Musikalische Lesung von Peter und Hendrikje Fitz über den Komponisten Maurice Ravel

Kauz mit vielen Pyjamas

Schwieriges Musikgenie: Pianistin Sybille Briner (von links) sowie die Schauspieler Peter und Hendrikje Fitz porträtierten Ravel mit Charakterskizzen und Lebensstationen. Foto:  Kuberczyk-Stein

Spangenberg. Umschmeichelnde Klaviermusik, unterhaltsame Lesung. Im Mittelpunkt von beidem: der französische Komponist Maurice Ravel (1875 – 1937).

Unter dem Titel „Mehr als nur Bolero“ brachten die Schauspieler Peter Fitz, Tochter Hendrikje und die Schweizer Pianistin Sybille Briner am Dienstagabend im Spangenberger Schloss mit einer gelungenen Melange aus Lesung und Musik beide Seiten des Bolero-Schöpfers zu Gehör. Vorweg gesagt: Dass das schlechte Wetter eine Verlegung in den Rittersaal erzwang, tat der Atmosphäre der Veranstaltung gut.

Der erste Blick auf die Bühne – ein Bild der Kontraste. Links ein edler, schwarz glänzender Flügel, vor dem eine grazile, junge Frau auf ihren Einsatz wartet. Auf der rechten Seite ein schlichter, kantiger Holztisch, hinter dem zwei über Bücher gebeugte Vorleser warten. Auf den zweiten Blick jedoch ein durchaus stimmiges Bild, denn so edel Ravels Musik war, so hölzern, kantig, ja widerborstig war er als Privatmensch. So jedenfalls bezeugt es die als Roman verfasste Ravel-Biografie von Jean Echenoz, die der Veranstaltung als literarische Quelle diente.

Die klangvolle Musik füllte den Saal aus, die Rezitationen besaßen durch den Raumklang größere Präsenz und Nähe. Die Regie des Programms setzte auf stetigen Wechsel zwischen Musik und Erzählung.

Eine gelungene Verteilung. Genie und Kauz, schwelgen und lachen lösten einander ab. Die 90 Besucher genossen das Wechselbad. Mit großer musikalischer Präsenz, wenngleich bisweilen ein wenig hart im Anschlag, verwöhnte die junge Pianisten das Publikum mit Klangperlen wie „Jeux d’eau“ oder „Ondine“. Verträumt lehnte sich das Publikum zurück.

Freie Hand für den Raucher

In der nächsten Sequenz sorgten Vater und Tochter Fitz mit Anekdoten, skurillen Einblicken und von beiden vortrefflich pointierten Charakterskizzen wieder für Bodenhaftung und Humor: „Schick will er sein, der kleinwüchsige Ravel. Bis zu 60 Hemden und 25 Pyjamas nahm er mit auf die Reise.“

Und der Musiker? Auch hier Einblicke der besonderen Art: „Ein Stück für die rechte Hand hat er komponiert, damit er gleichzeitig mit der anderen rauchen kann.“

Ein Gewinn für das Programm war, dass auch Stücke von Ravels Konkurrenten erklangen. So zum Beispiel Claude Debussys „Ballade“. Am Ende des Abends der Höhepunkt: Ravels Meisterstück, der Bolero. Lautstarker Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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