Medizinische Versorgung kritisch

Sozialverband: Guxhagen braucht Ärztehaus

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Auch für Guxhagen ein Modell? Ein Ärztehaus ist laut VdK-Ortsverbandsvorsitzendem Gerhard Kakalick die einzige Möglichkeit, die ärztliche Versorgung sicherzustellen. Das Symbolfoto ist in Berlin entstanden.

Seit Marianne Werkmeister-Alter ihre Hausarztpraxis in Guxhagen Anfang 2017 geschlossen hat, gibt es noch drei Hausärzte in der Fuldagemeinde. Sie sind zwischen Mitte 50 und Mitte 60 Jahre alt.

„Wir müssen uns dringend Gedanken über die ärztliche Versorgung machen“, sagt der Vorsitzende des VdK-Ortsverbandes Guxhagen Gerhard Kakalick. Nicht nur die Nachfolge an sich sei ein wichtiges Thema, sondern auch der barrierefreie Zugang zu den Ärzten müsse künftig verbessert werden. Einzige Lösung für beide Probleme ist nach Ansicht des ehemaligen Parlamentsvorstehers der Bau eines Ärztehauses.

„Unser Problem in Guxhagen ist, dass sich die Praxen alle in Wohnungen befinden“, erklärt Kakalick. Außer der Praxis von Susanne Nserat sei keine barrierefrei zu erreichen. Behindertengerecht sei keine der Praxen. „Das soll kein Vorwurf sein. Aber wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass mögliche Nachfolger solche Praxen meiden.“

Denn wer wolle schon in eine schlecht erreichbare Praxis einziehen? Das Ziel der Gemeinde müsse eine ärztliche Gemeinschaftspraxis sein. „Wir benötigen ein Ärztehaus. In anderen Gemeinden wie Körle, Edermünde und Bad Zwesten wurde dies bereits erfolgreich verwirklicht.“ Die Gemeindegremien müssten sich vorrangig mit dieser Problematik beschäftigen, sagt Kakalick, der auch im Vorstand des Kreisseniorenbeirats ist.

Guxhagen biete jungen Ärzten gute Voraussetzungen, sagt Kakalick. Die Infrastruktur stimme. Es gebe beispielsweise Schulen, Kindergärten, Sportangebote, Vereine.

Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung lassen sich jüngere Ärzte lieber in Praxen, Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) oder anderen Einrichtungen anstellen, statt sich selbstständig zu machen.

Insbesondere deshalb, weil ihnen der Verwaltungsaufwand als selbstständiger Arzt zu hoch sei. „Auch deshalb wäre ein Ärztehaus für Guxhagen eine gute Lösung, und meiner Meinung nach auch die einzige Möglichkeit, um die medizinische Versorgung zu sichern.“

Hinzu käme der Vorteil, dass Informationen über Patienten immer vorhanden seien. Auch dann, wenn der behandelnde Arzt nicht im Haus sei. Man müsse sich dringend um einen Investor bemühen, sagt Gerhard Kakalick.

Das sagen die Fraktionen und der Bürgermeister

SPD 

„Wir haben das Problem auf der Agenda“, sagt Reiner Kramm (SPD). Jedoch könne die Kommunalpolitik nicht alleine eine Lösung finden. Über Zulassungen entscheide ohnehin die Kassenärztliche Vereinigung. „Wir müssen die Ärzte mit ins Boot holen und eine zukunftsfähige Lösung gemeinsam erarbeiten.“ Die Fraktionen könnten soweit tätig werden, dass der Gemeindevorstand mit einem Antrag in der Gemeindevertretersitzung nochmals aufgefordert wird, sich mit der ärztlichen Versorgung auseinanderzusetzen. „Aber der Bürgermeister muss die Gespräche mit KV und Ärzten führen.“ 

CDU 

Die CDU-Fraktion hatte im vorigen Jahr einen Antrag gestellt, nach dem sich der Gemeindevorstand mit der ärztlichen Versorgung befassen solle. Dieser sei einstimmig beschlossen worden, sagt Martin Graefe. Auf Nachfrage habe es geheißen, die Gemeinde könne nichts tun. Die Antwort habe zu Frustration bei den Fraktionen geführt. Ein Ärztehaus sei eine gute Idee. Man müsse überlegen, wie man so etwas organisiert. Es sei auch möglich, dass die Gemeinde Ärzte anstellt. Die KV sei für die Grundversorgung zuständig, aber die Verantwortung, dass die eigenen Bürger gut versorgt sind, läge bei der Kommune. 

GL Freie Wähler 

„Seit Langem ist in unserem Ort die Problematik der Ärztlichen Versorgung ein Thema“, sagt Uli Wiegand. Ein behindertengerechtes Ärztehaus könnte für die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung vorteilhaft sein. „Es ist aber noch in weiter Ferne. Für so ein Projekt müssten auch erst einmal ein Standort und ein Investor gefunden werden.“ Einige Guxhagener gingen auch zu Ärzten außerhalb des Ortes. Deshalb sei auch der GL-Antrag auf Ausweitung des Bügerbus-Radius’ umgesetzt worden. Auch habe die GL die Einstellung einer Gemeindeschwester beantragt, um die Ärzte zu entlasten. 

Grüne 

Die Einzelpraxis wird wahrscheinlich auf dem Land immer mehr zum Auslaufmodell, stimmt auch Manfred Hollstein (Grüne) Gerhard Kakalick zu. „Attraktive und flexiblere Modelle wie dies durch Gemeinschaftspraxen möglich ist, kann eine Antwort auf diese Entwicklung sein.“ Und: „Dort fängt dann unsere kommunalpolitische Aufgabe an.“ Die Politik müsse schauen, welche Möglichkeiten es gibt, um günstige Rahmenbedingungen in der Gemeinde zu schaffen. Aber Hollstein merkt an: „Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Kommunen, die die gleichen Probleme haben.“ 

Der Bürgermeister

Bei der ärztlichen Versorgung habe die Gemeinde keine Hebel, „an denen wir drehen können“, sagt Edgar Slawik. Selbst wenn die KV einem Ärztehaus zustimmen würde, sei nicht gewährleistet, dass sich auch Mediziner finden. „Ich kann nicht ins Blaue hinein ein Ärztehaus bauen.“ Man könne die Option prüfen, aber das Engagement der Gemeinde müsse zielführend sein. Nicht nur fehlende Barrierefreiheit der Praxen halte Mediziner ab, aufs Land zu gehen. Schuld seien auch die Praktiken der KV, zum Beispiel Regressforderungen für Hausbesuche. „Räumlichkeiten sind nur eine Facette des Problems.

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