Justus Riemenschneider begeistert mit "Philoso-Vieles" im Schwarzenberg-Theater

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Neues Programm: Bernd Köhler alias Justus Riemenschneider präsentiert im Schwarzenberg-Theater sein neues Programm "Philoso-vieles".

Schwarzenberg. Friedrich Nietzsche schrieb in seinen "Unzeitgemäßen Betrachtungen": "Ich mache mir aus einem Philosophen gerade soviel, als er imstande ist, ein Beispiel zu geben."

In seinem neuen Programm "Philoso-Vieles" gibt der Melsunger Kabarettist Bernd Köhler alias Justus Riemenschneider ungezählte Beispiele dafür, dass die nordhessische Kultur eng mit dem antiken Denken als Ursprung der europäischen Philosophie verbunden ist.

Grundlage der riemenschneiderschen Philosophie ist das Fresko von Raffael "Die Schule von Athen". Das ursprünglich für die Privaträume von Papst Julius II. im 16. Jahrhundert geschaffene Bild verweist auf die Denkschule des antiken Griechenlands, in dessen Zentrum Platon und Aristoteles stehen.

Ahle Wurscht als Götterspeise 

Julius Riemenschneider sind diese Philosophen nicht heilig. Bissig kommentiert er im Dialog mit Xanthippe, der Frau des Sokrates (alias Julia Dernbach) philosophische Grundwerte der alten Griechen bis hin zur Politik und dem Einfluss des heutigen Griechenlands. Der negative Einfluss der Griechen auf die nordhessische Kultur zeige sich auch darin, dass "das Gyros ins Weckewerk eingeschlagen" habe.

Schwerpunkt des zweistündigen Programms war die Dokumentation nordhessischen Tuns und Sagens. Kaum ein für die Nordhessen wichtiger kultureller Aspekt wurde ausgelassen: die "Ahle Wurscht" als "der Nordhessen liebste Götterspeise" wurde ebenso thematisiert wie der Struktur - und Siedlungswandel in hessischen Dörfern ("vom Bauernhof zum Autohof"). Auch Kassel hatte seinen Auftritt als "Multi-Kulti-Provinzmetropole", die "nur ein zentrumsnahes Areal ohne Leerstand" aufweisen könne, "den Hauptfriedhof".

Das einzigartige Seelenleben der Nordhessen wurde von Julius Riemenschneider in einem breiten Entwicklungszusammenhang gestellt. Prägung durch die Mittelgebirgslandschaft, "ähnlich wie bei den Paschtunen", Entwicklung einer eigenen Sprache ("sprachliche Sonderstellung auf dem Globus der Weltsprachen"), mit der man sogar vor der Bespitzelung durch die NSA sicher sei.

Sprachliches Genuss-System 

Deutschunterricht und Heimatkunde nahmen weiteren Raum in den riemenschneiderschen Reflexionen ein, eine Europakarte zeigt Nordhessen als Zentrum mit eigenem "sprachlichen Genuss-System".

Mitautor und Regisseur Rolf Römer ist es gelungen, einen kurzweiligen Abend zu inszenieren, hervorragend unterstützt durch Musiker Wolf Kerner und Schauspielerin Julia Dernbach (beide aus Kassel), die das Musikprogramm bestritten. Ein sehr unterhaltsamer Abend mit einem großartigen Programm, das viele "Nordhessen an sich" erfreuen wird. Grandioser Beifall für die Akteure.

Kartentelefon: 05661/53 666

Von Gert Hirchenhain

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