Corona-Impfung

Impfung für Kinder empfohlen: Verband der Kinder- und Jugendärzte folgt Stiko-Empfehlung

Stiko-Empfehlung für Kinderimpfung: Viele Eltern haben Fragen zur Impfung von Kindern und Jugendlichen. Der Verband der Kinder- und Jugendärzte beantwortet Fragen zum Thema. In unserem Symbolbild wird ein Kind geimpft.
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Stiko-Empfehlung für Kinderimpfung: Viele Eltern haben Fragen zur Impfung von Kindern und Jugendlichen. Der Verband der Kinder- und Jugendärzte beantwortet Fragen zum Thema. In unserem Symbolbild wird ein Kind geimpft.

Sollten Eltern ihre Kinder gegen das Corona-Virus impfen lassen? Wir haben eine Expertin gesprochen.

Schwalm-Eder – Die Inzidenzen in der Altersklasse der 5- bis 14-Jährigen sind die höchsten in Deutschland. Im Schwalm-Eder-Kreis lag sie am Montag laut Robert-Koch-Institut bei 404.

Gerade hat die Ständige Impfkommission (Stiko) die Empfehlung zur Impfung von Kindern in dieser Altersklasse ausgesprochen. Der Landkreis steht diesbezüglich nach eigener Aussage in Kontakt mit den Kinder- und Jugendärzten.

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission gilt vornehmlich für Kinder mit Vorerkrankungen. Auf Elternwunsch können auch gesunde Kinder geimpft werden.

Wir haben mit Barbara Mühlfeld, Sprecherin des Landesverbands Hessen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte gesprochen.

Spricht sich der Landesverband der Kinder- und Jugendärzte für eine Impfung aus?
Kinder mit schweren Vorerkrankungen wie Krebs, Diabetes, Herzfehlern oder Autoimmunerkrankungen sind durch eine Covid-19-Erkrankung stärker gefährdet. Sie sollten geimpft werden. Auch alle anderen Kinder können geimpft werden, die Abwägung über die Notwendigkeit ist dann eine andere. Die Impfung ist aber rechtssicher. Die öffentliche Hand würde haften.
Ist die Impfung aus Ihrer Sicht sicher?
Die Stiko ist vorsichtig beim Bewerten. Es gilt immer darum, das Risiko einer Erkrankung der Einzelperson und das Risiko durch die Impfung für die Einzelperson abzuwägen. Die Stiko nutzt dazu ausschließlich gesicherte Daten. Daher kommt es uns vielleicht so vor, als würde sie langsam arbeiten.
Aber die Stiko hat jetzt eine Empfehlung gegeben.
Ja, hat sie und sie hat sich von der Politik nicht unter Druck setzen lassen. Viele Eltern waren nervös und wollten die Freigabe auch. Aber es ist nicht Aufgabe der Stiko, die Eltern zu beruhigen, sondern ihre Aufgabe zu erfüllen.
Kinder haben meist milde Verläufe, was ist mit Eltern, die ihre Kinder aus Gründen der sozialen Teilhabe impfen lassen?
Eltern brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben. Sowohl die soziale Teilhabe als auch die Ausbreitung der Infektion verhindern zu wollen, sind nachvollziehbare Gründe für eine Impfung, die aus unserer Sicht mit der Stiko-Empfehlung auch sicher ist.
Aber sind es auch sinnvolle Gründe?
Wir bedauern, dass die Eltern in diese Situation der Abwägung kommen, beziehungsweise gekommen sind. Wären alle Erwachsenen geimpft, hätten wir als Gesellschaft unsere Hausaufgaben gemacht, würden unsere Kinder nicht als Gefährder wahrgenommen. Der Druck der Eltern wäre viel geringer.
Viele Eltern wollen ihre Kinder impfen. Worauf sollten sie achten?
Wir empfehlen auf jeden Fall die Impfung beim Kinder- und Jugendarzt. Idealerweise gibt es im Schwalm-Eder-Kreise viele Impfangebote bei Kinderärzten.
Eltern sollten ihre Kinder also nicht zu Terminen mobiler Teams nehmen?
Nein, das ist kein adäquates Umfeld für die Impfung eines Kindes. Das Aufklärungsgespräch sollte unbedingt wahrgenommen werden und der Arzt sollte das Kind auch kennen. Wir raten daher auch nicht zu Massenimpfungen an Schulen oder ähnliches.
Im Landkreis fehlen aber Kinder- und Jugendärzte. Die Versorgung liegt nur bei etwa 50 Prozent. Was raten Sie Eltern?
Wir kennen die schwierige Situation im Schwalm-Eder-Kreis und bedauern sie sehr. Das ist aber ein grundsätzliches Problem von ungeheurem Übel. Die Kinder sollten dann vom Hausarzt der Familie geimpft werden. Der kennt die Kinder in der Regel dann auch. Die aktuell niedergelassenen Kinderärzte werden die Impfungen wohl nicht leisten können.
Ob Hausarzt oder Kinder- und Jugendarzt macht dann keinen Unterschied?
Wir haben in der Ärzteausbildung ein strukturelles Problem. Sie können Allgemeinmediziner werden und während ihres Studiums nie ein Kind untersucht haben. Das bedauern wir sehr. Schon im Studium muss die Kinderheilkunde stärker in den Vordergrund gestellt werden. Es sollten verpflichtende Praktika eingeführt werden und in der Weiterbildung auch die ambulante Pädiatrie verankert werden.
Sie machen sich aber stark für eine autonome Kinderheilkunde?
Unbedingt, es gibt Länder, in denen wurde erwogen, die Kinderheilkunde abzuschaffen. Es hat sich aber gezeigt, dass die Versorgung und Betreuung der Kinder dort einen Schritt zurückgemacht hat. Kinder sind ohne Primärärzte schlechter versorgt. Dennoch sollen wir unsere Allgemeinmediziner besser ausbilden. Viele wollen das auch, es fehlt ihnen aber an den Möglichkeiten.
Worauf sollten Eltern noch achten?
Kinder bis 12 Jahre bekommen nur ein Drittel des Impfstoffs. Immer wieder hört man von Off-Label-Impfungen, das bedeutet, den Kindern wird eine entsprechend verdünnte Menge des Impfstoffs für Erwachsene gespritzt. Davon raten wir aber ab. Es ist nicht gewährleistet, dass auch wirklich die richtige Wirkstoffmenge verabreicht wird und es besteht auch keine Haftung durch die öffentliche Hand. Eltern sollten also bei ihrem Arzt warten, bis der Impfstoff für Kinder verfügbar ist.
Viele Eltern haben es aber eilig und es gibt Lieferengpässe.
Das ist in der Tat sehr ärgerlich. Vor allem können wir deshalb aktuell nur etwa halb so viele Kinder impfen, wie möglich. Denn die Ärzte müssen den Impfstoff für die 2. Dosis zurückhalten. Wir können ja nicht wissen, ob es zum Termin der Zweitimpfung genügend Impfstoff gibt. Ich kann daher nur an alle Eltern und die Mitarbeiter in den Praxen im Schwalm-Eder-Kreis appellieren, freundlich zu bleiben und abzuwarten.
Daran ändert auch die Omikron-Variante nichts?
Das Risiko einer Erkrankung und möglicher Verläufe kennen wir noch nicht gut genug. Es liegen zu wenige belastbare Daten vor. Eine zwingende Empfehlung zum Impfen lässt sich daraus jedenfalls nicht ableiten.

(Damai D. Dewert)

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