Jäger im Schwalm-Eder-Kreis sind sauer über neue Verordnung

Kritik an neuer Jagdverordnung: Die Jagdvereine im Schwalm-Eder-Kreis sind unzufrieden. Foto: Patrick Pleul/Archiv

Schwalm-Eder. Jäger im Landkreis machen mobil gegen eine geplante Jagdverordnung des Landes Hessen.

Der aktuelle Entwurf des Umweltministeriums höhle das hessische Jagdgesetz aus, provoziere Wildschäden und sei insbesondere für bedrohte Arten katastrophal, kritisierte seitens der Kreisjagdvereine Hubertus Melsungen, Fritzlar-Homberg und Ziegenhain Ullrich Goetjes, der Vorsitzende der Melsunger Jäger.

Alle drei Kreisvereine beteiligen sich am 26. September an einer Demonstration in Wiesbaden.

Während die Jagdzeit laut Goetjes für Rehe, Hirsche und Wildschweine ausgeweitet wurde, sehe der Entwurf für Füchse, Rabenkrähen und Elstern bundesweit die kürzesten Zeiten vor. Wegen der Tollwutimpfung habe sich der Fuchsbestand in Hessen in 30 Jahren auf rund 150.000 Tiere verfünffacht. Das führe zur Ausbreitung von Räude, Staupe und Fuchsbandwurm. Rabenvögel hätten ein leichtes Spiel, die Nester von Singvögeln zu plündern. Zugleich sei ein gravierender Anstieg der Schäden in der Landwirtschaft zu erwarten.

Nicht nachvollziehbar ist für die Jagdvereine laut Goetjes, dass die Jagdzeit für Graugänse ganz gestrichen werden soll. Der Vorsitzende des Kreisjagdvereins Melsungen verweist auf die Niederlande, wo sich nach einem Jagdverbot eine Gänseplage entwickelt habe und 400 000 Tiere in mobilen Gaskammern getötet werden mussten.

Als Schritt in die richtige Richtung wertet hingegen Mark Harthun, stellvertretender Landesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) Hessen, den Entwurf. In der Praxis nicht bejagte Tiere wie Fischotter, Luchs und Wildkatze müssten ebenso vom Jagdrecht ausgenommen werden wie jene auf der roten Liste für bedrohte Arten. Auch das Jagdverbot für Graugänse begrüßt er: In Hessen gebe es weniger Wasserflächen als in den Niederlanden, und dadurch auch nur knapp 700 Brutpaare.

Die Grundlagen des Jagdrechts sind im Bundesjagdgesetz (BJagdG) festgelegt. Einzelheiten regeln die Landesjagdgesetze sowie Verordnungen. Eine solche legt auch die Änderungen fest, gegen die Jäger in Hessen jetzt demonstrieren. Anders als bei einem Gesetz bedarf eine Verordnung nicht der Zustimmung des Parlaments. In Deutschland herrscht Jagdpflicht. Grundsätzlich steht das Jagdrecht dem Grundstückseigentümer zu. Die Eigentümer aller Grundstücke unter 75 Hektar sind Pflichtmitglieder einer Jagdgenossenschaft. Sie verpachtet das Jagdrecht in der Regel weiter. Eine Befreiung von der Jagdpflicht ist nach neuester Rechtsprechung möglich. Es gelten aber hohe Hürden.

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