Schiedsfrau Anja Michaela Gaußmann regelt Streitigkeiten außergerichtlich

Hundertprozentiger Erfolg

Laptop und Gesetzbücher sind immer dabei: Schiedsfrau Anja Michaela Gaußmann in ihrem Sprechzimmer im Rathaus-Sitzungssaal. Foto:  Müller-Neumann

Spangenberg. Als Frau und dazu als noch so junge war sie eine Exotin. Die 34-jährige Anja Michaela Gaußmann ist seit August 2008 Schiedsfrau in Spangenberg. Seit Monaten wird für sie ein Stellvertreter gesucht, denn der bisherige Amtsinhaber Walter Hollstein überschreitet zum Monatsende die Altersgrenze.

Ein ausgleichendes Wesen muss der neue Kandidat haben und außerdem verschwiegen sein. Das Schiedsamt unterliegt der ständigen Kontrolle des Direktors des Melsunger Amtsgerichts.

Georg Bauer kann mit seiner ehrenamtlichen Mitarbeiterin in Spangenberg durchaus zufrieden sein. Denn die hat bisher alle Schlichtungsversuche zu einer Einigung geführt: hundert Prozent Erfolgsquote. Das kann sich sehen lassen, und Anja Michaela Gaußmann ist zu recht stolz auf ihre gelungene Arbeit als Vermittlerin. Diese macht die Bürokauffrau, die schon im Berufsleben stand, als sie das Abitur nachholte, nach Feierabend. Jura und Psychologie waren schon als 13-Jährige ihr Steckenpferd. Inzwischen ist noch Rhetorik hinzugekommen „und alles, was Stiftung Warentest schreibt“. Ihre Ziele: Die Lizenz als Beraterin in Vertragsangelegenheiten und bei Schulden und „eine politische Heimat finden“. So ganz nebenbei ist die engagierte 34-Jährige Hauptfeuerwehrfrau in Vockerode.

Früher eine Männerdomäne

180 Jahre ist es her, als die ersten Schiedsleute, damals natürlich nur Männer, vereidigt wurden. Heute nennt man das Mediation, was damals schlicht „Schlichten“ hieß.

Ein Schlichtungsversuch ist im Schiedsamt

• schnell bearbeitet (auch außerhalb der sonst üblichen Arbeitszeit und spart dadurch Zeit und Nerven)

• kostengünstig (durchschnittlich 50 Euro, im günstigsten Fall 28 Euro)

• und „führt mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, dass der Frieden von Dauer ist, da die Parteien an dem Resultat selber mitarbeiten können“, erläutert die Spangenberger Schiedsfrau.

Die versteht ihre Arbeit auch als Entlastung der Richter. In strafrechtlichen Privatklageverfahren, aber auch in Zivilsachen werde die Justiz erheblich entlastet.

Pflicht vor Gerichtsverfahren

Das Schiedsamt ist bei bestimmten Privatklagedelikten und auch in manchen Zivilsachen dem Gerichtsverfahren zwingend vorgeschaltet. Das bedeutet, dass bei

• Beleidigung

• Körperverletzung

• Sachbeschädigung

• Hausfriedensbruch

• Bedrohung

• Verletzung des Briefgeheimnisses

• in Zivilsachen sowie

• in den meisten nachbarrechtlichen Streitigkeiten zunächst ein Schlichtungsversuch unternommen werden muss. (red)

Kontakt: Anja Michaela Gaußmann,Vockerode-Dinkelberg, Tel. 05663/ 939548 (nach 17 Uhr). weitere Artikel

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