Eigentümer weist Vorwürfe zurück 

Hausvermietung in Lohre sorgte für Ärger: Mieter beklagten unzumutbare Zustände 

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Das Haus in Lohre: Dort wurden vorübergehend an Leiharbeiter aus Polen untergebracht. Die beschwerten sich über die angeblich menschenunwürdigen Wohnverhältnisse. Inzwischen sind die Leiharbeiter ausgezogen, das Haus wird nach Auskunft des Eigentümers jetzt an Monteure vermietet.

Lohre. In vielen Dörfern im Landkreis stehen alte Fachwerkhäuser leer. Nicht nur der Leerstand an sich ist ein Problem – auch wenn die Häuser wieder genutzt werden, sorgt das häufig für Ärger. 

Die Unterbringung von polnischen Leiharbeitern in einem Haus in Lohre hat in den vergangenen Wochen für Ärger gesorgt.

Die Polen hatten gegenüber Dorfbewohnern beklagt, dass die Wohnverhältnisse in dem Haus sehr schlecht seien. Einige Lohrer wandten sich daraufhin an die Presse. Kurz bevor im Juli ein Treffen der HNA mit den polnischen Leiharbeitern stattfinden sollte, reisten die Polen jedoch überraschend ab. Wir haben nachgefragt, wie es zu dem Streit um die Unterbringung kam, und wie es mit dem Haus weitergeht.

Die Leiharbeiter aus Polen waren bei der Geflügelschlachterei Plukon in Gudensberg beschäftigt. Eine Dresdner Leiharbeitsfirma hatte die zehn Arbeiter an Plukon vermittelt und auch die Unterkunft in Lohre organisiert. Einige Bewohner des Felsberger Stadtteils, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchten, schildern das Geschehen so: Als Anfang Juni die zehn Leiharbeiter aus Polen das Haus an der Gudensberger Straße in Lohre bezogen, führte das zu Ärger bei den Nachbarn. Die Polen hätten bis spät abends vor dem Haus gesessen, Lärm gemacht und auf die Straße uriniert.

Als einige Lohrer das Gespräch mit den Polen suchten, beklagten diese die Art der Unterbringung und zeigten die Räume, in denen sie wohnten. „Es gab nur ein Bad für alle“, erzählen die Dorfbewohner.

Da sei es kein Wunder, dass die Polen ihre Notdurft auf der Straße verrichtet hätten. Das Haus sei verdreckt gewesen, es habe gestunken. Auch an Privatsphäre habe es gemangelt, da die Schlafzimmer zum Teil Durchgangszimmer waren. Insbesondere aus Sicht der Frauen sei das problematisch gewesen. Die Leiharbeiter hätten berichtet, dass man ihnen in Polen Fotos von der Unterkunft gezeigt hätte, auf denen die Räume wie neu renoviert aussahen. „Die Polen waren so verzweifelt, die wollten unbedingt da raus“, erzählt eine Frau aus Lohre.

„Einer der Männer hat gesagt, in so einem Loch habe er noch nie gewohnt.“ Fünf der Leiharbeiter seien wegen der Zustände in dem Haus schon nach einer Woche wieder abgereist, dafür seien kurz darauf fünf neue Leiharbeiter in das Haus eingezogen, berichten die Dorfbewohner. Im Namen der polnischen Leiharbeiter verfassten einige Dorfbewohner einen Beschwerdebrief, den sie an das Gesundheitsamt, den Mieterbund und das Bauaufsichtsamt schickten – ohne Erfolg. In dem Brief heißt es: „Wir zahlen im Monat 300 Euro pro Person für solche unmenschlichen Zustände.“ Es sei traurig, dass sich keiner für diese Sache zuständig fühle, sagen die Lohrer. Die Leiharbeitsfirma wollte sich auf HNA-Anfrage nicht zu der Angelegenheit äußern. 

Ganz anders schildert der Hauseigentümer, der ebenfalls anonym bleiben möchte, die Umstände. Er berichtet, dass er nach dem Einzug der Polen von Dorfbewohnern massiv beschimpft worden sei und vermutet, dass es diesen nun darum gehe, ihn zu schädigen. Er habe die Räume in sauberem Zustand an die Mieter übergeben – nach wenigen Tagen seien das Haus aber verdreckt und vermüllt gewesen. Laut Vertrag hätten die Hausbewohner selbst putzen sollen. Da das nicht funktionierte, habe er dann eine Putzfrau vorbeigeschickt. Das Haus habe er im Mai dieses Jahres gekauft. Die Leiharbeitsfirma habe sich sehr kurzfristig gemeldet, um das Haus anzumieten: Von der Anfrage bis zum Einzug sei ihm nur eine Woche geblieben, sagt der Eigentümer. Für aufwendige Renovierungsarbeiten sei da keine Zeit mehr gewesen – er konnte nur noch die alten Möbel aus dem Haus räumen, putzen und die Zimmer neu möblieren. Hohen Wohnstandard biete das Haus zwar nicht, räumt der Eigentümer ein, aber dafür sei die Miete niedrig. Die Leiharbeitsfirma habe vor allem nach einer günstigen Unterkunft gesucht. Er vermiete im Raum Felsberg weitere Wohnungen mit höherem Standard. Für die Unterbringung von zehn Mitarbeitern hätte die Leiharbeitsfirma dann aber 200 Euro pro Tag zahlen müssen. Das sei zu teuer gewesen, da die Leiharbeitsfirma die Mietkosten auf die Arbeiter umlege. „Die Betten waren frisch bezogen, es war Wechselwäsche vorhanden“, sagt er. Auch eine Waschmaschine hätten die Hausbewohner zur Verfügung gehabt. „Ich bin auf die Wünsche der Bewohner eingegangen, habe zum Beispiel eine neue Mikrowelle angeschafft“, erzählt er. Außerdem sei mit der Firma vereinbart gewesen, im Keller des Hauses ein zweites Badezimmer einzurichten. Die Leiharbeitsfirma habe mit ihm einen Mietvertrag bis Ende des Jahres abgeschlossen und wollte das Haus sogar für mehrere Jahre anmieten, sagt der Eigentümer. Dann aber habe Plukon den Vertrag mit der Leiharbeitsfirma gekündigt. Der Hauseigentümer hat den Mietvertrag mit der Leiharbeitsfirma inzwischen aufgelöst und einen neuen Vertrag mit einer anderen Firma geschlossen, die in dem Haus Monteure unterbringen möchte. Fünf Monteure wohnen nach Auskunft des Hauseigentümers derzeit in dem Gebäude. Es sei nach wie vor geplant, langfristig ein zweites Bad im Haus einzubauen, sagt der Eigentümer.

Das sagt die Bauaufsicht 

Das Bauaufsichtsamt ist bei der Kreisverwaltung in Homberg angesiedelt. Die dortige Pressestelle bestätigt, dass der Bauaufsicht eine Beschwerde über die Unterbringung in Lohre vorliege. Eine örtliche Überprüfung habe stattgefunden. Demnach erfüllt das Haus die Mindestanforderungen an eine Wohnung laut Hessischer Bauordnung: Eine Küche sowie ein Bad sind vorhanden. Wie viele Personen sich in den Räumen aufhalten dürfen, regele die Bauordnung allerdings nicht. Sprich: Es verstößt nicht gegen die Bauordnung, wenn sich zehn Menschen ein Badezimmer teilen müssen. „Baurechtlich gesehen ist eine Vermietungsnutzung anders zu beurteilen als eine reine Wohnnutzung“, teilt die Pressestelle weiter mit. Zurzeit werde geprüft, ob eine Genehmigung für die Nutzungsänderung erforderlich ist. Diese wäre dann möglicherweise mit Auflagen verbunden.

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