Im Sommer ist Schluss: 

Heiner Gerhold gibt nach 18 Jahren die Tankstelle in Körle ab – Neuer Pächter wird gesucht

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Gibt zum Juli dieses Jahres die Q1-Tankstelle ab: Heiner Gerhold betreibt seit 18 Jahren die Tankstelle mit Werkstatt an der Nürnberger Straße.

Als Heiner Gerhold vor 18 Jahren die Tankstelle in Körle übernahm, war das für ihn ein großer Schritt – der Schritt in die Selbstständigkeit. Bereut habe er es nie, ganz im Gegenteil, sagt er heute rückblickend:

„Ich hätte mich schon früher selbstständig machen sollen.“ Zum Sommer gibt Gerhold (65) die Q1-Tankstelle an der Nürnberger Straße ab. Er ist zuversichtlich, dass sich ein neuer Pächter ab Juli findet. „Andernfalls müsste mein Bruder mit dem Schlepper kommen und wir müssten alles ausräumen. So viel Platz habe ich doch gar nicht in meiner Garage“, sagt der 65-jährige Körler und lacht.

Über 30 Jahre war Gerhold vorher bei der Raiffeisen-Warenzentrale beschäftigt. Er leitete als KFZ-Meister eine Werkstatt. Sein Steuerberater habe ihn damals darauf aufmerksam gemacht, dass für die Tankstelle ein Pächter gesucht wird. Gerlinde und Willi Kilian gaben die Tankstelle damals ab – nach 22 Jahren, erzählt Gerhold. „Naja, und ich hatte schon immer den Traum im Hinterkopf, mal etwas eigenes zu haben.“

Zur Tankstelle gehören eine Waschanlage und eine Werkstatt. Doch Gerhold repariert dort nicht nur Autos. In der Werkstatt stehen Dutzende Rasenmäher, die darauf warten, für die kommende Gartensaison flott gemacht zu werden. „Das ist mein Hobby.“ Meistens steht Gerhold aber im Verkaufsraum der Tankstelle. Auch seine Frau Elisabeth arbeitet dort. Gerhold hat außerdem einen Angestellten.

Während im Kreisteil Melsungen in den vergangenen 18 Jahren einige Tankstellen überfallen worden sind, blieben die Gerholds davon „Gott sei Dank“ verschont. Die Lage direkt im Ort und die Tatsache, dass die Tankstelle abends schließt, seien sicherlich die Gründe dafür, sagt Gerhold.

Vor einigen Jahren hätten es die beiden aber doch mal mit der Angst zu tun bekommen, erzählt der 65-Jährige. Ein betrunkener Jugendlicher sei zu Fuß zur Tankstelle gekommen und habe Gerholds Frau beleidigt. Nachdem Gerhold etwas schroff sagte, dass er das unterlassen solle, sprang der Jugendliche in die Scheibe der Tankstelle. Die Scheibe sei komplett gesplittert. „Der hätte sich alles aufschneiden können.“ Es sei aber noch einmal gut ausgegangen. „Aber uns hat das damals wahnsinnig zugesetzt.“

Glück im Unglück hatte Gerhold auch gleich im ersten Jahr, als er die Pacht übernommen hatte. Abends hatte er vergessen, die Tanksäulen abzustellen. „Einer hat mit einer Tankkarte getankt und einer für 40 Euro und ist anschließend einfach weggefahren. Das hätte auch ganz anders ausgehen können.“

Wenn in der Tankstelle um 18.30 Uhr das Licht ausgeht, dann ist für Gerhold der Arbeitstag noch nicht vorbei. Am Abend geht’s an den Schreibtisch, die Buchhaltung wartet. „Ja, das gehört eben auch zur Selbstständigkeit.“ Aber das habe er dafür, sein eigener Chef zu sein, immer gern in Kauf genommen. „Aber jetzt, nach 18 Jahren, reicht es auch mal“, sagt der KFZ-Meister. Mit seiner Frau wolle er den Ruhestand nutzen, um ein bisschen auf Reisen zu gehen. Island würden sich die beiden gern mal ansehen. „Und auf Usedom waren wir lange schon nicht mehr.“ Außerdem wolle er mehr Zeit mit seinen fünf Enkelkindern verbringen.

Gerhold ist zuversichtlich, dass sich ein neuer Pächter für die Tankstelle findet. „Ich habe ein gutes Gefühl, dass es hier weitergeht.“ Die Tankstelle habe viele Stammkunden. Ein Großteil der Kunden seien Gewerbetreibende aus dem Ort. „Wir sind gut aufgestellt.“ Aber der neue Pächter muss sich darauf einstellen, dass er auch mal von den Kunden für hohe Benzinpreise verantwortlich gemacht wird. „Die Kunden gibt es immer wieder“, sagt der 65-Jährige. Aber die meisten wüssten mittlerweile, dass die Preise zentral geregelt würden. Das Benzin in den Körler Säulen kommt übrigens von Aral. Wenn Gerhold mal an einer anderen Tankstelle als an seiner eigenen tanken muss – beispielsweise, wenn er aus dem Urlaub im Allgäu nach Hause fährt – dann sucht er gezielt aus, wo er sein Geld lässt: „Ich unterstütze immer die kleinen Tankstellen.

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