Coronavirus

Kein Desinfektionsmittel: So sind die Schulen im Altkreis Melsungen auf den Schulstart vorbereitet

Ab Montag wird im Land Hessen der Schulbetrieb zum Teil wieder aufgenommen. Anders als zunächst beschlossen, bleiben die Grundschulen geschlossen. Die Abschlussklassen starten aber in den Unterricht.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und das Hessische Kultusministerium fordern aber, dass der Gesundheits- und Infektionsschutz für alle Beteiligten gewährleistet werden muss. Das stellt die Schulen im gesamten Landkreis vor eine besondere Herausforderung. Wir haben uns umgehört.

Drei-Burgen-Schule

Im Schwalm-Eder-Kreis werden die Schulen vom Landkreis mit den nötigen Hygienemitteln ausgestattet. Dazu gehören Seife, Papierhandtücher und Flächendesinfektionsmittel für die Raumpfleger. „Für die Schüler sowie das Lehrpersonal werden keine Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt“, sagt Schulleiter Karl-Werner Reinbold. Das bereite den Schulen Sorge. Nach Auskunft des Gesundheitsamtes sei die Ausstattung mit Händedesinfektionsmittel nicht erforderlich.

Deshalb hat sich das Kollegium der Drei-Burgen-Schule etwas einfallen lassen. Seit vergangener Woche nähen einige Kollegen des Fachbereichs Arbeitslehre in der Textilwerkstatt Gesichtsmasken. „Das machen wir für unsere Schüler“, sagt Reinbold. „Denn es ist ja sinnfrei, wenn einige der Schüler mit den Bussen zur Schule kommen. Dort tragen sie verpflichtend eine Maske, ziehen diese dann aber ab und haben Kontakt mit anderen Schülern ohne Gesichtsbekleidung. Und dann fahren sie wieder mit einem Mundschutz im Bus nach Hause.“

Deshalb gelte an der Drei-Burgen-Schule für alle eine Maskenpflicht. „Wir nähen so viele, dass sie für alle reichen“, sagt Reinbold. Damit meint er aber zunächst die 48 Schüler von insgesamt 480, die am Montag wieder mit dem Unterricht starten. „So können wir auch üben, ob der Unterricht mit Mundschutz überhaupt funktioniert“, sagt Reinbold. Eine Hauptschul- und eine Realabschlussklasse werden zunächst wieder unterrichtet. Die 48 Schüler sind aufgeteilt in sechs Klassen, je acht Schüler. Sie werden auf ihre Abschlussprüfungen, die ab dem 25. Mai starten, vorbereitet. Der Unterricht verläuft zeitversetzt, bei vier Stunden pro Tag, sagt Reinbold. Unterrichtet werden nur die Fächer Deutsch, Mathe und Englisch. Zehn Kollegen und fünf Schulleitungsmitglieder sind ab Montag im Einsatz. In den Klassenräumen ist zwischen den Schülern genügend Platz – 1,5 Meter, dafür sind Stühle und Tische auseinandergerückt. Zudem ist die Schule als „Einbahnstraße“ eingerichtet worden, sagt Reinbold. „Die Schüler kommen durch einen Eingang, gehen das eine Treppenhaus hoch in den Klassenraum und gehen durch ein anderes Treppenhaus raus aus der Schule, damit der Kontakt zwischen den Klassen vermieden wird“, sagt der Schulleiter. Auch das Lehrerzimmer ist zweigeteilt. „Die Kollegen sind vorbereitet, wir sind gespannt, wie es weitergeht“, sagt Reinbold.

Burgsitzschule

Auch die Abschlussklasse des Haupt- und Realschulzweiges der Burgsitzschule starten. Erst am Donnerstag habe man erfahren, welche Lehrer zur Risikogruppe gehören und somit bis dahin nicht wissen können, welche Lehrkräfte am Montag zur Verfügung stehen. Die Schüler werden 20 Wochenstunden und damit jeden Tag unterrichtet. Die Pausen der Gruppen werden versetzt stattfinden, sagt Strieder. Damit zum Beispiel nie eine große Menge an Schülern gleichzeitig in den Treppenhäusern unterwegs ist. In jedem Klassenzimmer seien ein Waschbecken, Seife und Papierhandtücher vorhanden. Auch Desinfektionsmittel für die Flächendesinfektion stünden dem Reinigungspersonal zur Verfügung.

Die Leiterinnen der Näh-AG hätten für alle Kinder Nase-Mund-Masken genäht, die diese ab Montag erwerben könnten, falls sie noch keine eigenen besäßen.

IGS Guxhagen

Etwa 120 Schüler der Jahrgänge 9 und 10, also die Abschlussklassen des Real- und Hauptschulzweiges, werden ab Montag wieder den Unterricht an der Integrierten Gesamtschule in Guxhagen besuchen. Normalerweise besuchen 650 Schüler die IGS. Der Unterricht findet von der ersten bis zur vierten Stunde statt. Ein umfassender Hygieneplan sei in der vergangenen Woche ausgearbeitet worden, sagt der kommissarische Schulleiter Jürgen Werner. Dazu gehört auch, dass die Schüler einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. „Am Eingang werden die Schüler direkt einen Laufzettel bekommen, auf dem ersichtlich ist, wo sie hingehen müssen“, sagt Werner. Insgesamt habe man ein Konzept erarbeitet, welches die Abläufe im Schulalltag möglichst entzerrt. So werden die Schüler beispielsweise beim Betreten der Schule am Morgen und auch in den Pausen nach Jahrgängen getrennt. So hält sich ein Jahrgang im vorderen Bereich des Schulhofes auf, der andere Jahrgang im hinteren Bereich, erklärt Werner. „Wir haben ja zum Glück viel Platz, um die Abstände einzuhalten.“ Man müsse nun sehen, inwieweit sich das Konzept in der Praxis umsetzen ließe. Sicherlich müsse auch noch mal nachgebessert werden. Eine Schwierigkeit sieht Werner beispielsweise beim Verlassen der Klassenräume. „Die Türen sind eine Engstelle. Da müssen wir sehr aufpassen, dass sich die Schüler nicht zu nahe kommen.“ Deshalb sei es eine wichtige Aufgabe der Lehrer, die Schüler immer wieder auf die Abstandsregeln hinzuweisen und sie dafür zu sensibilisieren. „Denn man vergisst es schlicht auch einfach mal.“

GSS Melsungen

An der Gesamtschule Melsungen geht der Unterricht ab Montag für 75 Schüler weiter, das sind acht Prozent der Gesamtschülerzahl: eine 9er-Hauptschulklasse und zwei 10er-Realschulklassen. „Uns ist bewusst, dass manche Eltern ihre Kinder mit Sorge zu uns schicken“, sagt Schulleiter Dr. Matthias Bohn. Für die Schule sei es „eine enorme Herausforderung“. Es werde die dreifache Menge an Räumen benötigt, um die Abstandsregeln zu wahren, und mehr als doppelt so viele Lehrer als üblich, sie müssen im Team unterrichten. Es gibt nur 20 Unterrichtsstunden pro Woche und zwar in Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch. Bohn: „Wir freuen uns, dass wir unseren Schülern die Möglichkeit geben können, ihren Schulabschluss zu machen.“

Das sagt der Landkreis:

Die vom Schwalm-Eder-Kreis veranlassten und umgesetzten Hygienemaßnahmen seien weitergehender als die vom Land Hessen, heißt es am Freitag vom Landkreis. Insbesondere die tägliche Reinigung von Handkontaktflächen mit Flächendesinfektionsmittel sei hervorzuheben, so Landrat Winfried Becker. Alle Klassenräume mit Handwaschbecken seien vom Landkreis mit Einmalseifenspendern und Einmalpapierhandtüchern ausgestattet worden, sodass die als unerlässlich geltende regelmäßige Handhygiene, auch nach Pausenzeiten, gewährleistet sei. „Das sind bei den weiterführenden Schulen insgesamt rund 1000 Klassenräume.“ Da der Unterricht zunächst nur mit einer geringen Anzahl von Schülern stattfinde, sei der Zugang zu der Handhygiene in den Klassenräumen zu 100 Prozent gewährleistet. Auch ohne Bereitstellung von Desinfektionsmittel, das vom Gesundheitsamt als nicht erforderlich eingestuft wurde. Die Beschaffung von Flächendesinfektionsmittel wurde organisiert und beauftragt. Falls dieses noch nicht in allen Schulen am Freitag eingetroffen sei, so werde es spätestens Anfang der kommenden Woche dort sein, heißt es vom Landkreis. Aktuell befinde sich eine aufgegebene Bestellung im Zulauf. Die Lieferung werde zu Beginn der kommenden Woche erwartet und dann umgehend über ein bereits organisiertes Verteilsystem an die einzelnen Schulstandorte ausgeliefert. Durch bundesweite Lieferengpässe sei die Auslieferung leider nicht früher möglich.

 

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