hartung, Anja Mette, Ralf Hartung, Daniel und Jacqueline Hess.
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Das letzte Bier vor der Corona-Schließung in der Gastronomie im Gasthaus Hartung in Büchenwerra: vorn von links Carolin und Lena Hartung, hinten Anette Hartung, Anja Mette, Ralf Hartung, Daniel und Jacqueline Hess.

Viele Gasthäuser und Restaurants im Kreisteil Melsungen waren am Sonntag – dem letzten Tag vor der Corona-Schließung – gut besucht. Aber es herrschte fast überall gedrückte Stimmung.

Gasthaus Hartung

„Ich bin sehr traurig, dass die Gasthäuser schließen müssen, obwohl sich die Gastronomen vorbildlich um die Hygiene kümmern“, sagte am Sonntag in Büchenwerra Anja Mette, mit ihrem Mann zu Gast im Haus Hartung. „Die Situation in der Gastronomie ist katastrophal“, sagte Ralf Hartung, Eigentümer des Traditionshauses. Mit der Gänse- und Weihnachtszeit stehe man vor einer der wichtigsten Hauptsaisonen. „Die Regierungsentscheidung trifft uns hart. Sie zwingt uns erneut in die Knie, und wir gehen davon aus, dass viele Betriebe den Winter nicht durchstehen werden.“ Natürlich verstehe man die Notwendigkeit des Lockdowns, denn man müsse die Infektionszahlen in den Griff bekommen: „Es verschwindet nicht einfach.“ Man sei sich, so Ralf Hartung, der Verantwortung als Gastgeber sehr wohl bewusst und setze alle Vorschriften um.

Jetzt müsse die Gastronomie schließen, die ohnehin schon unter höchsten Auflagen handele, betont der Gastwirt. Und: „Da kommt der Gedanke auf, dass die Bekämpfung schon sehr stark auf unserem Rücken ausgetragen wird.“ Werden jetzt nicht einfach Feiern privat nach Innen verlegt, fragt sich Hartung. Appelle seien gut, „aber wir sehen ja, dass sie nicht viel bringen“. Er gehe davon aus, dass man den zweiten Lockdown wirtschaftlich überleben werde: „Wir sind landesweit für unsere Gans berühmt und zum ersten Mal seit mehr als 60 Jahren können wir keine im Restaurant anbieten.“ Deshalb sei es möglich, die Gans abzuholen.

In der Gaststätte Die Ruthen: Ehepaar Brigitte und Peter Schanz mit Geschäftsführerin Heike Först.

Die Ruthen

„Es ist schade und nicht zu verstehen, dass die Restaurants jetzt schließen müssen, denn sie halten alle Regeln und Vorschriften ein.“ Dieser Meinung ist Peter Schanze aus Gensungen, der kurz vor der Schließung mit seiner Frau Brigitte zu Gast in dem im Vorjahr eröffneten Betrieb Die Ruthen in Felsberg war. Es gebe schon genug Einbußen für die Gastronomie. „Die Ansteckungen entstehen nicht in den Restaurants“, sagte Schanze. „Wenn jetzt wieder alles zurückgedreht wird, fährt die Wirtschaft gegen die Wand, wird es noch mehr Pleiten geben – darunter leidet die gesamte Menschheit.“ Für seine Ehefrau Brigitte ist es ein „großer Blödsinn, die Restaurants zu schließen – wie wollen die Unternehmen das überstehen?“

Am Nachbartisch dagegen ist man der Meinung, die neuen Beschlüsse seien gut und sinnvoll, um die Pandemie wirkungsvoll einzudämmen. Es liege aber nicht an der Gastronomie, dass sich die Menschen anstecken: „Hier werden die Hygienevorschriften eingehalten, anderswo aber nicht.“ „Unter den gegebenen Vorschriften hätten wir nicht schließen müssen, weil die Ansteckungsquote in der Gastronomie bundesweit nicht mal bei zwei Prozent liegt“, sagte Heike Forst, Geschäftsführerin der Ruthen. Die jetzt verordnete Schließung der Gasthäuser sei ungerecht und eine bittere Enttäuschung, „weil gerade wir uns streng an die Vorschriften gehalten haben und weiter halten.“ Wie viele Betriebe bieten auch Die Ruthen Essen zum Mitnehmen an. Von Manfred Schaake

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