Bild des Grauens

Tiere bissen sich Augen aus: Tierschützer retten 27 Meerschweinchen aus „fürchterlichen“ Verhältnissen

Meerschweinchen
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Meerschweinchen in einem furchtbaren Zustand fanden Tierschützer aus Guxhagen vor.

Ein Bild des Grauens bot sich jetzt Tierschützerin Antje Boege-Proll von der Guxhagener Katzenhilfe. Sie holte 27 Meerschweinchen aus einer Zucht in Dörnhagen.

Guxhagen/Fuldabrück – „Es war eine Katastrophe“, berichtet Boege-Proll. Die Tiere waren in einer Scheune ohne Fenster auf engstem Raum eingepfercht, hatten Milben, Pilze und Bisswunden. Mehrere Tiere sind blind. Ihnen wurden von ihren Artgenossen die Augen ausgebissen. Ein Meerschweinchen überlebte seine starken Verletzungen nicht. Die anderen werden nun aufgepäppelt.

Die Tochter des Züchters hatte die Guxhagener Katzenhilfe angerufen, da dieser ins Krankenhaus gekommen war und sich nicht mehr um die Tiere „kümmern“ konnte, berichtet Boege-Proll. Der Anblick vor Ort sei einfach nur fürchterlich gewesen. „Ich musste sogar weinen“, sagt die Tierschützerin aus Büchenwerra.

27 Meerschweinchen, darunter Weibchen, unkastrierte Böcke, Geschwister- und Elterntiere – alle hausten zusammen in einer Scheune ohne Tageslicht inmitten eines beißenden Ammoniakgestanks. „Ich dachte wirklich, ich komme in eine Gruft.“

Züchter ließ Meerschweinchen verwahrlosen: Die geretteten Weibchen sind alle trächtig

Als durch die geöffnete Tür Licht in die Scheune schien, seien die Tiere das Gitter vor lauter Schreck hochgesprungen. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, berichtet Boege-Proll. Der Zustand der Tiere macht der Tierschützerin immer noch zu schaffen. „Wie man Tieren so etwas antun kann, ich kann es einfach nicht verstehen. Sie spüren Schmerzen genau wie wir Menschen auch.“

Die unkastrierten Böcke waren aufeinander losgegangen, hatte sich schwerwiegende Bisswunden zugefügt und dauerhaft die Weibchen bestiegen – die Meerschweinchen standen unter dauerhaftem Stress. Die Tiere folgten dabei lediglich ihrem Instinkt, Nachwuchs zu produzieren, erklärt Boege-Proll.

Unkastrierte Böcke könne man keinesfalls zusammenhalten, erst recht nicht mit Weibchen. Die geretteten Weibchen seien alle trächtig. Um die Häfte der geretteten Tiere kümmert sich der Tierschutzverein Höxter. Die anderen päppelt jetzt Boege-Proll in Büchenwerra auf.

Nach Rettung aus Horror-Zucht: Tierarzt und Freunde unterstützen die Tierschützer

Tierärztliche Unterstützung bekommt die dabei von Dr. Sebastian Hahne von der Tierarztpraxis in Dörnhagen. Er unterstütze den Verein regelmäßig. Freunde und ihr Ehemann haben einen Stall mit Freilauf für die Meerschweinchen gebaut. „Ich bin so dankbar“, sagt sie. Auch hätten Bekannte Käfige zum Separieren der Männchen gebracht – die Hilfsbereitschaft nach einem Aufruf über WhatsApp sei enorm groß.

Die Meerschweinchen bekämen nun alles, was sie brauchen: Gemüse wie Fenchel, Rote Beete sowie Kräuter und Heu und Sonnenlicht. „Ich gewöhne sie langsam daran“, sagt die Tierschützerin. Zwei der Tiere würden jetzt sogar schon quieken, wenn sie ihnen die Hand entgegenstreckt. „Das ist so schön.“

Die vier Tiere, denen die Augen ausgebissen wurden, behält Boege-Proll selbst. Die restlichen Tiere können, wenn sie fit genug sind, abgegeben werden. Drei Jungtiere sind sogar direkt zur Abgabe bereit. „Aber es werden noch weitere folgen.“ Schließlich sind die Weibchen trächtig.

Kontakt: Guxhagener Katzenhilfe, Auf dem Loh 11, Guxhagen, 05665/2994; Spenden können auf das Vereins- und Spendenkonto Kreissparkasse Schwalm- Eder IBAN Nr. DE40 5205 2154 0042 0011 15 eingezahlt werden. (Carolin Hartung)

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