Seit 50 Jahren im Wassersportverein

Freizeit am Fluss: Michael Müller ist der Herr der Kanus

Michael Müller aus Melsungen in seinem Kanu auf der Fulda
+
Auf der Fulda unterwegs: Michael Müller in seinem Kayak.

Im Melsunger Land gehören Fulda und Eder zum Alltag. In einer Serie beleuchten wir das Leben am Fluss aus unterschiedlichen Perspektiven. Diesmal: Freizeit am Fluss.

Das Kanufahren ist sein Leben. Egal, ob im Wildwasser durch die Alpen oder den Grand Canyon, über den Ärmelkanal von Dover nach Calais, am Mount Everest vorbei durch das Himalaya-Gebirge oder gemütlich über die heimische Fulda – Michael Müller erkundet die Natur am liebsten mit seinem Paddelboot. „Ein Leben ohne Kanufahren kann ich mir nicht mehr vorstellen“, sagt der Melsunger.

Die Liebe zum Kanufahren hat der 59-Jährige bereits als Kind entdeckt. „Bei der Fernsehserie Lassie, ich war damals sieben oder acht Jahre alt, da gab es mal eine Episode, in der jemand einen Fluss hinunter gepaddelt ist. Das hat mich total fasziniert“, erzählt Müller. „Seitdem bin ich Mitglied im Wassersportverein in Melsungen.“

Freizeit auf der Fulda: Michael Müller reiste mit seinem Kanu um die Welt

Seit seinem 16. Lebensjahr fährt Müller zum Wildwasserpaddeln in die Alpen. Er reist mit seinem Kanu um die Welt, nimmt an Wettbewerben teil. Müller sucht immer wieder neue Herausforderungen. Mittlerweile gehe er es jedoch etwas ruhiger an: „Wildwasserpaddeln mache ich nur noch drei- bis viermal im Jahr. Alternativ bin ich zum Seekayakfahren auf dem Meer übergegangen und habe so zum Beispiel die Insel Elba umfahren“, sagt Müller.

Auch wenn es auf der Fulda längst nicht so abenteuerreich zugeht wie vor den Inseln im Mittelmeer, kehrt er immer wieder gern nach Melsungen zurück. „Diese Stadt ist mein Heimathafen, die Fulda mein Zuhause. Auch dort gibt es viel zu entdecken“, sagt er.

Müller bietet mit seinem Verein in der Region ein Wanderpaddeln an. Mit dem Auto geht es dann zum Beispiel nach Morschen, wo die Boote zu Wasser gelassen werden. Etwa drei Stunden benötigen Anfänger für die knapp 15 Kilometer lange Strecke.

Müller weiß: Geübte Paddler schaffen das auch schneller. Aber: Weil die Fulda mit einer Fließgeschwindigkeit von circa vier Stundenkilometern sowieso ein eher ruhiges Gewässer sei, könnten sich die Paddler auch Zeit nehmen, die Natur rund um die Fulda zu genießen. „Das Hektische des Alltags ist auf dem Fluss nicht mehr gegeben“, sagt Müller. Dort sei es total ruhig, Lärm nehme er fast nie wahr. Stattdessen richte er seine Aufmerksamkeit auf die Umgebung, vor allem auf Tiere und Pflanzen. „Je mehr Zeit ich mir im Kanu nehme, desto mehr kann ich genießen“, sagt er.

Freizeit auf der Fulda: Kanufahren ist eine Sportart für jedes Alter

Kanufahren sei eine entspannte Sportart, die bis ins hohe Alter betrieben werden könne. „Es gibt hier bei uns auf der Fulda einen 80-jährigen Rentner, der paddelt normalerweise jeden Tag den Fluss entlang“, erzählt Müller. „Unser ältestes Vereinsmitglied ist 91 Jahre alt.“

Damit der Kraftaufwand nicht zu hoch sei, werde normalerweise stets flussabwärts gepaddelt. In Melsungen sei das Wasser jedoch so ruhig, dass auch das Fahren flussaufwärts nur selten zum Problem werde, wie Müller erklärt. Kanufahrer seien zudem aus Sicherheitsgründen in der Regel immer mindestens zu zweit unterwegs. „Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren, dann ist es gut, wenn jemand dabei ist“, sagt Müller.

Wenn Kinder im Wassersportverein das Kanufahren erlernen, bringt Müller ihnen zunächst die Eskimorolle bei. Sollten die Anfänger auf dem Fluss kentern, können sie sich mithilfe ihres Paddels wieder in aufrechte Position hebeln. „Auf der Fulda passiert so etwas aber eher selten“, sagt der erfahrene Kanute.

Freizeit auf der Fulda: Mann fuhr in der Badewanne über den Fluss

Obwohl die Fulda in Melsungen rechtlich eine Binnenschifffahrtsstraße ist, sind dort kaum Schiffe unterwegs. „Meistens kommt mir niemand entgegen. Am Ufer stehen höchstens mal ein paar Angler“, sagt Müller.

An eine Begegnung aber erinnert er sich gut: „Vor einigen Jahren kam hier mal jemand in einer umfunktionierten Badewanne vorbei. Der kam aus Rotenburg und wollte in dem Ding bis an die Nordsee fahren. Das war wirklich eine witzige Aktion.“

Auch wenn Müller schon viele Gegenden vom Wasser aus erkundet hat, mit der Badewanne war er noch nicht unterwegs. Und auch auf der Fulda paddelt er nicht mehr regelmäßig. Wenn er sich aber in sein Boot begibt und den Fluss hinab fährt, dann hat er in jüngster Zeit immer häufiger einen tierischen Begleiter an seiner Seite. Müllers Dackel Amigo fährt ab und zu mit seinem Herrchen über den Fluss. „Er liebt das Kanufahren genau so sehr wie ich.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.