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Susanne Schneider über ihr erstes Jahr als Guxhagener Bürgermeisterin

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Von: Fabian Becker

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Ein Jahr im Amt: Seit einem Jahr ist Susanne Schneider Bürgermeisterin von Guxhagen. Die Entscheidung, das Amt anzunehmen, sei die richtige gewesen.
Ein Jahr im Amt: Seit einem Jahr ist Susanne Schneider Bürgermeisterin von Guxhagen. Die Entscheidung, das Amt anzunehmen, sei die richtige gewesen. © Ruth Brosche

Susanne Schneider ist seit einem Jahr Bürgermeisterin von Guxhagen.

Guxhagen – Susanne Schneider ist seit einem Jahr Bürgermeisterin von Guxhagen. Sie spricht darüber, wie es ist, in den ersten Monaten mit zwei Krisen umgehen zu müssen und als erste Frau im Schwalm-Eder-Kreis in das Bürgermeisteramt gewählt worden zu sein:

Frau Schneider, Sie waren die erste Bürgermeisterin im Schwalm-Eder-Kreis: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihren männlichen Amtskollegen?

Sehr gut. Ich bin von den Kollegen gut aufgenommen worden. Sie waren alle hilfsbereit. Gerade im engeren Kreis der unmittelbaren Nachbarkommunen gibt es einen guten Austausch und eine gute Zusammenarbeit: Wir helfen uns gegenseitig. Da habe ich nicht gespürt, dass es eine Abwertung gibt.

Macht es einen Unterschied, dass mit Ihnen und Sina Best jetzt auch Frauen dabei sind?

Bisher haben Bürgermeister-Veranstaltungen wegen der Coronapandemie vor allem online stattgefunden, daher kann ich dazu nicht viel sagen. Ich glaube aber, dass Frauen eine etwas andere Herangehensweise haben, zum Beispiel Menschen auch mal auf einer persönlichen Ebene anzusprechen und sensibel dafür zu sein, für das, was zwischen den Zeilen gesprochen wird.

Ihr Vorgänger Edgar Slawik war 18 Jahre im Amt. Was machen Sie anders als er?

Ich beschäftige mich selbst mit jedem Anliegen, das an die Gemeinde herangetragen wird, und achte darauf, dass es an die richtige Stelle gelangt. Ich gucke auch, was meine Mitarbeiter bewegt und was sie für Anliegen haben. Ich glaube, da bin ich mehr an der Basis.

Erst Corona, jetzt der Krieg: Wie war Ihr Jahr als Krisenmanagerin?

Seit dem Frühjahr, als wir aus der Pandemie herausgekommen sind, gibt es einen kleinen Lichtblick: Das öffentliche Leben fährt hoch, es finden wieder mehr Veranstaltungen statt. Ich konnte wieder mehr Kontakt zu den Menschen aufnehmen. Doch dann kam der Krieg in der Ukraine. Wir haben mit Lieferengpässen zu kämpfen, Firmen fallen wegen Personalmangel aus.

Daher war ich immer wieder in der Vermittler- und Moderatorenrolle, um zu erklären, warum bestimmte Dinge gerade nicht gehen und warum sie geschoben werden müssen. Wenn wir Ausschreibungen machen, meldet sich teilweise keiner mehr, da müssen wir dann hinterhertelefonieren.

Sind Sie nach der Zeit immer noch gern Bürgermeisterin?

Bürgermeisterin zu werden, war die richtige Entscheidung. Ich war selbst im Ortsbeirat und fand die Zusammenarbeit mit der Gemeinde oft schleppend. Jetzt kann ich Ideen und Themen aus den Gremien und von den Guxhagenern aufnehmen und anstoßen. Das konnte ich in meinem vorherigen Beruf nicht.

Welche Themen meinen Sie da zum Beispiel?

Große Themen waren der Glasfaserausbau und die Digitalisierung durch eine Zusammenarbeit mit Körle und Edermünde, um das Online-Zugangsgesetz umzusetzen. Damit zusammen hängen die Transparenz der Verwaltung und eine im Folgenden spürbare Verbesserung des Bürgerservice.

Für die Ortsbeiräte wurde ein eigenes Budget eingeführt. Aber auch viele kleine Dinge, die die Menschen bewegen, wie die Installation von mehr Geschwindigkeitsmesstafeln und das Hecken schneiden gehören dazu. Die Ortsbeiräte sind diesbezüglich die Ansprechpartner der Guxhagener, mit ihnen ist mir eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe wichtig.

Was ist anders gelaufen, als Sie sich das vorgestellt haben?

Für mich war es sehr schwierig, dass wir uns noch in der Pandemie befunden haben. Dadurch gab es wenig Veranstaltungen, zu denen ich gehen konnte. Es gab fast nur über die Ortsbeiräte Kontakt zu den Menschen, daher konnte ich nur wenig direkt mit ihnen sprechen.

Außerdem waren einige Altlasten aufzuarbeiten, Beschlüsse, die seit 2019 hätten umgesetzt werden müssen, und viel was Personalführung betrifft: Ich habe zum Beispiel im Freibad eine Sicherheitsprüfung veranlasst, bei der herauskam, dass wir in der Wasseraufsicht nachlegen müssen. Und wir müssen wegen des demografischen Wandels jüngeres Personal einstellen. Daher wurden zum Beispiel im Bauhof zwei neue Stellen geschaffen. Gleiches gilt auch für die Kindertagesstätten: Wir setzen nun das Gute-Kita-Gesetz um, dazu werden wir zwei neue Fachkräfte einstellen.

Welche Ziele konnten Sie noch nicht umsetzen?

Das sind vor allem Themen, die einen längeren Vorlauf brauchen. Da ist zum Beispiel der Mehrgenerationenspielplatz, für den wir derzeit nach geeigneten Flächen suchen. Bis dahin gibt es kleine Projekte in den Ortsteilen, um die Spielplätze aufzuwerten und teilweise neuzugestalten. Im Frühjahr haben wir mit dem Spielplatz Tunnelstraße begonnen und gemeinsam mit den Anwohnern eine Gestaltungsmöglichkeit entwickelt.

Weitere große Themen an denen wir arbeiten sind der Kunstrasenplatz und der Ausbau der Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Für mehr Bauland liegt bereits ein erster Plan für den Gänsegarten III vor, es sind aber noch Gespräche mit dem Kreis und der Regionalentwicklung nötig. Weiteres Ziel ist, die Ergebnisse der damaligen Bürgerbefragung in konkrete Maßnahmen zu formulieren, um kleine Projekte zu schaffen, die wir gemeinsam mit Guxhagenern angehen wollen. Dazu gehört auch die Ortskernentwicklung. Außerdem wollen wir das Rad- und Fußwegenetz verbessern, genauso wie unsere Öffentlichkeitsarbeit, um unsere Arbeit transparenter zu machen.

Macht sich Ihre neue Arbeit auch privat bemerkbar?

Mit dem Fall der Maskenpflicht werde ich beim Einkaufen und, wenn ich mit der Familie unterwegs bin, häufiger erkannt und auf Themen angesprochen. Das ist auch gut so und oft freundlich. Dafür bin ich da.

Wie gehen Sie mit den Erkenntnissen aus Ihrem ersten Jahr an den Rest Ihrer Amtszeit heran?

Mir wurde zwischendurch gesagt, ich hätte ein zu hohes Tempo und müsste nicht alles im ersten Jahr schaffen. Ich möchte zwar ein straffes Tempo beibehalten, mich aber auch nicht selbst überholen. Problematisch ist dabei manchmal, dass ich zu viel auf einmal will.

Susanne Schneider ist seit einem Jahr Guxhagens Bürgermeisterin.
Susanne Schneider ist seit einem Jahr Guxhagens Bürgermeisterin. © Carolin Hartung

Zur Person

Susanne Schneider (40) arbeitete seit ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation bei der Stadt Kassel. Bis zu ihrem Amtsantritt als Bürgermeisterin von Guxhagen im Mai 2021 war sie beim Kasseler Ordnungsamt tätig. Schneider wohnt mit ihrem Ehemann Harry und den beiden Kindern Henry und Elly in Guxhagen. In ihrer Freizeit wandert Schneider gern mit ihrer Familie in der Region. Das Foto zeigt sie vor dem Guxhagener Rathaus auf der Bank mit dem Wappen der Gemeinde.

(Fabian Becker)

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