Hochwasserschäden wegen Corona: Renaturierung des Schwarzenbachs in Wollrode verzögert sich wohl deutlich

Natürliches Bett: Bis kurz vor der Ortslage von Wollrode können sich bei starkem Regen die Wassermassen noch gefahrlos ausbreiten.

Wegen der Coronakrise könnte sich die Renaturierung des Schwarzbachs verzögern. Das könnte bedeuten, dass es zu schweren Hochwasserschäden kommt. Dies ist in der Vergangenheit bereits geschehen.W

Ein Anrainer erinnert sich: Der Junge Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, wohnt oben im Dorf. Und er hat noch Fotos von der unbändigen Flut auf seinem Smartphone, die am 21. Mai vergangenen Jahres auch sein Grundstück heimsuchte. Der Schwarzenbach habe damals seinen Zaun weggerissen, berichtet er. Auch in der eng bebauten Ortslage kam es zu Überschwemmungen, als das Wasser aus Schächten und Rohren nach oben drückte und unter anderem die Fahrbahn der Bachstraße beschädigte.

Die Renaturierung des Schwarzenbachs soll nun unter anderem den Hochwasserschutz verbessern. Doch wegen der Corona-Krise wird aus diesem aktuellen Projekt dieses Jahr womöglich nichts mehr.

Vergangenes Jahr hatte die Gemeinde schon 95 000 Euro für die Vorplanung der Renaturierung auf einem 600 Meter langen Abschnitt bereitgestellt. Diese Vorarbeiten seien von einem Ingenieurbüro schon erledigt worden, teilte Bauamtsleiter Steffen Tasler auf Anfrage mit. Doch es hakt bei den Zuschüssen: Aus Fördertopfen erwartet die Gemeinde einen Zuschuss von 75 Prozent der insgesamt veranschlagten Kosten von rund 1,8 Millionen Euro.

Doch da hakt es: Bereits vor zig Wochen habe die Verwaltung alle Antragsunterlagen an das Regierungspräsidium Kassel geschickt, berichtet Bürgermeister Edgar Slawik. Vor Kurzem habe die Behörde diese Unterlagen aber erneut angefordert. Er habe gehört, dass die ursprünglich zuständige Sachbearbeiterin beim RP zur Bewältigung der Coronakrise abgeordnet worden sei, sagt Tasler. Ohne Bewilligungsbescheid dürfe man aber mit den Arbeiten nicht beginnen. Tasler glaubt nicht so recht daran, dass es damit dieses Jahr noch etwas wird.

Da bleibt zu hoffen, dass es dieses Jahr nicht erneut zu einem heftigen Starkregenereignis in der Söhre kommt. Das Problem: Der oberhalb des Dorfes in seinem natürlichen Bett verlaufende Bach wird in Höhe eines landwirtschaftlichen Hofs in ein unterirdisches Kasten- und Rohrsystem gezwängt, dass unter der Bachstraße verläuft.

Dort kann es bei Starkregen zu Rückstaus kommen - wie vergangenes Frühjahr geschehen. Im Rahmen der Renaturierung soll auch die Kanäle, die beschädigte Fahrbahn der Bachstraße und marode Hausanschlüsse erneuert werden. Der Schwarzenbach solle in der Ortslage ein offenes Bett erhalten. Auch wenn es da „Nadelöhre“ geben werde, wo sich dann später keine zwei Autos auf der Straße mehr begegnen können, sagt Steffen Tasler. Daneben sei man mit einem Landwirt, der im Bereich der Einmündung des Bachs in das unterirdische System Felder hat, im Gespräch darüber, wie dort dem Gewässer mehr Raum gegeben werden kann.

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